"Concrete Genie" im Test: Bringt Farbe in dein Leben

Wer früher Zettel, Notizblöcke und alles was beschreibbar war vollgekritzelt hat, für den geht mit "Concrete Genie" auf Playstation 4 ein Traum in Erfüllung.

Gut, die Idee eines Malspiels ist nicht neu. Schon seit Jahren kann man in Games dahinkritzeln und mal mehr, mal weniger frei seine digitale Kunst gestalten. Mit dem Playstation-4-exklusiven "Concrete Genie" erlebt man das aber aus einer grafisch aufwändigen und auch bei der Handlung spannenden Sicht. Eingebettet in ein Außenseiter-Abenteuer soll man Farbe in eine triste Stadt bringen.

Im Spiel schlüpft man in die Rolle von Ash, einem Jugendlichen, dessen einst mädchenhafte Heimatsstadt Denska immer verfallener und grauer wirkt. Schuld ist eine seltsame Dunkelheit, die sich über die Stadt gelegt und viele Einwohner vertrieben hat. Der einsame Ash, dessen Hobby Zeichnungen in seinem Notizbuch sind, wird erst Prügelknabe für eine Bande Rabauken, dann wird sein Notizbuch zerstört und er selbst in eine Seilbahn gezwungen, die ihn zu einem verlassenen Leuchtturm bringt.

Nach anfänglicher Verzweiflung stößt Ash auf einen magischen Pinsel, der seine Skizzen zum Leben erweckt. Etwa in Form von Luna, einem der titelgebenden Dschinns ("Genie"). Doch nicht nur das Bemalen von Wänden macht "Concrete Genie" so besonders. Unter der bunten Aufmachung und herzerwärmenden Grafik werden auch brennende Themen wie Mobbing und Umweltverschmutzung angesprochen.

Erfrischend tiefgründig, ohne belehrend zu sein

Bei der Handlung schafft "Concrete Genie" zwischen den Zeilen einen tollen Spagat zwischen brisanten Themen und einer persönlichen Ansprache ohne Belehrung. Das Spiel zeigt, welche Auswirkungen gewalttätiges Denken, Hetze gegen Andere und Rücksichtslosigkeit nicht nur auf die Mitmenschen, sondern auch auf einen selbst haben und dass man Situationen wie diesen mit Herz statt mit der Faust begegnen kann. Erfrischend tiefgründig für ein Action-Adventure.

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Bei der Steuerung zeigt sich "Concrete Genie" anfangs sehr Einsteiger-freundlich. Zum Einsatz kommt die leider viel zu wenig genutzte Bewegungs- und Gyrosteuerung des Dualshock-Controllers. Beim Zeichnen wählt man aus recht vielen unterschiedlichen Motiven aus und kann sie dann so groß oder klein und wohin man will an die Wände der Stadt kleistern.

Wunderschöne Grafik-Effekte

Grafisch können sich nicht nur die Zeichnungen, sondern der ganze Titel sehen lassen. Hat man eine Zeichnung fertiggestellt, bringt sie Farbe und Licht in den Raum und entwickelt dabei auch ein toll animiertes Eigenleben. Gräser biegen sich im Wind, der Schweif eines Comic-Monsters zuckt zufrieden umher, Knospen öffnen sich zu Blumen und immer mehr Dschinns erwachen zum Leben.

Das Zeichnen selbst ist simpel, aber clever umgesetzt. Zwar hält man nur eine Taste und bewegt den Controller, kann man durch die Länge des Drucks die Größe des Objekts bestimmen. Das führt zu Kniffen, die die Palette größer erscheinen lässt, als sie ist. Beispiel: Malt man einen Grashalm und drückt kurz, erscheint ein kleiner Halm. Drückt man aber länger und malt eine Fläche aus, erscheint eine Wiese. Nicht nur die Menge, auch die Größe von Bäumen, Häusern und Co. kann man so schnell bestimmen.

Was es mit den Dschinn auf sich hat

Zwar bleibt man bei der Gestaltung mit den vorgefertigten Motiven eingeschränkt und selbst wer sonst nur Kritzeleien hinbekommt kann hier Meisterwerke schaffen, doch jeder einzelnen Zeichnung wurde eine eigene, individuelle Animation spendiert, was die Mal-Motivation hochhält. Malen muss man aber sowieso, aus zweierlei Gründen.

Einerseits ist es das Spielziel, die ganze Stadt mit den Skizzen zu erhellen. Und andererseits kann man das nur, wenn man durch Zeichnungen Dschinns zum Leben erweckt, die uns andere Stadtbereiche betreten lassen. Dazu müssen aber auch sie gezeichnet werden, was nach dem üblichen Muster passiert.

Leichtes Rätseln, forderndes Kämpfen

Ist die Skizze, die wir aus gefundenen Seiten unseres zerstörten Notizbuchs zusammenstellen, samt Hörner, Glubschaugen oder mehreren Schwänzen fertig, wird der jeweilige Dschinn lebendig – und hilft mit der jeweils eigenen Macht weiter. Manche machen Unterwassergebiete frei, andere brennen uns durch Barrikaden. Allzu schwer sind diese Umgebungsrätsel nicht, sie machen aber Spaß. Fordernder sind da die Kämpfe, denn zwischendurch trifft Ash auch auf seine Mobber und böse Dschinn.

Die menschlichen Feinde müssen primär weggelockt statt bekämpft werden. Dazu absolviert man Sprung- und Laufeinlagen, bis sie unsere Spur verloren haben und uns eine Zeit lang in Ruhe lassen. Etwas mehr Geschick ist nötig, wenn man auf böse Magiewesen trifft. Dann muss deren Angriffen ausgewichen und im passenden Moment mit der richtigen Kraft des eigenen Dschinns zugeschlagen werden. Die präzise Steuerung macht das spannend, die Schwachpunkte der Wesen sind beim genauen Beobachten leicht erkennbar.

"Concrete Genie" bringt Farbe in dein Leben

Schade ist, dass das Abenteuer mit knapp unter zehn Stunden Spielzeit auskommt. Wir hätten noch stunden- und tagelang unsere Pinsel-Werke an die Wände von "Concrete Genie" streichen können. Doch die Malerei ist nicht der einzige Höhepunkt des Spiels: Auch Grafik, Steuerung, Technik und Handlung sind liebevoll und spannend umgesetzt und werden auch Genre-ferne Spieler überzeugen. Mit "Concrete Genie" ist den Machern ein Meisterwerk für die Playstation 4 gelungen, von dem wir gerne mehr sehen wollen.

Wer "Concrete Genie" nach einem Spieldurchgang noch einmal ganz anders erleben will, kann das übrigens auch per Playstation VR tun. Mit dem VR-Headset auf dem Kopf wählt man mit dem linken Move-Controller Farben und Effekte aus und pinselt die Zeichnung mit dem rechten Controller an die Wand. Neben dem normalen Game gibt es auch zwei spezielle VR-Modi: Entweder man folgt einem Dschinn und entdeckt dabei VR-exklusive Maloptionen, oder man wählt das freie Malen. Hier kann man in der Egoperspektive ausgewählte Bereiche mit mehr Mal-Optionen gestalten, als sie im Hauptspiel zu finden sind.

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