"Gott allein entscheidet" – Eltern ließen Rahel sterben

Kein Arzt, nur durch Beten sollte das kleine Mädchen geheilt werden. (Symbolbild)
Kein Arzt, nur durch Beten sollte das kleine Mädchen geheilt werden. (Symbolbild)Bild: iStock
Die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung der kleinen Rahel hätte geheilt werden können. Ihre Eltern verweigerten eine Behandlung. Nun wurden sie wegen Mordes durch Unterlassung angeklagt.
Nur 13 Jahre alt werden durfte die kleine Rahel, da ihre strenggläubigen Eltern sie nicht behandeln ließen. Im September 2019 war das Mädchen an einer schweren Bauchspeicheldrüsen-Entzündung erkrankt – bereits zum zweiten Mal in ihrem noch jungen Leben. Doch auf eine durchaus mögliche Heilung unter Zuhilfenahme der Spitzenmedizin verzichteten Rahels Eltern. Sie holten keinen Arzt.

Eltern fasteten und beteten am Spoitalsbett



Alen (39) und Elina L. sind nämlich Anhänger einer extrem konservativen Untergruppierung der evangelischen Freikirche. Die dort verbreitete Lehre soll das aus Deutschland zugezogene Paar vollinhaltlich ausgelebt haben, obwohl es einem ihrer sieben Kinder das Leben kostete. Fastend und betend saßen die Eltern laut der nun eingelangten Anklageschrift der Staatsanwaltschaft am Krankenbett und verweigerten jede Behandlung. Laut "Kronen Zeitung" wird ihnen nun wegen Mordes durch Unterlassung der Prozess gemacht. Dieser beginnt am 12. Februar in Krems (NÖ). Alen und Elina L., für die die Unschuldsvermutung gilt, droht lebenslange Haft.

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"Gott alleine soll entscheiden"



Als die Lebenskräfte ihrer Rahel zusehends schwanden, sollen ihre Eltern lapidar gemeint haben: "Gott alleine soll entscheiden." Um hernach einen Jakobusbrief zu zitieren: "Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben." Tragisch: Die salbungsvolle Bibelstelle konnten dem Kind, das bereits im Juni 2017 nur dank einer Intervention des Sozialamtes ins Wiener Donauspital gebracht worden war, nicht mehr retten. Es starb am 17. September 2019 schließlich im Elternhaus in einem 500-Seelen-Ort bei Krems. Nach dem Tod des Kindes wurden die Eltern verhaftet und sitzen seither in Untersuchungshaft.

Anwalt: "Es war der Wunsch der Tochter"



Der renommierte Wiener Anwalt Rudolf Mayer verteidigt Alen und Elina L. im demnächst beginnenden Verfahren – gemeinsam mit seinem Berufskollegen Zaid Rauf. Mayer sagte der "Krone" am Samstag: "Natürlich bedauern meine Klienten den Tod der Tochter zutiefst. Sie wollten nicht, dass sie stirbt. Aber es war der Wunsch des Mädchens, keinen Arzt zu holen."



Rudolf Mayer verteidigt.



Sechs Kinder untergebracht



Die restlichen sechs Kinder (3 bis 16 Jahre alt) der beiden Deutschen werden jetzt von der Jugendwohlfahrt betreut, sind in Betreuungstätten des Landes Niederösterreich untergebracht. Die zuständige Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SP) sprach bei Bekanntwerden des Falls von einer Tragödie: "Im Juni 2017 haben wir nach einem Hinweis der Familie geholfen, im Juli 2017 gab es einen Kontrollbesuch, da schien alles in Ordnung zu sein."

Eltern gehören Freikirche an



Die Eltern gehören offenbar einer Freikirche an. Die Freikirchen in Österreich (FKÖ) sind seit 2013 eine anerkannte Religionsgemeinschaft und grundsätzlich keineswegs gegen medizinische Behandlungen. Freikirchen sind locker im Stil und konservativ in den Inhalten. Babys werden nicht getauft, nur Teenager und Erwachsene auf eigenen Willen. Es gibt aber zahlreiche Untergruppierungen, die Mitgliederzahl in Österreich beträgt mehrere zehntausend Menschen. Seitens des Dachverbandes distanzierte man sich im Herbst 2019 von der Familie, die betroffene Freikirche sei entweder keine österreichische oder nicht im Dachverband.



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