Ungarn-Premier zu Besuch

30. Januar 2018 16:11; Akt: 30.01.2018 21:45 Print

Orbán in Wien: Rucksack, Würstel und Grenzschutz

Streitfragen zwischen Österreich und Ungarn wurden schnell auf die EU-Ebene abgewälzt, abgesehen davon betonten Kanzler Kurz und Orbán Einigkeit.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Er gab sich volksnah bei seiner Anreise. Der ungarische Premierminister Viktor Orbán kam am Montag nicht mit dem Regierungsjet, sondern mit dem Zug.

Umfrage
Sebastian Kurz empfängt Viktor Orban in Wien - gute Idee?
65 %
7 %
20 %
8 %
Insgesamt 739 Teilnehmer

Bei der Ankunft am Wiener Hauptbahnhof war auch sein Markenzeichen dabei. Ein grüner FIFA-Rucksack, auf dem das Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft 2014 prangt: ein Gürteltier namens Fuleco.

Einer von Orbáns Rucksäcken befindet sich übrigens bereits in einem Museum. Nachdem er ihn bei seiner ersten Amtszeit zwischen 2010 und 2014 fast überallhin begleitet hatte, wurde sein Rucksack von der WM 2006 im ungarischen Nationalmuseum ausgestellt.

Würstel und Brezeln

Die volksnahe Inszenierung wurde am Dienstag vor seinem Gespräch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) munter fortgesetzt. Auf seiner Facebook-Seite zeigte sich Orbán beim Würstelstand Bitzinger in der Nähe der Staatsoper, Albertina und Hofburg: "Wenn es Wien ist, gehören Würstel und Brezeln dazu."

Danach gab es aber doch Politik. Nach einem Arbeitsgespräch mit Kanzler Kurz traten die beiden Regierungschefs vor die Presse. Eine öffentliche Erklärung, zu der Kurz seinen Kollegen wohl erst überreden musste. Zunächst war die Pressekonferenz gar nicht vorgesehen, sie wurde recht kurzfristig anberaumt. Das mediale Interesse war trotzdem groß, als Kurz und Orbán ihr gutes Verhältnis betonten.

Wenige Streitfragen

Orbán verriet das "Geheimnis", dass er Kurz seit langer Zeit kenne. Früher hätten sie sich als Partei-, nun als Regierungschefs getroffen. Man hege Sympathien füreinander – sowohl persönlich, als auch politisch. Die zwei größten Streitfragen zwischen Österreich und Ungarn wurden recht schnell aus dem Weg geschafft. Die Familienindexierung soll laut Kurz für mehr Fairness sorgen, Ungarn sieht diese aber als Diskriminierung. Ungarn müsse in dieser Frage aber nicht vor dem europäischen Gerichthof klagen, so Orbán. Brüssel müsse wegen der laut ihm vorliegenden Gesetzeswidrigkeit von sich aus aktiv werden. Man wolle die EU-Entscheidung anerkennen. Ähnlich verhält es sich mit Österreichs Klage gegen das ungarische Schrott-AKW Paks. Auch diese Frage soll auf europäischer Ebene geregelt werden.

Einigkeit herrschte hingegen in Fragen der illegalen Migration und der Grenzsicherung. Für Viktor Orbán gibt es in Ungarn schlichtweg keine legalen Migranten, weil man ganz einfach keine aufnehme. "Die größte Bedrohung heute hinsichtlich der hoffnungsvollen Zukunft Mitteleuropas ist die Völkerwanderung, die man als Migrationsfrage bezeichnet", sagte der ungarische Premier. "Wir müssen illegale Migration stoppen, um die Sicherheit in der EU zu gewährleisten", stimmte Kurz zu. Laut Orbán brauche man keine "Parallelgesellschaft" und müsse sich auf die christliche Kultur und Wertegemeinschaft besinnen. Hier meinte er allerdings nicht primär die Religion, sondern die Kultur.

Innengrenzen auf, Außengrenzen zu

Die Außengrenzen der EU müssen geschützt werden, sind sich die beiden einig. Laut Kurz wird Österreich auch weiterhin Polizisten zum Grenzschutz in Ungarn abstellen. Orbán sieht als Bedingung für ein Funktionieren des Schengen-Abkommens geschlossene Außengrenzen. Derzeit beobachte er aber, dass viele das Gegenteil wollen, offene Außengrenzen und geschlossene Innengrenzen.

Ein Beitritt Österreichs in die Visegrád-Gruppe steht nicht zur Debatte, betonte Kurz. Die Slowakei, Ungarn, Tschechien und Polen wollen diese Staatengruppe nicht erweitern, doch Österreich soll ein Partner sein und eine Brückenfunktion einnehmen. Das ist auch laut Orbán ein Nebeneffekt der günstigen Lage von Österreich: Man verstehe sowohl die west-, als auch die osteuropäischen Staaten.

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

Zum Liveticker im Popup

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(lu)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gut so am 30.01.2018 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Orban

    Ein volksnaher Orban ist mir als Würstelesser viel lieber als ein abgehobener Pizzabote.

  • Patriot5611 am 30.01.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ein volksnaher Politiker!

    Ein volksnaher Politiker! Das eigene Volk steht im Vordergrund - so muss es sein!

  • gut so ... am 30.01.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    WIR sind EUROPA

    Österreich ist auf dem richtigen Weg - weiter so UND: Nörgler Links liegen lassen

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Kluger Akademiker am 31.01.2018 01:14 Report Diesen Beitrag melden

    Rechte Denkweise ist ein Witz

    Wie finden es die Rechten das Orban ein sehr guter Freund von Erdogan ist? :)

  • Kluger Akademiker am 31.01.2018 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Rechte Denkweise ist ein Witz

    Wie finden es die Rechten das Orban ein sehr guter Freund von Erdogan ist? haha

  • Krake Paul das Orakel am 30.01.2018 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tausche Orban gegen VdB

    Ich schlage vor wir behalten Orban und schicken den Ungarn V.d.B. samt dem Fischer Heinzi als Draufgabe. Wir werden begeistert sein, die Ungarn nicht so sehr...

  • Sam am 30.01.2018 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so

    Endlich mal einer mit Hausverstand,freu mich auf Putin.

  • data am 30.01.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt wieder Hoffnung in unserem Land!

    Bravo Orban Bravo Kurz Euch braucht Österreich und Europa!

    • Aufklärer am 30.01.2018 22:41 Report Diesen Beitrag melden

      Düstere Zukunft Österreichs

      Österreich sollte lieber aufpassen nicht zum Feind der USA zu werden,wenn man bedenkt welche Leute man als Freunde ansieht wie Orban,Putin oder Dodik.

    • Ottibub am 31.01.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      Gleichstand

      Der Kern und der VdB glaichen das alles aus.

    einklappen einklappen