Pädagogik-Paket

05. Dezember 2018 19:07; Akt: 05.12.2018 19:15 Print

Volksschüler bekommen wieder Ziffernnoten

Trotz aller Kritik hat das umstrittene Unterrichtspaket am Mittwoch mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ den Nationalrat passiert.

Volksschüler bekommen wieder Ziffernnoten. (Bild: Karl Schöndorfer)

Volksschüler bekommen wieder Ziffernnoten. (Bild: Karl Schöndorfer)

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Das von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) initiierte Pädagogik-Paket wurde im Nationalrat durchgewunken. Am kommenden Mittwoch (12.12.) soll es im Plenum beschlossen und im nächsten Schuljahr schließlich umgesetzt werden.

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Verpflichtender Förderunterricht

Die Reform sieht unter anderem vor, dass an Volksschulen Schüler ab dem zweiten Semester der 2. Klasse wieder mit Ziffernnoten beurteilt werden. Gleichzeitig soll es in allen Klassen auch zusätzlich Beurteilungen durch Kompetenzraster geben. Gleichzeitig dürfen Schüler künftig ab der zweiten Klasse wieder sitzenbleiben. Eltern betroffener Kinder sollen zu Bewertungsgesprächen über den Leistungsstand der Kinder eingeladen werden. Zudem sollen Schüler zu Förderunterricht verpflichtet werden dürfen.

Neuerungen an Mittelschulen

Reformiert wird auch die Notenvergabe in der Neuen Mittelschule (NMS), die künftig zur "Leistungsorientierten Mittelschule" werden soll. An den Mittelschulen, wie die Neuen Mittelschulen künftig heißen sollen, will Minister Faßmann die Notenzahl von 7 auf 5 reduzieren, die Differenzierung in "Standard" und "Standard AHS" ab der zweiten Klasse einführen, und zusätzlich eine dauerhafte Gruppenbildung der Schüler anhand ihrer Leistungsniveaus in den Pflichtfächern ermöglichen.

Überdies sieht der Entwurf mit Verweis auf die Ausbildungspflicht bis 18 ein freiwilliges 10. Schuljahr an Polytechnischen Schulen vor.

Die als Pädagogikpaket betitelte Schulrechts-Sammelnovelle soll laut Gesetzesentwurf zu mehr Transparenz und Objektivität bei der Leistungsbeurteilung in Volksschulen und Mittelschulen führen, so die Verantwortlichen.

Lesen Sie hier: Regierung holt die Schulnoten zurück >>>

Regierung für Noten, Opposition für Alternativen

Bildungspolitisch bewege man sich mit dem Pädagogikpaket in die falsche Richtung, da Ungerechtigkeiten verstärkt würden, meinen allerdings die Oppositionsparteien SPÖ, NEOS und JETZT dazu. ÖVP und FPÖ widersprachen: Für die gezielte Förderung der Schülerschaffe die Novelle den richtigen Rahmen.

Worüber Einigkeit herrscht: Alle Parteien wollen ein Bildungssystem, das Kinder und Jugendliche bestmöglich auf das weitere Leben vorbereitet. Über die Ausgestaltung des Schulwesens weichen die Zugänge jedoch stark voneinander ab, Sonja Hammerschmid (SPÖ) warf der Regierung vor, "soziale Trennwände" im Bildungsbereich wieder zu errichten. Benotung ab der zweiten Schulstufe erhöhe den Leistungsdruck bei allen Beteiligten.

Das Pädagogikpaket liefert nach Meinung von Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) Rückschritte in mehreren Bereichen, es trage nicht zu einem zukunftsorientierten Bildungssystem bei, zumal viele Maßnahmen "ohne Evidenz und nur aus parteipolitischen Gründen gesetzt" worden seien.

Für die FPÖ ist das Pädagogikpaket eine Notwendigkeit, dem Leistungsverfall unter Schülern beizukommen. Die Ergebnisse der internationalen Schulleistungsuntersuchung PISA würden belegen, dass angesichts des schlechten Abschneidens heimischer Schüler bei den Grundfertigkeiten sinnerfassendes Lesen, Rechnen und Schreiben eine Schulreform dringend erforderlich ist. Die Schulrechtsnovelle werde dank stärkerer Leistungsförderung und Differenzierung für eine sinnvolle Weiterentwicklung der Pflichtschulen sorgen, heißt es seitens der ÖVP.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • güp am 05.12.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehr gut

    das ist unumstritten die beste lösung. sonst gäbe es sie nicht schon immer - weltweit!!! man muß nicht immer das ead neu erfinden ihr obergscheitln...

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  • Franz am 06.12.2018 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie traurig

    Ich finde es irgendwie traurig, dass es erst eine ÖVP/FPÖ-Regierung braucht - um solche hirnbefreiten Regelungen wieder abzuschaffen. Die Note zeigt dem Schüler wie gut seine Leistung ist - genau so wie es im späteren Leben auch ist. Heutzutage herrscht eine Leistungsgesellschaft - damit muss man sich abfinden.

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  • Nimmer Lang am 05.12.2018 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Verschleierung ist alles,jetzt

    Gewisse Kreise der Opposition, vorwiegend die ohne Leistung, Leistung nur mit dem Mundwerk, wollen doch nur verhindern, dass ihre Kinder sich nicht anstrengen müssen und es auffallen könnte die geraten den Eltern nach.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Lena am 07.12.2018 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Belanglose Reformen

    Ein Freund von mir meinte letztens, dass Politiker nahezu magisch angezogen werden von belanglosen Reformen. Jetzt bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich mich behaupten traue: Ich weiß genau, was er damit gemeint hat. Warum man sich nicht über wirklich wichtige Dinge den Kopf zerbricht? Ach, das würde zu viele Konsequenzen mit sich bringen.

  • Mar Tink am 06.12.2018 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Logik und Arbeitswillen der Regierung

    Trotz der einseitigen Berichterstattung über die Regierung erkennt die Bevölkerung die zahlreichen positiven Entwicklungen auf nahezu allen Ebenen, das bestätigen alle Umfragewerte! Fast nur Arbeitslose und Migranten wählen RotGrün

  • Semiramis am 06.12.2018 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder wollen Noten

    Wer erinnert sich nicht, daß wir immer die Köpfe zusammengesteckt haben: "Was hast du in...." oder "Was hat dir der .... in ...." gegeben?" Kinder wollen sich vergleichen. Wie sollen die sprachunkundigen Eltern wissen, wie ihr Kind steht? Wer liest schon den ganzen Sermon und macht eine Kurzfassung draus, um herauszufinden, ist das jetzt gut oder schlecht. Aber man darf ja nichts Negatives sagen über die Leistungen, versteckt wie später in den Zeugnissen im Arbeitsleben. Eine Klasse zu wiederholen war doch nicht so schlecht. Druck wegnehmen, auf die schlechten Fächer konzentrieren....

  • Zyniker am 06.12.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten zählen nicht

    es gibt da eine recht interessante Studie, die Zeit, dass gerade in der Volksschule die Kinder mehr und besser lernen, wenn sie eine Feedback-Bewertung und keine Notenbewertung bekommen. Das zeigt auch das Ergebnis der Pisastudie, bei denen gerade diese Staaten, bei denen es keine Noten gibt, besonders gut abschneiden. Pisa-Sieger Singapure hat die Noten bis zum 8. Lebensjahr abgeschafft. Nur so als Beispiel. Unsere Regierung hat kein Interesse daran, dass Bildung passiert. Leute mit Bildung sind durch Hetze schlechter beeinflussbar. Das erklärt diese Entscheidung.

    • Kritischer Geist am 06.12.2018 16:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Zyniker

      Sie verwechseln Korealation mit Kausalität. Zu meiner Zeit waren Noten in den Schulen eine Selbstverständlichkeit. Das war eine Zeit, in der alle Pflichtschulabsolventen sinnerfassend lesen und schreiben konnten, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Es waren die linken Bildungsexperimente der vergangenen Jahre, die nachweislich das Bildungsniveau an unseren Schulen gesenkt haben. Wer der linken Gleichschaltungsideologie anhängt, dem ist meist ein Staat mit alles Dummen lieber als ein Staat mit einigen Klugen - Hauptsache alle sind gleich.

    • Mar Tink am 06.12.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      Singapur fordert, statt fördert

      Singapur hat keine derart mindergebildeten Migranten und in Singapur herrscht eine Strenge, bei denen auch die Eltern dahinter sind. Zudem können dort alle die lokale Sprache und es gibt keine subventionierten Förderungen vom Staat

    • Ss am 06.12.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zyniker

      Eine allg Wesensbeurteilung und Form des äusseren Arbeitens ist sehr wohl bei Zeugnissen in verbaler Form dabei. Nur was nützt eine reine verbale Beurteilung, wenn in Schulen mit hohen Migrationsanteil die Eltern kaum der deutschen Sprache mächtig sind. Viele junge Menschen haben es in der heutigen Zeit nicht einmal den Pflichtdchulabschluss geschafft. Alles Ergebnisse der verbalen Notenbeurteilung der letzten zehn Jahre.

    • Knut Randauch am 06.12.2018 22:10 Report Diesen Beitrag melden

      Gerade die PISA-Studie

      sagt kaum was aus. Die Tests sind anonym und werden nicht benotet. Wozu also soll sich ein Schüler bemühen? Irgendwas ankreuzen, je schneller ich fertig bin, um so früher kann ich hier raus, aufs Fahrrad oder auf den Fußballplatz.

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  • Salomon am 06.12.2018 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wiedereinführung der Noten

    ist das Vernünftigste, weil es den genauen, vergleichbaren Leistungsstand eines Schülers zeigt, und nicht ein schöngefärbtes, unverständliches Geschreibsel ist, mit dem man nichts anfangen kann.