Was "seine" VP dazu sagt

17. April 2019 05:30; Akt: 17.04.2019 07:53 Print

Mitterlehner rechnet in neuem Buch mit Kurz ab

von R. Zwickelsdorfer/M. Klein - Fast zwei Jahre nach Reinhold Mitterlehners Ende als VP-Chef erscheint am Mittwoch sein Buch "Haltung". Darin rechnet er mit der "neuen" ÖVP ab.

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Reinhold Mitterlehner wurde am 10. Dezember 1955 in Helfenberg geboren. Er war seit 2002 Bezirksparteiobmann der ÖVP im Bezirk Rohrbach und seit dem Jahr 2008 Wirtschaftsminister. 2013 übernahm er auch die Agenden des Wissenschafts- und Forschungsministers. Am 8. November 2014 wurde er Bundesparteiobmann der ÖVP, nachdem er am 1. September 2014 Michael Spindelegger als Vizekanzler nachgefolgt war. Infolge des Rücktritts von Werner Faymann am 9. Mai 2016 war Mitterlehner bis zur Anlobung seines Nachfolgers Christian Kern am 17. Mai kommissarischer Regierungschef. Mitterlehner hat Rechtswissenschaften in Linz studiert und später einen Post-Graduate-Lehrgang für Verbandsmanagement in Freiburg abgeschlossen. Seine beruflichen Anfänge hatte Mitterlehner in der Wirtschaftskammer Oberösterreich als Abteilungsleiter im Marketing - 12 Jahre lang von 1980. Zuvor hatte er ein Gerichtspraktikum absolviert. Danach war er bis 2000 war er Geschäftsführer des Österreichischen Wirtschaftsbundes. Von 2000 bis 2008 war Mitterlehner Generalsekretär-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Österreich. Politisch war Mitterlehner schon ab 1991 aktiv. Anfangs saß Mitterlehner bis 1997 im Gemeinderat von Ahorn, 2002 wurde er Chef der ÖVP Rohrbach. Bereits seit 2000 saß er im Nationalrat. Seit 2001 war Mitterlehner mit einer Pause Obmann des parlamentarischen Wirtschaftsausschusses. 2008 wurde Mitterlehner vom damals geschäftsführenden ÖVP-Parteiobmann Josef Pröll als zukünftiger Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend präsentiert und später angelobt. Erneut als Minister angelobt wurde Mitterlehner nach den Wahlen 2013 von Bundespräsident Heinz Fischer. Nach dem überraschenden Rücktritt Michael Spindeleggers als Finanzminister, Vizekanzler und ÖVP-Obmann im August 2014 wurde Mitterlehner ÖVP-Bundesparteiobmann und Vizekanzler. Reinhold Mitterlehner ist mit seiner Frau Anna Maria verheiratet und hat zwei Töchter aus dieser Ehe. Eine weitere Tochter Mitterlehners aus einer vorehelichen Beziehung starb 2016 38-jährig an Krebs. Sein Verbindungsspitznamen "Django" wurde im Rahmen seiner Wahl zum Bundesparteiobmann der ÖVP im August 2014 österreichweit bekannt. 2011 erhielt Mitterlehner das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich. 2016 erhielt Mitterlehner den Orden der Freundschaft der Russischen Föderation. Nach tagelangen Streitigkeiten inner- und außerhalb der ÖVP trat Reinhold Mitterlehner am 10. Mai 2017 in einer eilig anberaumten Pressekonferenz zurück. Zunächst hatte die VP-Führung noch erklärt, es handle sich um ein böses Gerücht, das vermutlich vom Koalitionspartner gestreut worden sei. Außenminister Sebastian Kurz, der von vielen als Nachfolgekandidat gehandelt wird, sah sich sogar genötigt, in persönlichen Telefonaten mit VP-Granden seine Loyalität zum Parteichef zu erklären. Hintergrund des Polit-Streits earen die Äußerungen von Innenminister Wolfgang Sobotka (ebenfalls ÖVP): Denn der hatte in einem Interview Bundeskanzler Christian Kern "Versagen" vorgeworfen.

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Am 10. Mai 2017 schmiss Reinhold Mitterlehner als VP-Chef hin. Am Mittwoch erscheint sein Buch "Haltung", geschrieben von Barbara Tóth ("Falter"). Es ist die erwartete Abrechnung mit der "neuen" VP (deren Mitglied er aber immer noch ist). Mitterlehner gibt vielen (sich nicht) die Schuld am Polit-Ende, wirft vielen (anonym) vieles vor.

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208 Seiten, 14 Kapitel: Das ist "Haltung – Flagge zeigen in Leben und Politik". "Heute" hat es vorab für Sie gelesen. Mitterlehner über:

Sein Buch

"Das Buch trägt den Titel 'Haltung', weil ich mich Zeit meines Lebens darum bemüht habe, meine Linie durchzuziehen. Es ist auch ein Buch gegen das Verschweigen."

Seinen Bruch mit Kurz

"Ich sollte für ihn die Koalition aufkündigen und den Schwarzen Peter nehmen, damit er unbefleckt in Neuwahlen gehen könne … Ich sagte ihm sinngemäß: 'Wenn ich den Koalitionsbruch provoziere und es geht schief, hält mich jeder in der Partei für einen Wahnsinnigen. Wenn wir die Wahlen verlieren oder wieder Zweiter werden, die Konstellation also gleich bleibt oder wir gar nicht mehr in der Regierung sind, genauso. Gewinnst du tatsächlich … bleibt über, dass du der Sieger bist, der Mitterlehner aber der Sprengmeister war. Also was soll das für eine Option sein?' Kurz sagte, er verstünde das und akzeptiere es. Aber ich sei ab jetzt mit meinen Problemen alleine und müsse die volle Verantwortung tragen – der endgültige Bruch."

Kurz' Machtübernahme

"Es wurde publik gemacht, ich hätte meine Partei, allen voran Sebastian Kurz und sein Team, mit meinem Rücktritt völlig überrascht und nahezu überrumpelt. In dankenswerter Weise hätte er daraufhin die Partei in ihrer schwierigen Lage übernommen. Als dann jene geheimen Unterlagen auftauchten, die zeigten, dass Kurz und seine Vertrauten sich bereits seit mehr als einem Jahr minutiös auf die Übernahme des Parteivorsitzes und der Partei vorbereitet hatten … schob man als zweiten Erklärungsansatz nach: 'Wenn er das schon übernehmen musste, sei es wohl klar, dass er sich auch entsprechend darauf vorbereitet hätte.'"

Seinen Rücktritt

"Bis dahin hatte außer mir selbst niemand, auch meine Familie nicht, etwas von dem exakten Termin gewusst. Um 11.45 Uhr informierte ich den Bundespräsidenten und den Bundeskanzler (Christian Kern, Anm.) von meinem Vorhaben."

Seine Rede bei der Rücktritts-Pressekonferenz

"Es war eine schwierige Rede und ein Schlüsselmoment in meinem politischen Leben, gleichzeitig war sie jedoch auch befreiend … Für mich persönlich markierte der Tag den Abschied von meinem bisherigen beruflichen und politischen Leben und zugleich den Aufbruch und die Reise in eine neue Lebensphase."

Abschiedsrede am Parteitag

"Das vom Publikum dort erhoffte 'Schwamm drüber, Politik ist halt, wie sie ist' schien mir falsch, eine Totalabrechnung hätte mir nichts genützt und der Partei schwer geschadet, also wählte ich einen Mittelweg ohne persönliche Vorwürfe."

Verhältnis Politiker und Journalisten

"Da sind zum einen die Politiker, die von Journalisten eine bestimmte Berichterstattung erreichen wollen, und zum anderen die Medienmacher, die von Politikern Geld für Inserate und Kampagnen und Kooperationen einfordern und mit positiven oder negativen Schlagzeilen drohen." (Hier bringt er ein Beispiel aus 2009, ohne "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner namentlich zu nennen, Anm.)

Die neue VP

"Wahlstrategisch ist es eine richtige Entscheidung, fast ausschließlich auf zentrale Steuerung zu setzen. Aber wenn man von der Partei zur Wahlbewegung, ja zum Wahlverein wird, macht man sich personell vollständig abhängig von einer einzelnen Person."

Die neue VP reagierte gelassen: "Natürlich gibt es beim Blick auf die Vergangenheit immer unterschiedliche Perspektiven. Gerade in diesem Fall ist das offensichtlich", so VP-General Nehammer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eveline am 17.04.2019 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja...

    Mitterlehner kann es anscheinend nicht verkraften, daß er nicht mehr Vizekanzler ist. Statt froh zu sein, daß seine Partei so gut dasteht, verhält er sich wie ein kleines Kind.

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  • Brigitta am 17.04.2019 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Das Gejammer eines Verlierers, einfach nur peinlich

  • Reini am 17.04.2019 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der Linksruck und das Anbiedern

    an die SPÖ unter Mitterlehner führte dazu dass jemand der Partei neues Selbstbewusstsein geben musste. Und, wie man sieht, gelang dies auch.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Peter Rauch am 20.04.2019 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie clever

    Hat er gut gemachter zahnlose Django, zumindest fürs Geschäft. Diskussionen angeheizt, zurecht vermissen worden, aber am 2. Tag ausverkauft. Allerdings seine Meinung muss man net wirkliche verstehen, er der den Spindelegger seinerzeit abgeschossen hat, heult jetzt rum. Der einzige Unterschied ist sein Vorgänger hätte noch die eine oder andere Wahl vielleicht gewonnen, er hat die ÖVP nbsp die Wand gefahren.

  • Die neue Sabrona am 18.04.2019 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Miimiiimmii

    Immer dieses rote Gejammer, ich kann es schon nicht mehr hören.

  • Max Mustermann am 18.04.2019 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    Staubfänger im Bücherregal

    Wer kauft solche "Bücher"? Das muss ja ähnlich spannend sein wie die Biographie der Jazz-Gitti oder die Tipps und Lebensweisheiten von Chris Lohner. Unter einem guten Buch stelle ich mir was anderes vor. Wen interessiert die Geschichte des politischen Abgangs eines für viele Leute fast Unbekannten?

  • Iwo am 18.04.2019 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu der Personenkult um Kurz?

    Mittlerlehner erschien mir oft grantig aber manchmal auch humorvoll und auf jeden Fall menschlich. Aber Kurz gibt ja nichtmal Interviews oder stellt sich kritischen Fragen der Presse. Im Gegenteil, die öffentliche Meinung will er formen. Ich hab ihn nicht gewählt, fühl mich nicht mit dieser ÖVP verbunden und seh wenig von den vollmundigen Wahlkampf-Versprechen umgesetzt. Wo gehts euch anders, im Börsel?

  • Grigorovich Ourumov am 17.04.2019 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chance nützen

    Herr Kurz hat eine Chance bekommen, und er hat sie genützt! Herr Mitterlehner hatte auch eine Chance, und er hat sie nicht genützt! Das ist der Unterschied!

    • rudi am 17.04.2019 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grigorovich Ourumov

      django war nur mitspieler im kasperltheaterstück " warten auf godot "

    • Iwo am 18.04.2019 00:34 Report Diesen Beitrag melden

      Ob das so sinnvoll ist

      die Sozialpartnerschaft in die Pfanne zu haun wird sich noch weisen. Alleinherrschaft tut einer Demokratie nie gut. Denn die lebt vom Dialog.

    • Censorship am 18.04.2019 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Iwo

      DAS sehen wir ja in Wien, von wegen Dialog... Wo hat die AKP 2.0 (SPÖ) einen Dialog geführt, als man unkontrolliert Flühtlinge ins Land ließ? Sie wissen, dass Österreich ein EU-Binnenland ist und außer mit dem Flugzeug kommt man eigentlich nicht wirklich legal bis Österreich... Und sinnfreie Parteibonzenarbeitsplätze abzuschaffen, ist für mich kein "in die Pfanne hauen", sondern sparen, etwas wovon die AKP 2.0 NULL Ahnung hat... Ich habe Kurz gewählt (als Arbeitnehmer) und bin immer noch nicht unglücklich darüber...

    • Hanni am 18.04.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Censorship

      Die zuständige Innenministerin ist jetzt Landeshauptfrau von Niederösterreich und der Aussenminister ist jetzt Bundeskanzler.

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