Politik

"Schnelle Hilfe hätte mir Jahre in der Hölle erspart"

Karin Pfolz lebte 10 Jahre lang in einer Gewaltbeziehung. Heute spricht sie offen darüber und erklärt, was die Politik tun könnte um zu helfen.

Heute Redaktion
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Liste-Jetzt Chefin Maria Stern und Autorin Karin Pfolz.
Liste-Jetzt Chefin Maria Stern und Autorin Karin Pfolz.
Bild: Helmut Graf

"Als er mich das erste Mal geschlagen hat, habe ich den Entschluss gefasst ihn zu verlassen, sobald ich mir 1.000 Euro für den Anwalt angespart habe. Ich habe zehn Jahre gebraucht um dieses Geld im Geheimen anzusparen."

So beschreibt Autorin Karin Pfolz ihren Leidenswegs aus ihrer persöhnlichen Hölle. Zehn Jahre lang war sie von ihrem Ehemann geschlagen, erniedrigt und auch psychisch misshandelt worden, bevor ihr die Flucht gelang.

Karin Pfolz ist in ihrem Leidenswegs bei weitem nicht alleine. In ganz Österreich ist die Gewalt gegen Frauen auf dem Vormarsch: 2018 wurden hierzulande mehr Frauen denn je ermordet und dieser traurige Trend scheint sich auch 2019 fortzusetzen. Denn bereits in den ersten Wochen des noch jungen Jahres wurden fünf weitere Frauen Opfer von tödlicher Gewalt. Grundsätzlich geht der Grevio Bericht der europäischen Union davon aus, dass in Österreich jede fünfte Frau zumindest einmal in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt wird.

"Wusste nicht, wie ich ohne Mann mein Kind versorgen sollte"

Im Falle von Karin Pfolz hätte ihr Schicksal leicht verhindert werden können, wie die Autorin im Gespräch mit „Heute" beschreibt: "Ich hätte mir über 9 Jahre Leiden ersparen können, wenn es eine Unterhaltsgarantie für Alleinerzieherinnen geben würde. Aber so wusste ich nicht, wie ich ohne Mann das Kind versorgen sollte".

Pfolz fordert daher nun "endlich" eine Unterhaltsgarantie für Alleinerzieherinnen. Das sagte sie am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Liste "Jetzt"-Chefin Maria Stern, die sich eine solche Garantie schon lange wünscht. Beide Frauen fordern außerdem mehr Geld für den gesamten Gewaltschutzbereich – gratis Rechtshilfe für Betroffene inbegriffen. Von einem schärferen Strafrahmen aber, wie in die Regierung angekündigt hatte, halten sie nichts: "Es würde reichen, endlich die Gesetze zu vollziehen, die wir schon haben".

Stern: "Gewalt gegen Frauen kein importiertes Problem"

Von Seiten der Bundesregierung wird immer wieder betont, dass sich die Situation erst in Folge der Flüchtlingskrise 2015 und den damit "importierten Frauenbildern" derartig verschärfen konnte. Diese Sichtweise stößt allerdings bei den verschiedenen Gewaltschutzeinrichtungen auf großes Unverständnis: "Auch vor der Flüchtlingskrise waren die Frauenhäuser in Österreich überfüllt", erklärt in diesem Zusammenhang etwa die Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, Klaudia Frieben.

Maria Stern sieht das ähnlich: "Wir haben ein Täterproblem, kein Passproblem". Auch mit der Aussage von Staatssekretärin Karoline Edtstadler, wonach Frauen sich aufgrund der gestiegenen Gewalt nicht mehr nach draußen wagen würden, können NGO-Vertreter und Opposition nicht nachvollziehen. Denn: "Der gefährlichste Platz für Frauen ist nach wie vor die eigene Wohnung und nicht der Park", so Stern und Pfolz unisono.

Österreich ist eines der wenigen Länder in Europa, in denen mehr Frauen als Männer Opfer von Tötungsdelikten werden:

Lesebeispiel: In Litauen kamen 2016 auf 100.000 Einwohner 8,05 männliche und 2,95 weibliche Todesopfer. (Quelle: Eurostat)

>>>> Mehr zur Entwicklung der Kriminalstatistik in Österreich lesen Sie hier. (mat)