"In 45 Tagen könnten 4 Mio. Österreicher infiziert sein"

Internist Dr. Franz Wiesbauer zur Corona-Krise in Österreich. (Quelle: Medmastery)
Internist Dr. Franz Wiesbauer zur Corona-Krise in Österreich. (Quelle: Medmastery)
Corona gefährlich wie eine normale Grippe? Die Maßnahmen der Regierung überschießend? Ein heimischer Mediziner sieht das nicht so. "Wenn wir weitermachen wie bisher, haben wir in 18 Tagen mehr Infizierte als in Italien", so Dr. Franz Wiesbauer.
Dr. Franz Wiesbauer ist Dozent für Innere Medizin an der Med-Uni Wien, bekam ein Master-Stipendium an der renommierten John-Hopkins-University in Baltimore – und stellte nun wissenschaftliche Überlegungen zur Corona-Krise in Österreich an. Der Gründer von "Medmastery" teilte auf Facebook und YouTube ein Video zur Ausbreitung des Virus in Österreich, das die Sinnhaftigkeit weitreichender Maßnahmen unterstreichen soll.

Arzt: "Alle drei bis vier Tage Verdopplung"

Wiesbauer erklärt: "Es stimmt nicht, dass das Corona-Virus so gefährlich wie eine ganz normale Grippe ist. Wir haben es mit einer exponentiell wachsenden Epidemie zu tun. Alle drei bis vier Tage verdoppelt sich die Anzahl der registrierten Fälle." Der Internist sah sich die offiziellen Zahlen in Österreich im Zeitraum 4. bis 9. März an. Fazit: "Bei uns scheint sich das Virus schneller zu verdoppeln als im Rest der nicht-chinesischen Welt."

4 Millionen Infizierte in 45 Tagen?

Der Mediziner schränkt ein: "Die statistische Schwankungsbreite in Österreich ist aufgrund niedrigerer Fallzahlen höher. Die Zahlen sind aber alles andere als erfreulich." Hintergrund dieser Aussage, so Wiesbauer: "Wenn wir von einem Verdopplungsintervall – wie in der Literatur beschrieben – von drei Tagen ausgehen, so könnten bereits in 45 Tagen vier Millionen Österreicher infiziert sein. Hier wäre dann vermutlich die 'Herdenimmunität' erreicht und die Epidemie würde danach wieder abnehmen."

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch."Mithelfen, Intervall zu verlängern"

Wiesbauer weiter: "Dies natürlich nur, vorausgesetzt, wir machen so weiter wie bisher und tun so, als wäre das eine stinknormale Grippe. Wenn wir also nicht mithelfen, das Verdopplungsintervall zu verlängern, dann werden wir in 18 Tagen mehr Fälle haben, als es derzeit in Italien gibt."

81 Prozent kurieren Corona daheim aus

Doch was passiert, wenn man an Corona infiziert ist? 81 Prozent der Infektionen verlaufen laut Dr. Wiesbauer mild, betroffene Menschen können sich zuhause auskurieren. 14 Prozent sind schwer betroffen und müssen ins Krankenhaus, 5 Prozent der Infektionen verlaufen kritisch (die Patienten benötigen ein Bett auf der Intensivstation). Rund 67.000 Krankenhausbetten (letzte Zahlen liegen aus 2018 vor) dürften in Österreich zur Verfügung stehen.

Wiesbauer: "Kommende Woche kritisch"

Da die Inkubationszeit bei Covid-19 im Schnitt 5,2 Tage, maximal aber 14 Tage dauert, werde "die kommende Woche extrem kritisch für den Verlauf der Epidemie in Österreich", so der Internist. Grund: "Wenn sie ungebremst weitergeht, wird es unweigerlich zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen." Wenn jedoch die richtigen Maßnahmen (Handhygiene, Menschenansammlungen meiden, Homeoffice, keine unnötigen Reisen) betrieben würden, könne die Epidemie gebremst werden. "Dann kommt es auch zu keiner Überlastung des Gesundheitssystems und die Sterblichkeitsrate kann niedrig gehalten werden", führt Wiesbauer aus.



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