SPÖ-Geschäftsführer tritt zurück

30. September 2017 15:46; Akt: 30.09.2017 20:27 Print

Schmutzkampagne gegen Kurz kam von SPÖ-Berater

Der Ex-SPÖ-Berater Silberstein soll rechte Facebook-Seiten gegen ÖVP-Chef Kurz betrieben haben. SPÖ-Wahlkampfchef Niedermühlbichler tritt zurück.

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Es ist die jüngste Bombe im aktuellen Wahlkampf, dessen Grundton ohnehin nicht zimperlich ist: Die beiden rechten Facebook-Seiten "Wir für Sebastian Kurz" und "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" sollen von Mitarbeitern des ehemaligen SPÖ-Beraters Tal Silberstein betrieben worden sein. Das berichten "Profil" und "Presse am Sonntag".

Silberstein, der sich derzeit in Israel wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss, soll mit 500.000 Euro Budget die beiden Seiten konzipiert und betrieben haben, die mit zum Teil rassistischen und antisemitischen Aussagen auffielen.

"Ohne Wissen und Auftrag der Chefetage"

SPÖ-Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Georg Niedermühlbichler erklärte gegenüber "Profil" und "Presse am Sonntag", dass dies ohne Auftrag und Wissen der Parteiführung geschehen sei. Trotzdem zog er die Konsequenzen und trat von seinen Ämtern zurück. Das Engagement von Silberstein sei ein "der größte Fehler" des Wahlkampfes gewesen.

In einer Pressekonferenz am Samstag wiederholte Niedermühlbichler: Es gab keinerlei Auftrag oder Wissen der Parteileitung für diese Seiten, die er als "abscheulich und nicht mit den sozialdemokratischen Werten vereinbar" bezeichnete. "Ich frage mich, wes Geistes Kinder sich solchen Irrsinn ausdenken", so Niedermühlbichler. Er betonte, dass es keinerlei Geldflüsse von der SPÖ hin zu diesem Projekt gegeben habe.


Rücktritt von Georg Niedermühlbichler. (Quelle: Video3)

Verbindungsmann zu Silberstein und dessen Team sei ein Mitarbeiter gewesen, der derzeit wegen eines schweren Unfalls im Spital liegt und deshalb noch nicht befragt werden konnte. Dieser habe als einziger von den Facebook-Seiten gewusst.

Ex-ÖVP-Pressesprecher verfasste Hetze gegen Kurz

Kurios: Federführend für die Inhalte der beiden Facebook-Seiten verantwortlich soll Silbersteins Partner und Ex-Pressesprecher der steirischen ÖVP, Peter Puller, sein. Er gilt als Experte im "Dirty Campaigning" und war im vergangenen Wien-Wahlkampf auch für die Neos als Berater tätig.

Die Massen-SMS, die die Neos am Wahltag versendeten und den Pinken eine Verwaltungsstrafe einbrachten, war seine Idee. Die Wiener Neos haben inzwischen ihre Zusammenarbeit mit Puller vorzeitig beendet. "Neos Wien war zu keinem Zeitpunkt von anderen Tätigkeiten oder Aufträgen von Herrn Puller für Tal Silberstein informiert und wir bedauern, dass wir von diesen Umständen über die Medien erfahren mussten", heißt es in einer Aussendung.

Zudem arbeitet Puller laut Presse auch für die von ÖVP-Kandidat Efgani Dönmez initiierte überparteiliche Plattform "Against Extremism", die sich gegen Extremismus und Terror in Europa einsetzt.

Kurz nach Erscheinen der entsprechenden Artikel in beiden Medien, wurden die beiden Facebook-Seiten offline genommen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl Marx am 30.09.2017 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    SPÖ hat davon gewusst!

    Die Kampagne hat 500.000 tausend Euro, oder anders gesagt 1/2 Millionen Euro gekostet. Davon nichts zu wissen ist extrem untertrieben und hat nichts mehr mit Ehrlichkeit zutun. Wer die detaillierten Artikel von Presse und Profil gelesen hat, gibt es schwer belastende Beweise. Die rechtsradikalen und antisemitischen Artikel, kam selbst von dem israelischen Team um Wähler zu verschrecken. Dazu wurde intensiv versucht, der FPÖ die Schuld zu geben. Rechtsradikal ist nicht immer Rechts. Diese skandalöse Praktik der SPÖ ist die unterste Schublade. Manipulation, Betrug und Verleumdung! Betrug!

  • Monika W. am 30.09.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die Methoden sind aber nicht sehr sozial .

    Ganz ehrlich , wer jetzt noch die SPÖ wählt , dem ist echt nicht mehr zu helfen . Die Methoden welche diese Partei anwendet ist unter jeder Würde . Das ist die soziale Partei die Österreich ins Verderben stürzt nur um sich an der Spitze zu halten und dabei ist ihnen scheinbar jedes Mittel recht . Pfui , kann ich nur sagen SPÖ , mir kommt das würgen bei den Methoden . Meine Stimme ist bei einer anderen Partei jedenfalls besser aufgehoben .

    einklappen einklappen
  • Franziska L. am 30.09.2017 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Der Saubermann hat sich schmutzig gemacht

    Niedermühlbichler ist ein klassisches Bauernopfer . Einer musste den Hut nehmen damit der Häuptling weiter im Amt bleiben kann . Ich hege den Verdacht , das Niedermühlbichler von sich aus gar nicht zurücktreten wollte , ihm aber zum Wohle der Partei nahegelegt wurde jetzt sofort zu gehen . Pizzaboy Slim Fit sollte Größe zeigen und ebenfalls den Hut nehmen . Die Verantwortung kann er nicht abstreiten . Er ist immerhin der Chef der ganzen Truppe . Und dran glauben müssen immer nur die kleinen . Treten sie zurück Herr Kern . Ihr Saubermannimage ist gerade in einen großen Haufen Dung gefallen .

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Tom Tom am 01.10.2017 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Puller

    Peter Puller war früher bei der ÖVP und hat damals schon solche Praktiken praktiziert. Schon seltsam!

  • Weisswähler am 01.10.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Manipulation

    Natürlich ist diese Causa zu verurteilen, doch hier wird auch mit der Blauäugigkeit der Wähler gespielt. Die Wahrheit über S. Kurz, wer glaubt denn schon an Märchen.

  • Wolfgang Rohrschacher am 01.10.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die drei Affen

    Wie bei den drei Affen : Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Und selbst natürlich nichts machen. Hauptsache nicht juristisch verantwortlich sein. Das sind halt die Politiker oder auch Konzernlenker.

  • Calimero am 01.10.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politikerstadl

    Alle sind da verbandelt und da wird noch mehr ans Tageslicht kommen !

  • Babsi am 01.10.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelagent Silberstein?

    Weshalb versuchten ÖVPler ein Treffen Silberstein-Kurz zustande zu bringen (siehe Silberstein-Interview in Österreich)? Wollte Kurz Silberstein für dirty campaining engagieren? Ist Silberstein vielleicht für SPÖ und ÖVP tätig geworden? Spannend!