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"Mit jeder Windböe schwappt Regen aufs Bett"

Heute Redaktion
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Der Tropensturm "Pabuk" wird die Inseln Koh Phangan, Koh Tao und Koh Samui Freitagnacht erreichen. Ein Kärntner ist derzeit in Thailand und schildert seine Eindrücke.

Rund 50.000 Menschen haben sich bereits vor "Pabuk" in Sicherheit gebracht. Der Tropensturm bewegt sich mit knapp 104 km/h auf den Golf von Thailand zu, am Freitagnacht soll er die Inseln Koh Phangan, Koh Tao und die Insel Koh Samui treffen.

Der Österreicher Anton Pruntsch befindet sich gerade am Lamai Strand auf Koh Samui. Seit dem 26. Dezember macht der Kärntner Arzt für Allgemeinmedizin Urlaub in Thailand. Es ist bereits sein dritter Aufenthalt auf der Insel.

Die betroffenen Gebiete sind etwa sechs Stunden voraus. Urlaubern und Ansässigen steht eine bange Sturmnacht bevor. Schon am Abend kündigt sich der Sturm an. "Schlafen bei offener Balkontüre ist unmöglich", schildert Pruntsch. "Mit jeder Windböe schwappt Regen aufs Bett." Eine weitere Vorsichtsmaßnahme hat der Kärntner ergriffen: "Habe auch die Vorhänge zugemacht, damit mich im Eventualfall keine Glassplitter treffen."

"Mit jeder Windböe schwappt Regen aufs Bett"

Vorerst fühlt sich Pruntsch aber noch sicher, da sein Zimmer im ersten Stock liegt. Gefährdet seien "all jene Menschen, die ebenerdig in Ufernähe wohnen", meint er. Zur Sicherheit hat der Arzt aber sein Motorrad ganz in der Nähe geparkt, sollte er schnell flüchten müssen.

Pruntsch: "Mein Motorrad steht startklar an einem halbwegs geschützten Ort." Aber der 56-Jährige weiß: "Motorradfahrern wird bei einer Überflutung allerdings etwas gefährlich sein".

"Mein Motorrad steht startklar an einem halbwegs geschützten Ort"

In einer Regenpause ging der Österreich eine kurze Runde durch die Stadt. Der sonst so belebte Markt und die Straßen rundherum sind völlig menschenleer. Die örtliche Polizei habe Notquartiere eingerichtet, weiß er zu berichten.

"Es gab keine Fähren und Flüge mehr"

"Nach meinem ärztlichen Bereitschaftsdienst zu Weihnachten habe ich dringend Urlaub gebraucht und wollte Kitesurfen", erzählt Pruntsch im Gespräch mit "Heute.at".

Als er vom herannahenden Tropensturm informiert wurde, konnte der 56-Jährige die Insel nicht mehr verlassen. Es war bereits zu spät. Pruntsch: "Als ich davon erfahren habe, gab es keine Fähren und keine Flüge mehr".

Die Ruhe vor dem Sturm. Blick aus dem Zimmerfenster (Quelle: Anton Pruntsch)

Einer seiner Patienten, der ebenfalls gerade in Thailand auf Urlaub ist, hatte mit dem Arzt über den Tropensturm gesprochen und ihn gewarnt. "Er riet mir, sofort mein Zimmer zu verlassen und in die Berge zu flüchten", so Pruntsch. Der Kärntner wird die Nacht in einem gemieteten Haus verbringen. Sein Zimmer befindet sich im zweiten Stock.

"Ich kann von meinem Zimmer, das direkt am Ufer liegt, die Wellen und Windböen beobachten." Sollte sich die Wetterlage dramatisch verschlimmern, hat ihm seine Vermieterin einen Schlüssel für ein anderes Zimmer gegeben, "falls ein Fenster brechen oder gar wirklich Wasser bis zum 2. Stock kommen sollte!"

Acht Meter hohe Wellen

Der thailändische Wetterdienst hatte vor starkem Regen und bis zu acht Meter hohen Wellen gewarnt. "Ich denke schon, dass ich diese Nacht überleben werde", so Pruntsch.

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Trotz der immer schlechter werdenden Wetterlage lässt sich der Kärntner seine Zuversicht aber nicht nehmen, wird sogar versuchen, in der Nacht ein wenig zu schlafen. "Ich werde bei leicht geöffnetem Fenster schlafen, um immer ein Ohr offen zu halten", erklärt Pruntsch. Der Höhepunkt von "Pabuk" wird circa gegen 3.00 Uhr (Ortszeit) erwartet.

Kontakt mit Familie

Die nächsten Stunden wird der Österreicher mit seiner Familie in Kontakt bleiben, sofern das WLAN nicht immer ausfällt. "Essen und Trinken habe ich genug im Zimmer, die Cognacflasche werde ich aber lieber erst morgen anrühren", erzählt Pruntsch mit einem Lächeln auf den Lippen.

Am Sonntag soll es dann wieder in die Heimat zu seiner Familie gehen. Zu Hause warten seine Freundin und seine beiden Kinder im Alter von 18 und 19 Jahren.

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