"Darüber reden" soll gegen Psycho-Mythen helfen

Neue Kampagne will Tabus bei psychischen Krankheiten brechen (v.l.n.r.: PSD-Chefarzt Georg Psota, Bloggerin Leonie-Rachel Soyel, Austria Wien-Sportdirektor Alexander Bade und PSD-Chef Ewald Lochner)
Neue Kampagne will Tabus bei psychischen Krankheiten brechen (v.l.n.r.: PSD-Chefarzt Georg Psota, Bloggerin Leonie-Rachel Soyel, Austria Wien-Sportdirektor Alexander Bade und PSD-Chef Ewald Lochner)Bild: Denise Auer
Nach wie vor müssten sich psychisch Kranke aus Angst vor Zurückweisung "verstecken". Dabei ist die Früherkennung einer der wichtigsten Wege zu Heilung. Eine Kampagne soll nun helfen.
"Psychische Krankheiten treffen nur die anderen, mir kann das nicht passieren". "Ja, ich bin depressiv, aber wenn ich was sage, halten mich alle für einen Psycho". Mythen und Falschurteile wie diese sind auch heutzutage allgegenwärtig. Mit der Kampagne "Reden wir darüber" wollen die Psychosozialen Dienste Wien nun mehr Bewusstsein für mentale Erkrankungen und deren Auswirkungen schaffen und der nach wie vor herrschenden Stigmatisierung Betroffener entgegnen.

"Tabu psychischer Probleme sind zweite Krankheit"

"Es herrscht hier noch immer ein Tabu, das Stigma ist eigentlich wie eine zweite Krankheit. Sie vergrößert soziale und gesundheitliche Probleme, isoliert die Betroffenen und verringert Heilungs- und Integrationschancen", erklärt der Chefarzt des PSD Wien Georg Psota. Um das zu ändern, geht die Kampagne des PSD "Reden wir darüber" nun in eine Intensivphase.

"Psychischen Krankheiten hängen allerlei Mythen an. Fakt ist, das sind keine Einzelfälle. Im Schnitt ist jeder Dritte einmal im Leben zumindest zeitweise von einer psychischen Erkrankung betroffen. Aber diese sind gut behandel- und oft auch heilbar. Wichtig dabei ist, dass die Erkrankungen möglichst früh erkannt werden", ergänzt der Wiener Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen Ewald Lochner.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Auch Austria Wien "Redet darüber"

Um Betroffenen Mut zu machen, über ihre Probleme zu sprechen und Hilfe zu suchen, will der PSD das Thema psychischer Erkrankungen an die breite Öffentlichkeit bringen. "Wir sind in den Sozialen Medien präsent, stellen auf unserer Webseite Informationen zur Verfügung und kooperieren mit zahlreichen Unternehmen und Einrichtungen", so Lochner.

Neben der Hauptbücherei Wien am Urban-Loritz-Platz (Rudolfsheim-Fünfhaus), wo in den nächsten Wochen Folder und andere Info-Materialien bereitliegen, ist auch die Austria Wien mit dabei.



"Wir stellen unser Heimspiel am 23. Februar gegen Red Bull Salzburg in das Zeichen der Kampagne. "Wir sind uns als Sportverein der sozialen Verantwortung bewusst. Mentale Fragen und geistige Gesundheit sind natürlich auch im Spitzensport ein wichtiges Thema. Fast jeder hat von einem Sportler schon einmal gehört, er habe den Kopf nicht frei oder spüre eine Blockade", so der Sportdirektor der Austria Wien Alexander Bade.

"Ein besonders tragischer Fall war der deutsche Fußballtorwart Robert Enke, den ich auch persönlich kannte. Enke hatte nie den Mut sich zu öffnen und über seine Probleme zu sprechen. Dadurch durchlebte er immer wieder schwere Krisen, die schließlich zu seinem Freitod führten", so Bade.

Aktionstage von 10. bis 23. Februar

Um psychischer Erkrankungen und den Kampf gegen Stigmas ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, führt der PSD im Februar eine Reihe von Veranstaltungen durch. Neben den Sujets die an 385 Standorten als Citylights zu sehen sind, wird es auch an 44 Standorten animierte Kurzclips geben. Im Filmhaus am Spittelberg findet am 16. Februar eine Kino-Matinee statt, einen Tag darauf ist Chefarzt Psota mit einer Lesung in der Hauptbücherei zu Gast.

Dazu gibt es online zahlreiche Factsheets, Gesprächsleitfaden und Online-Challenges, die die Beschäftigung mit psychischen Krankheiten erleichtern sollen.



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