Dank ihm weht ein Hauch "Silicon Valley" durch Linz

Michael J. Kräftner, CEO und Gründer von Celum
Michael J. Kräftner, CEO und Gründer von CelumBild: Mario Riener Fotografie
Der Cloud-Software-Hersteller Celum mit Sitz in Linz hat sich zu einem der größten unabhängigen Software-Hersteller entwickelt. Der Chef Michael J. Kräftner im Interview.
Heute: Heimische Großunternehmen vertrauen Celum-Lösungen ebenso wie internationale Größen. Unter ihnen gilt Linz, der Sitz von Celum, als "Silicon Valley" Österreichs. Was bietet Celum seinen Kunden?

Michael J. Kräftner: Celum ist für die meisten unserer Kunden eine unverzichtbare Säule ihrer Digitalisierungsanstrengung im gesamten Produkt-Marketing und Vertriebskontext. Mit unserer Cloud-Lösung verwalten Kunden Millionen Dateien und steuern deren Verwendung rund um Vertrieb und Marketing. Wir sind das Anti-Archiv für Bilder, Videos, Texte und jede erdenkliche Art von Dateien. Und wir kombinieren diese Fähigkeiten mit dem Ermöglichen einer neuen Art der Zusammenarbeit mit unserer innovativen Lösung www.workrooms.net.

Hört man sich Kundenmeinungen an, fällt immer wieder der Satz 'Celum optimiert den kompletten Lebenszyklus von digitalen Inhalten und die Interaktion von Menschen in Teams'. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir tun zwei Dinge: Wir verändern einerseits wie Menschen miteinander arbeiten und andererseits wie sie Inhalte, also Content, dazu bringen, für sie zu arbeiten. Mit unserer Technologie werden Celum Kunden endlich (wieder) in die Lage versetzt, zu wissen, was sie wem wann und wie kommunizieren wollen. Was trivial klingt, steigt mit der Anzahl der zu vermarktenden Produkte und Märkte seine Komplexität exponentiell. Wir automatisieren ansonsten unbeherrschbare Prozesse und machen Zeit und Ressourcen frei für die eigentliche Arbeit unserer User. Und damit all dieser Inhalt effizient erstellt werden kann, haben wir Anfang des Jahres eine revolutionäre Lösung zur Optimierung der Zusammenarbeit gestartet.

Laut einer Umfrage von "Meaningful Brands" sind 60 Prozent der Inhalte, die Marken ihren Kunden anbieten, schlecht produziert und sprechen die Kunden nicht an. Reicht es nicht mehr aus, als Unternehmen irgendwann eine Marketingabteilung auf die Beine zu stellen? Kennen Unternehmen ihre Kunden nicht mehr oder wissen sie nicht, wie man sie anspricht?

In einer Zeit der mündigen und anspruchsvollen Konsumenten, auch und vor allem im Kontext zwischen Unternehmen, also B2B, reicht es nicht mehr aus, ein gedrucktes oder digitales Plakat zu kleben, mit "schmeckt besser, ist billig" drauf. Man muss spannende Geschichten erzählen, Hintergründe und Motive beleuchten, Glaubwürdigkeit und Vertrauen bilden – und man muss konsistent auftreten. Weltweit, wenn das der Markt ist. Das bedeutet VIEL mehr Inhalte zu produzieren und die müssen auch noch spannend sein. Jede Produktbeschreibung auf Amazon.com bietet dem eine Chance, sich von vergleichbaren Produkten abzusetzen – das unterstützen wir mit unserer Technologie.

Wie wichtig ist der Standort Linz für Celum? Und wie groß ist er?

Aktuell arbeiten etwa 70 Celumianer in Linz, von insgesamt rund 110. Linz ist unser Geburtsort und unser Headquarter. Wir sind sehr stolz darauf unabhängig und ein echtes österreichisches Unternehmen zu sein. Wir treffen unsere Entscheidungen nicht im Silicon Valley oder in Berlin, sondern in Linz. Und das ist mittlerweile sehr selten.

Michael J. Kräftner, Jahrgang 1978, ist Gründer und CEO von Celum. Bereits während seines Studiums "Medientechnik und -Design" an der FH Hagenberg gründete Kräftner mit werk3 eine der ersten Webagenturen Österreichs.

Daraus erwuchs 2004 Celum – das Unternehmen mit Sitz in Linz ist einer von wenigen österreichischen Software-Herstellern. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland, Frankreich, der Slowakei und den USA.

Mit seiner Content & Collaboration Cloud bildet Celum den gesamten Lebenszyklus von digitalem Content ab. Die drei Produktlinien umfassen Digital Asset Management (DAM), Workrooms und einen Marktplatz für Content – Contidio.

2016 gründete Kräftner Contidio als Spin-Off von Celum. Das Unternehmen bietet den weltweit ersten Content Marktplatz, auf dem Unternehmen, Marken und Kreative hochwertige Inhalte wie Texte, Bilder und Grafiken einkaufen, austauschen und verbreiten können.
Aktuell bauen wir unseren Standort aus. Bis Herbst entsteht Platz für zusätzliche 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei dienen unsere Software-Lösungen als Vorbild: Bei Celum findet man nicht nur die passenden Tools für agile Zusammenarbeit, sondern auch die entsprechende Architektur. Wir leben das vernetzte Denken und unsere Teams finden sich stets zu kleinen Projekteinheiten neu zusammen.

CommentCreated with Sketch.1 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Celum will nicht nur globale Unternehmen betreuen, sondern auch Start-ups fördern. Wie läuft das genau ab?

Celum hat als Mini-Leitbetrieb durchaus den Anspruch, rund um sich Start-ups zu sammeln und ihnen mit Rat und Tat und Logistik zur Seite zu stehen. Ob via Beteiligung oder als "Vorbild" – wir wollen dabei helfen, dass Start-ups nicht die gleichen Fehler machen müssen, die wir auf unserer langen Reise gemacht haben. Wir sehen uns als Früh-Phasen-Investor, der unabhängig von staatlichen Förderquellen vor allem mit Know-how und Netzwerk und weniger mit großen Schecks punktet.

Woher die Motivation, auch Start-ups zu unterstützen. Wäre eine ausschließliche Betreuung von bestehenden Unternehmen nicht riskoloser?

Wir waren ein Start-up zu einer Zeit, als darüber die Nase gerümpft und man belächelt wurde – das war vor rund 15 Jahren. Heute ist das zwar anders, aber manche Herausforderungen bleiben für Start-ups vor allem in Österreich hart. Ich habe ein tolles Produkt, aber wie verkaufe ich das, was muss ich bei der Internationalisierung beachten und ist ein 'Exit' wirklich das richtige Ziel. Wir kämpfen für eine Renaissance des Unternehmertums – und das wollen wir in die Startup-Szene einbringen.

Wie stark ist die Szene in Österreich, einerseits beim Produkt- und Markenmarketing bestehender Unternehmen, andererseits bei Start-ups? Haben wir hier Entwicklungen verschlafen? Oder kann sich die heimische Szene im internationalen Vergleich sehen lassen?

Österreich fällt weiterhin zusehends zurück. Risikobereitschaft und echter Innovationsgeist werden bei uns in großen Unternehmen ebenso wie bei Neugründungen kleingehalten – oft aus Angst davor zu scheitern und Verantwortung übernehmen zu müssen. Mit wenigen aber umso schöneren Ausnahmen. Österreich leidet auch darunter, nur in sehr wenigen Branchen echte, nationale Leitbetriebe zu haben. Das muss man kompensieren und es ist daher als österreichisches Unternehmen nochmal härter global erfolgreich zu sein. (rfi)

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