Reporter ohne Grenzen

18. April 2019 09:57; Akt: 18.04.2019 11:49 Print

Weniger Pressefreiheit in Österreich – "alarmierend"

In der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit rutscht Österreich aus dem Spitzenfeld. Reporter ohne Grenzen sieht eine "massive Verschlechterung".

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Seit der ersten Auflage im Jahr 2002 befand sich Österreich immer im unbedenklichen Bereich der Rangliste der Pressefreiheit – bis jetzt. In der neuesten Auflage rasselt das Land von Platz 11 auf Platz 16 und verliert damit nicht nur fünf Ränge, sondern auch die Einstufung als Land mit guter Pressesituation. Jetzt ist die Lage nur noch "zufriedenstellend".

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"Das ist alarmierend. Aus unseren Nachbarländern wissen wir, wie leicht angreifbar scheinbar unangreifbare Werte wie Pressefreiheit sind", so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, in einer Aussendung. "Unabhängiger Journalismus ist Basis jeder Demokratie und muss entsprechend verteidigt werden."

Attacken auf Journalisten

Der Grund für die "massive Verschlechterung" ist laut Reporter ohne Grenzen die türkis-blaue Koalition. Seit der Angelobung der ÖVP-FPÖ-Regierung seien direkte Angriffe auf Medien häufiger geworden. Die Angst vor persönlichen Angriffen führe zu Selbstzensur und weniger kritischer Berichterstattung.

Als Beispiel nennt Reporter ohne Grenzen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ), der den ORF-Anchorman Armin Wolf zu diffamieren versuchte. Strache hatte auf seiner persönlichen Facebook-Seite ein Sujet gepostet, in dem er Armin Wolf und den ORF der Lüge bezichtigt. Man einigte sich gütlich. Strache entschuldigte sich öffentlich und zahlte 10.000 Euro Entschädigung, die Wolf spendete.

Ähnlich sei es laut der Organisation ORF-Korrespondent Ernst Gelegs ergangen, der aus Budapest über die Wiederwahl von Ministerpräsident Viktor Orban berichtet hatte. Die FPÖ witterte tendenziöse Berichterstattung und forderte die Abberufung des Korrespondenten.

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(Bild: Reporter ohne Grenzen)

Norwegen, Finnland und Schweden top

Ein Bericht über die Liederbuch-Affäre habe wiederum die "Standard"-Journalistin Colette Schmidt ins Zentrum gerückt. Die Jugendorganisation der FPÖ veröffentlichte ein Foto von ihr, gemeinsam mit ihrer Mailadresse und der Aufforderung, Schmidt zu schreiben. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wiederum richtete in einem Schreiben an die Polizei die Weisung, "kritische Medien" von Informationen fernzuhalten und nannte die "kritischen Medien" namentlich.

Die ersten Plätze der Liste belegen Norwegen, Finnland und Schweden. Damit sind weiterhin sieben von zehn Ländern in den Top Ten europäisch. Auf Rang 7 liegt Neuseeland, auf Rang 8 Jamaika und auf Rang 10 Costa Rica. Am weitesten aufgeholt haben Äthiopien (+40 Plätze), Gambia (+30 Plätze) und Tunesien (+25 Plätze).

Die Rangliste der Pressefreiheit wird seit 2002 jährlich erstellt und misst durch 117 Fragen die Situation von Journalisten, Medienhäusern und zivilen Bürgerreporterinnen und -reportern in 180 Ländern.

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(lu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ehklar am 18.04.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Pressefreiheit ist in einer Demokratie sehr wichtig! Aber mindestens genauso wichtig ist die persönliche Meinungs- und Redefreiheit! Da sehe ich eine viel größere Gefahr durch die Meinungs- und Gesinnungspolizei!

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  • Max Mustermann am 18.04.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Da liegt der Hund begraben

    "Unabhängiger Journalismus ist Basis jeder Demokratie und muss entsprechend verteidigt werden." Genau das werfen ja die Kritiker dem ORF vor: Die Journalisten sind und waren nie politisch unabhängig.

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  • Privat am 18.04.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Hohes Gut, aber ...

    Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das unbedingt verteidigt werden muss. Sie ist aber auch eine große Verantwortung, mit der Medien behutsam umgehen müssen. Wir haben leider all zu oft erlebt, dass eine Meinungslinie Platz hat und alles andere als Fake diskreditiert wird, anstatt sich einer Diskussion zu stellen. Auch müssen Journalisten durchaus bereit sein, sich mit Kritik auseinander zu setzen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Orfboy am 21.04.2019 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Rettet unserem ORF vor Kurz Strache

    Ich liebe unseren Sender ORF und wir müssen ihn vor der Gefahr retten. Wir brauchen endlich ne höhere GIS !!!!!!

    • karin am 17.05.2019 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orfboy

      Sie meinten das Programm jaaa bitte wenn ich schon zahlen muss.

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  • Franz Absberg am 19.04.2019 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitigkeit ohne Grenzen

    Wolf ist der Repräsentant des linken ORF und jede Kritik an der einseitigen Berichterstattung wird als Angriff auf die Pressefreiheit denunziert.

  • Salomon am 19.04.2019 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hintergrundwissen

    Habe mir in Wikipedia genauer angesehen welche Leute in der NGO "Reporter ohne Grenzen" in der österreichischen Sektion (Verein) mitarbeiten, und für die sogenannte Rangliste tätig sind. Sehr interessant.

  • hannes am 18.04.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    na sowas

    die blasen ja ins selbe Horn ... wer hat die als Richter bestellt?

  • Mama am 18.04.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Rechte Diktatur

    Die Pressefreiheit wird eingeschränkt und die Massenüberwachung wird ausgebaut. Erdogan lässt grüßen.