"Ein Arztzeugnis nach 3 Tagen Grippe ist sinnlos"

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Chefs müssten ihren Mitarbeitern mehr vertrauen, findet ein Gesundheitsexperte. Ärztliche Atteste seien teuer und unnütz.
Österreich niest und hustet: – und die Wartezimmer von Hausärzten sind zum Bersten voll. Zwar lässt sich eine Grippe in vielen Fällen auch ohne Arztbesuch auskurieren. Viele Arbeitnehmer schleppen sich aber dennoch zum Doktor, denn spätestens ab Krankheitstag Nummer vier verlangen die meisten Arbeitgeber ein ärztliches Zeugnis.

Für den Schweizer Krankenkassen-Experten Felix Schneuwly von Comparis ist das eine Unsitte: "Das Einholen eines Arztzeugnisses bei Grippe ist völlig sinnfrei", findet er. Es animiere Versicherte dazu, wegen einer Bagatelle zum Arzt zu rennen. "Angesichts der steigenden Kosten im Gesundheitswesen ist das ein schlechtes Signal."

"Reine Gefälligkeitsgutachten"

Das Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter müsse "schon etwas gestört sein, wenn man findet, eine Grippe belegen zu müssen", so Schneuwly. Von den Arbeitnehmern werde in anderen Bereichen meist viel Eigenverantwortung verlangt – "da sollten sie auch selber entscheiden können, wann ein Arztbesuch notwendig ist".

Die Zeugnisse sind nach Ansicht des Krankenkassen-Experten ohnehin wenig wert. "Das sind reine Gefälligkeitsgutachten. Oder gibt es einen Arzt, der einem Patienten ein Zeugnis verweigert, weil er ihn für zu wenig krank hält?"

Falsche Zeugnisse strafbar

In Österreich müssen sich Ärzte, die wissentlich eine falsche Krankmeldung ausstellen, im schlimmsten Fall vor Gericht verantworten. Denkbar ist eine Anklage wegen Betrugs oder eine Strafbarkeit wegen Beweismittelfälschung.

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