Proteste zur Angelobung

18. Dezember 2017 18:11; Akt: 18.12.2017 20:00 Print

Video zeigt Chaos am "Tag X"

1.500 Polizisten, Wasserwerfer, Platzverbot, gesperrte Straßen: Tausende gingen gegen Türkis-Blau auf die Straße. Der "Tag X" im Video und im Ticker zum Nachlesen.

Chaos am "Tag X"
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Die Angelobung der neuen Bundesregierung in der Wiener Hofburg am heutigen Montagvormittag wurde von Tausenden Demonstranten begleitet. Gleich neun verschiedene Protestmärsche hatten sich in den Morgenstunden formiert und sind anschließend auf dem Heldenplatz aufmarschiert, um ihrem Widerstand gegen die türkis-blaue Koalition Ausdruck zu verleihen.

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U3-Station Herrengasse blockiert

Neben Antifaschisten und linken Gruppierungen gingen bei der #Schulstreik-Demo auch hunderte SchülerInnen auf die Straße. Durch die Demonstrationen mussten zahlreiche oberirdische Öffi-Linien vorübergehend ausgesetzt, umgeleitet oder kurz geführt werden. Einen ersten Zwischenfall gab es am Vormittag in der Herrengasse. Die Wiener Linien fuhren die U3-Station mehrere Stunden lang wegen einer dort stattfindenden Demo nicht an.

Gegen 10 Uhr trafen die diversen Protestmärsche schließlich am Heldenplatz ein, eine Stunde vor der offiziellen Angelobung der neuen Bundesregierung. Hunderte Polizisten waren in Schutzausrüstung hinter Tretschutzgittern in Position gegangen um das Platzverbot im Regierungsviertel durchzusetzen und die eintreffenden Neo-Minister abzuschirmen.

Auch zwei Wasserwerfer der Wiener Polizei waren hinter dem Reiterstandbild Erzherzog Karls Stellung gebracht worden – ihr Einsatz war glücklicherweise nicht nötig.

Tag X: Proteste gegen Angelobung von Türkis-Blau

Brand auf dem Heldenplatz gelegt

Immer wieder kam es allerdings zu kleineren Tumulten. Einzelne Demoteilnehmer versuchten die Polizeiabsperrung zu durchbrechen und die Exekutivbeamten, die aus ganz Österreich hinzugezogen wurden, wurden mit Orangen, Paradeiser, Bananen und Eiern beworfen. Zwischendurch wurde auf dem Heldenplatz auch ein fruchtiges Feuer gelegt, Unbekannte fackelten am Fuß einer Straßenlaterne einen Haufen Birnen (!) ab. Warum wissen wohl nur die Zündler. Die Flammen wurden umgehend von Polizei und Feuerwehr gelöscht.

Ausschreitungen und Festnahmen

Kurz vor der Angelobung gab es noch ein Pfeifkonzert für den inzwischen eingetroffen und zu dem Zeitpunkt noch amtierenden Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP), als sich dieser bei den befehlshabenden Polizeibeamten über die Lage informierte.
Die Masse der Menschen löste sich nach der feierlichen Angelobung voller kleiner Hoppalas wieder auf, doch auf dem Ring bildeten sich Spontandemo des Schwarzen Blocks und anderer Gruppierungen, die erneut zur Sperre der wichtigen Verkehrsader führte. Vemummte verschanzten sich hinter Anti-Rechts-Transparenten und zündeten Rauchbomben.

Immer wieder musste die Polizei Straßensperren errichten und Demonstranten zurückdrängen. Es wurden mindestens drei Personen nach "aggressivem Verhalten" festgenommen.

"Schleich die, Oide!"

Zwischendurch kam es immer wieder zu skurrilen und Szenen. Als etwa Falter-Kolumnistin Anna Goldenberg wissen wollte, warum denn die Schottenbastei abgesperrt sei, bekam sie von dem Polizisten vor Ort eine durchaus menschliche, wie wenig hilfreiche Antwort: "Des müssn's die Wiener Kollegen fragen. Wir aus Niederösterreich bewachen’s nur."


Als allerdings etwa ÖH-Vorsitzende Karin Stanger (GRAS) wissen wollte, ob die Polizei "einen Typen neben ihr mitgenommen" hätten, bekam sie nur eine ruppige Reaktion: "Schleich die, Oide!"



Nach der Angelobung nahm die Teilnehmerzahl der Demonstrationen rapide ab, bis schließlich mehr Polizisten als Regierungsgegner auf dem Ring zugegen waren. Kurz nach 13 Uhr dann der Schock:

Demonstranten drangen ins Parlament ein

Zwei Chaoten hatten es offenbar geschafft durch einen Seiteneingang in das Hohe Haus zu gelangen. Die Polizei setzte sofort zur Verfolgung an und konnte die beiden wieder aus dem Gebäude geleiten. Wie die beiden Demonstranten die massive Holztüre, welche außen keine Klinke hat und normalerweise versperrt ist, überwinden konnten, ist nicht bekannt.

Das "heute.at"-Team vor Ort konnte den Tumult nach dem Vorfall mitfilmen (siehe Video oben). Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie sich mehrere Polizisten vor der noch offenen Seitentüre des Parlaments postieren.

Gegen 13.30 Uhr war der Spuk schließlich vorbei: Die letzte Demonstration wurde vor der Universität Wien friedlich aufgelöst. Die vorübergehende Ringsperre konnte erneut aufgehoben werden. Auch die Wiener Linien hatten wieder freie Fahrt.

Amtsübergaben an Türkis-Blau

Die neue Bundesregierung hat in der Zwischenzeit begonnen, ihre Amtsgeschäfte zu übernehmen. Innenminister ade, Wolfgang Sobotka (ÖVP), überreichte nach einem langen Monolog seines Nachfolgers, Herbert Kickl (FPÖ), diesem gegen 14.30 Uhr offiziell die Fahne des Innenministeriums. Auch im Verteidigungsministerium war zeitgleich eine feierliche Übergabe des Amts an Mario Kunasek (FPÖ) geplant.


Tabula rasa auf dem offiziellen Instagram-Account des Bundeskanzleramtes. (Bild: Screenshot Instagram)

Währenddessen bemühte man sich im Bundeskanzleramt öffentlich alle Assoziationen mit Amtsvorgänger Christian Kern (SPÖ) zu kappen. Auf dem offiziellen Instagram-Account wurden sämtliche Bilder gelöscht. Inzwischen findet sich darauf nur noch ein Bild des frischgebackenen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) während der Angelobung und ein Foto des historischen Gebäudes am Ballhausplatz.

"heute.at" berichtete LIVE von der turbulenten Angelobung und den Demonstrationen auf dem Heldenplatz.
Hier können Sie den gesamten Ticker nachlesen:

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patriot5611 am 18.12.2017 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hirnschmalz ist da nicht dabei

    Der Megafonmann schreit die Texte vor, die Menge brüllt sie nach im Chor. Viel "Hirnschmalz" ist da nicht dabei: Das kann sogar ein Papagei!

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  • Wahrheit am 18.12.2017 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Montag früh demonstrieren?

    Das sagt eh schon alles über die Teilnehmer aus....wer sonst hat an einem Montag in der früh (oder auch den ganzen Tag) Zeit um zu demonstrieren? Danke, keine weiteren Fragen, euer Ehren.

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  • Patriot5611 am 18.12.2017 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeche zahlen die Steuerzahler!

    Die linksextreme Szene demonstriert gegen die Angelobung einer ihr nicht genehmen, demokratisch gewählten Bundesregierung. Gewalttätige Übergriffe sind nur durch eine weiträumige Absperrung des Ballhausplatzes und eine massive Polizeipräsenz zu vermeiden. Die Zeche zahlen müssen einmal mehr die Steuerzahler, aber auch Geschäftsleute mit Umsatzeinbußen und die Arbeitnehmer in dieser Stadt. Scheinbar ist das aber im rot/grünen Wien so gewollt. Eine Schande!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Castro am 19.12.2017 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Anschluss an Deutschland

    Anschluss an das gierige Handelssystem in Deutschland. Herr Großohr hat gesagt, dass er nicht vom Schoss der deutschen Kanzlerin herunter möchte ...

  • Waltraud tonweber am 19.12.2017 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Demonstrieren ist demokratisches Recht. Das sag ich, obwohl ich die neue Regierung mitgewahlt habe

    • Kritischer Geist am 19.12.2017 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Waltraud tonweber

      Ist es nicht ein Widerspruch, wenn man ein demokratisches Recht in Anspruch nimmt um gegen ein demokratisch zustandgekommenes Wahlergebnis zu demonstrieren? Genau so gut könnte man das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen um sich für Meinungseinschränkungen stark zu machen. Oder die Pressefreiheit um sich für Zensur einzusetzen. Wir sollten nicht die Intoleranz tolerieren.

    • meschigene mentschn am 19.12.2017 12:06 Report Diesen Beitrag melden

      der "kritische "geist""

      hat noch immer nicht begriffen daß die mentshn nicht gegen das ergebnis der wahl sondern gegen den faschismus demonstrieren.

    • Kritischer Geist am 19.12.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      @meschigene mentschn

      Sie werden akzeptieren müssen, dass nur eine kleine linksextreme Minderheit glaubt, dass es sich bei dieser Regierung um Faschisten handelt. Andernfalls wäre das Wahlergebnis nämlich anders ausgefallen. Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen: Es zeigt sich eine Unzufriedenheit mit einem demokratischen Wahlergebnis. Aber die Linken werden es akzeptieren müssen, dass nur mehr eine kleine Minderheit an den Unfug von Marx & Co. glaubt.

    • trashflegel am 19.12.2017 18:56 Report Diesen Beitrag melden

      hören sie kritischer, sie sind der

      lauteste fascho hier und ständig am rumhetzen, aber die menschen sollen glauben daß die regierung die sie so sehr verteidigen nicht faschistisch ist? auch begreifen sie nicht daß es keine rolle spielt ob die menschen gegen die politische richtung der regierung oder gegen das wahlergebnis (was doch gar keinen sinn macht) demonstrieren. warum reiten sie ständig darauf herum, haben sie keinen gescheiteren argumente?

    • Theend am 19.12.2017 21:20 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Das hat doch nichts mit demonstrieren zu tun, dort rennen vermummte gewaltbereite Antifaheads herum, die als Terrororganisation betrachtet werden.

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  • oy vey am 19.12.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    1500 randalierer und provokateure

    und tausende, friedliche, vernünftige leute die gegen den menschenverachtenden und rückwärtsgewandten neoliberalen faschismus demonstrierten. so wars wirklich.

    • Kritischer Geist am 19.12.2017 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      @ov vey

      Wer Faschismus und (Neo)Liberalismus gleichsetzt, hat entweder keine Ahnung von Politik oder outet sich ungewollt als Linksradikaler. Denn der Faschismus ist (so wie der Kommunismus) per se eine antiliberale Ideologie. Wenn Sie etwas gegen den Liberalismus haben, können Sie auch einfach zugeben, dass Ihnen die Beschränkung von menschlichen Freiheiten nähersteht als die Freiheit selbst. Das würde gut zum linken Sozialismus passen, der selten ohne Mauern und Eiserne Vorhänge auskommt.

    • oy vey am 19.12.2017 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      hab ich das etwa getan?

      doch sie haben natürlich auch hier unrecht: neoliberalismus ist faschismus, die faschos wollen es halt nicht so nennen.

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  • Dille Tant am 18.12.2017 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    'Innenminister ade"

    "Innenminister ade" finde ich originell. Bitte den neuen auch gleich verabschieden, danke!

  • Österreicher am 18.12.2017 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Blau-Wähler sind schuld

    Schade was die Blau-Wähler aus unserem Land gemacht haben.

    • oy vey am 19.12.2017 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      weil die faschisten die schlechten

      eigenschaften der menschen bedienen: hass, angst, neid, pure aggression und gewaltgeilheit. vermischt mit leistungswahn und ultrakonservativer ablehung jeder vernunft. exakt genauso wie in den dreissiger jahren.

    • Kritischer Geist am 19.12.2017 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      @oy vey

      Die Linken reden uns seit 150 Jahren ein, dass wir nur den Wohlhabenden das Geld abnehmen müssten und die Welt würde sich zum Positiven wandeln. Wenn das nicht durch Neid und Hass motiviert ist, was dann?

    • rabbi jakob am 19.12.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      dem kritischen geist sage ich

      daß völlig hasserfüllte und neidige leute wie er keinen wie auch immer gearteten wohlstand verdienen.

    • Theend am 19.12.2017 21:14 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      warum ist die Antifa noch immer nicht verboten ?

    • Hans Aufrecht am 19.12.2017 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Glücklicherweise hat in Österreich die "Linke Zersetzung" des Staates, des Rechts und det Kultur ein Ende! Die Wähler haben nun erkannt, wohin die Linke Anarchie führt!

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