Arbeitszeit

15. Juni 2018 09:50; Akt: 18.06.2018 07:35 Print

Zwölfstunden-Tag treibt ÖGB auf die Barrikaden

ÖVP und FPÖ flexibilisieren Arbeitszeit, Zwölfstunden-Tag und 60-Stunden-Woche werden möglich. Das treibt ÖGB und AK auf die Barrikaden.

Wolfgang Katzian, der neu gewählte ÖGB-Präsident. (Bild: picturedesk.com)

Wolfgang Katzian, der neu gewählte ÖGB-Präsident. (Bild: picturedesk.com)

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Mit dem Zwölfstunden-Tag habe ein „Raubzug gegen die Gesundheit und Geldbörsen“ der Arbeitnehmer begonnen, wetterte der neue ÖGB-Chef Wolfgang Katzian im ORF. Dass Arbeitnehmer die zwei zusätzlichen Arbeitsstunden pro Tag ablehnen können, bezeichnete er als „Fake“. Aus Angst vor dem Jobverlust würde das kein Arbeitnehmer tun.

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"Am Holzweg"

Am ÖGB-Kongress, der am Donnerstag zu Ende ging, habe man rote Linien beschlossen, und der Zwölfstundentag sei eine solche. Sollten Gespräche mit der Regierung nichts bringen, sei viel vorstellbar, meinte der ÖGB-Chef auf Streiks angesprochen. „Wer glaubt, irgendeine Gewerkschaft dieser Welt nimmt das einfach so zur Kenntnis, der ist am Holzweg.“ ÖGB-Aktionen würden „spürbar“ sein.

"Noch viel Spaß miteinander haben"

Die Behauptung der Regierung, dass sich der Gesetzesentwurf an einem alten Sozialpartnerpapier und dem „Plan A“ von SP-Chef Christian Kern orientiere, wies Katzian scharf zurück: „Das ist eine maximale Nebelgranate“, denn eine Einigung darauf habe es nicht gegeben. Es sei eine „Frechheit“, das zu unterstellen: „Da werden wir noch viel Spaß miteinander haben in nächster Zeit.“

Auch AK empört

Auch Arbeiterkammer-Chef Christoph Klein machte im Ö1-"Morgenjournal" aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die Anhebung der Höchstarbeitszeit sei "ein unglaublicher Eingriff in die Freizeit, die Gesundheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie".

Der Zwölfstundentag werde plötzlich zum Normalfall, schimpfte Klein. "Der Arbeitgeber kann jederzeit verlangen: Heute bleibst du zwölf Stunden da, in dieser Woche brauchen wir dich sechzig Stunden." Dass Arbeitnehmer Überstunden ablehnen, glaubt auch Klein nicht: "Das trauen sich die meisten nicht. Wer ablehnt, riskiert die Fristlose." Klein warnt auch davor, dass es in manchen Sektoren – etwa dem Tourismus und der Gastronomie – nun noch schwieriger sein könnte, Personal zu finden.

Wirtschaftskammer froh

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer dagegen freute sich, dass „jetzt das dringende Thema ‚flexiblere Arbeitszeiten‘ endlich gelöst werden soll“. Die Vorschläge könnten helfen, „endlich zeitgemäße Arbeitsbedingungen umzusetzen, die Betrieben, Mitarbeitern und Kunden Vorteile bringen“.

Industriellenvereinigung glücklich

Glücklich zeigte sich auch Georg Kapsch, der Präsident der Industriellenvereinigung. Damit sei die Modernisierung des Arbeitsrechts in Angriff genommen worden. Der Gesetzesentwurf zur flexibleren Arbeitszeit bedeute „die Anpassung des Arbeitsrechts an gesellschaftliche Wünsche und Notwendigkeiten“.

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(GP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • erIch am 15.06.2018 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    unüberlegter Schnellschuss

    mehr Arbeitsstunden in der Woche bezweckt das weniger Arbeiter in der Firma Beschäftigt werden müssen, das hilft nur der Firma und der Wirtschaft dafür wird die Arbeitslosenzahl kräftig steigen !

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  • Lisa am 15.06.2018 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Kinder

    Es ist ja recht schön und gut, wenn man dann einen zusätzlichen Tag frei hat. Nur: mein Kind geht 5 Tage in die Schule/Hort. Der ist spätestens um 17h geschlossen. Im Kindergarten gelten ähnliche Öffnungszeiten. Und was geschieht dann mit den Kindern?? Wenn man eine Oma hat - super. Dann seh ich mein Kind dann nur wenn es schon schläft!

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  • Mister Mensch am 16.06.2018 00:34 Report Diesen Beitrag melden

    Verrat

    Man kann in Österreich einfach keine Partei mehr wählen. Die SPÖ verkauften das eigene Volk schon mehrfach an die EU und machten in ihrer Herrschaft von 1970-2000 Schulden (mal 7 des damaligen BIP) ohne Ende. Die FPÖ überzeugte am Meisten mit ihren Themen wie direkte Demokratie, gegen TTIP und CETA usw. Leider war die Regierungsbeteiligung wichtiger als die Motive ihrer Wähler und die Wahlversprechen sind vergessen. Die ÖVP war schon immer für die oberste Schicht des Volkes zuständig und sind gegen das normale Stimmviech. Neos/Grünen/Pilz -> alles dasselbe Pack. Keiner steht hinter uns.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 20.06.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Geld und Arbeit vs. ZEIT

    Anstatt mal eine grundlegende Veränderung des Systems anzudenken, nämlich bessere Arbeits-, Einkommens- und ZEIT-Verteilung, versucht man, das bestehende System, das andauerndes Wirtschaftswachstum als Grundmaxime voraussetzt, verzweifelt immer in die gleiche Richtung zu verbessern, damit wir im "globalen Wettbewerb mithalten können." Das wertvollste was wir haben in unserem Leben ist Zeit, und eigentlich war ein Zeitgewinn das ursprüngliche Ziel von Technologie und Entwicklung, nicht deren Verlust. Es ist grotesk.

  • Gast am 19.06.2018 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wir suchen Fachkräfte!

    Liebe Grüße aus Deutschland.

  • Unternehmer am 19.06.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unternehmermeinung

    Ich bin selbst Unternehmer und kann diesem Vorschlag absolut nichts Positives abgewinnen. 12h Stunden/Tag bedeutet: erhöhte Verletzungsgefahr, Minimierung der Ruhe- Regenerationsphase, massiven Einschnitt in das soziale Umfeld,..... letztlich wird das Familienleben darunter zwangsläufig leiden!

  • Andreas Fohrer am 18.06.2018 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nächste Wahl bitte schnell!!!!

    Dann würde die FPÖ ein blaues "Wunder" erleben. Ihr habt uns Österreicher ENTTÄUSCHT! IM Sinne der Wortherkunft. Nächstes Mal entweder wieder SPÖ (kleinstes Übel scheinbar :-( ) oder gleich ungültig. Aber von diesem Wirtschafts orientierten FPÖVP hab ich endlich jetzt genug!!!!

  • Tante Hetti am 18.06.2018 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Brutto - Netto

    Wenn man am Land lebt, kein Auto hat ist der netto 12 Stunden Tag brutto 15 - 16 Stunden (inklusive Mittagspause und zumutbarer Wegzeit von 2,5 Stunden). Ältere und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen werden das nicht schaffen.