"Ich habe Angst vor meinem eigenen Mann"

Viele Menschen leiden unter psychischer Gewalt. Eine davon ist die 29-jährige Tara*. Sie erzählt, wie sie ihren Alltag mit einem gewalttätigen Ehemann erlebt.
Jeden Tag wird Tara* (29) von ihrem Mann mit verbaler Gewalt fertiggemacht. "Im Jahr 2017, gerade als unsere zweite Tochter zur Welt kam, wurde er das erste Mal ausfällig. Seither ist es täglich. Er sagt mir oft, ich könne gar nichts – nicht kochen, nicht putzen, mich nicht um die Kinder kümmern, ich sei unfähig, irgendwas auf die Reihe zu bekommen. Der Standardsatz ist: Ich bin schuld an allem."

Mit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie habe sich die Situation noch verschlimmert, erzählt Tara. Tara ist Hausfrau. Da ihr Mann nun aufgrund betrieblicher Änderungen mehr zu Hause ist, sehen sie sich viel öfter als sonst. "Seither kann ich kaum mehr schlafen. Die kleinsten Dinge machen mir Sorgen. Ich habe Angst, ihm Essen zu machen, weil er mich immer kritisiert. Einmal hat er mir das Essen vor die Füße geworfen, weil es ihm nicht passte." Ruhe findet Tara nur, wenn sie ein Bad nimmt. "Das ist die einzige Zeit, in der ich keine Angst habe und etwas entspannen kann."

"Habe Angst, dass er unsere Tochter entführt"

Tara betont, dass ihr Mann sie nie geschlagen habe. Doch der psychische Druck, den ihr Ehemann ausübe, sei schrecklich: "Das Schlimmste ist, wenn er mich anschreit. Dann werden seine Augen immer so groß, dass ich richtig Angst bekomme."

Hier erhalten Gewaltbetroffene Hilfe

Bist du oder jemand aus deinem Umfeld von Gewalt betroffen? Dann lass dich beraten und hol dir Hilfe.

- Frauen-Helpline: 0800/222 555
- Rat auf Draht - Hilfe für Kinder & Jugendliche: 147
- Männerberatung Wien: 01/603 28 28

Im Fall von akuter Gewalt unbedingt die Polizei alarmieren: Tel. 133
Seit knapp zwei Monaten überlegt sich die Mutter von drei Kindern, sich von ihrem Ehemann zu trennen. Doch sie hat Angst: "Mein ältestes Kind ist derzeit in Indien bei Verwandten und ich traue meinem Mann zu, dass er mir meinen Sohn wegnehmen könnte. Er hat auch schon mehrmals damit gedroht, dass er das Kind entführt und ich es nicht mehr sehen kann. Den Schlussstrich kann ich erst ziehen, wenn diese ganze Corona-Krise vorbei und mein Junge wieder zu Hause ist."

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