"Jeder sieht es, aber keiner macht etwas..."

"Was soll das?!", fragte Melina untätige U-Bahn-Passagiere, nachdem sie von zwei Männern erniedrigt wurde. Herbert hingegen hatte eine unschöne Begegnung in einer S-Bahn-Station: "Halt das Maul du scheiß Österreicher".
Anonym: "Eines Tages bei der S45-Station Hernals.

Zwei junge Mädels nicht österreichischer Herkunft sitzen auf der Bank am Bahnsteig und Rauchen. Ich habe die zwei höflich darauf hingewiesen, dass dies hier verboten ist. Die Reaktion: "halt das Maul du scheiss Österreicher, weißt du, was Österreich wäre ohne uns? Nur Hundescheiße. Geh nach Hause und f.... Deine Mutter du Hureösterreicher. Das ist meine Erfahrung als Österreicher, leider kann ich nicht zu Zara jammern gehen." Herbert

Melina:".. Als dunkelhäutiges Kind hatte ich nicht nur einmal eine geladene Polizeiwaffe vor meinem Gesicht od. musste mich halb Nackt in der Öffentlichkeit ausziehen.."

"Ich möchte gerne mitteilen was mir am 1.5.2015 in in der U6 passiert ist. Ich war in einem Brunch in einem Restaurant, danach hab ich mich auf den Heimweg gemacht. Ich stieg in der Gumpendorfer Strasse ein und setzte mich weiter hinten in die U-Bahn auf einen Zweier-Sitz. Ein paar Stationen später stiegen zwei junge Männer dazu, den einen schätze ich zwischen 28-30 der andere war um die 15-17 Jahre alt. Eigentlich stiegen sie am anderen Ende des Wagons ein, als sie mich aber entdeckten, kamen sie sofort zu mir nach hinten und setzten sich rechts von mir auf den anderen Zweier-Sitz.

Ab da ging es dann auch schon mit Beschimpfungen los. Und das lauthals, damit es jeder hört. Es ging um mein Kopftuch. Natürlich schämte ich mich, doch ich sah sie nicht an, da ich es für besser hielt es zu ignorieren. Die anderen Leute sahen alle weg. Ich habe die zwei Jungen nicht angesehen und geradeaus geschaut.

Plötzlich sagte dann der eine "Bei den scheiß Moslems braucht man Sichtschutz" und dann hat der andere seine Hand vor mein Gesicht gehalten, darüber haben sie sich dann lustig gemacht und haben immer wieder gesagt "Schauts euch die an, die ist taub, die bekomm das nicht amal mit" und haben immer lauthals gelacht.

Das alles hat mir sehr weh getan doch ich habe es immer noch ignoriert und hoffte, wenn ich sie nicht ansehe und ruhig bleibe, würde es ihnen langweilig werden und sie sich abwenden. Als es so weiterging, rief ich meinen Mann an, der mir dann riet, dass ich aussteigen soll, um in die nächste U-Bahn einzusteigen, er hole mich dann von dort ab. Leider lief der Jüngere der zwei immer zwischen dem Gang herum, so traute ich mich nicht auszusteigen, da ich Angst hatte vor körperlichen Angriffen. Eine Station noch, dann hätte ich es geschafft, währenddessen hatte ich ganze Zeit meinen Mann am Telefon, der versuchte mich zu beruhigen, während er zur Station lief.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Doch dann sah ich, dass der Junge ein iPad in die Hand nahm und es mir ins Gesicht hielt. Ich gehe davon aus, dass er mich filmen oder fotografieren wollte. In meinem Kopf waren wirklich schon Vorstellungen, dass die mich filmen wollten, wie sie mich fertig machen, damit sie dann prahlen können oder gar ins Internet stellen usw... das wurde mir dann zu viel.

Ich zitterte richtig und sprang dann auf und drückte das Tablett von mir weg und schrie den Jungen an "Was glaubst du eigentlich wer du bist dass du sowas tun kannst? Denkst du ich lasse mich von dir verarschen?!"Er fiel vor Schreck auf seinen Sitzplatz zurück und zuerst sagte er gar nichts, dann grinsten beide. Der Ältere stand bei der Tür und schimpfte auf mich ein. Die anderen Menschen standen auf, um zu sehen was los ist, und ich war so voller Wut, Angst und Adrenalin und meinte dann auch zu denen "Ihr steht da nur alle herum und jeder sieht das, aber keiner macht etwas, was soll das?!"

Ok, vielleicht war das zu übertrieben, aber nach 15 Minuten öffentlicher Erniedrigung platzte es einfach aus mir heraus.

Ich war fassungslos, dass mir keiner geholfen hat und ich habe mich so schutzlos gefühlt in diesem Moment und vorallem so erniedrigt. Ich habe dies nur an die Dokustelle für Muslime gemeldet, da ich mich einfach anvertrauen wollte, denn ich habe kein Vertrauen in die Polizei, da ich nie Gerechtigkeit von ihnen erfahren habe.

Ich hoffe, das passiert mir das nie wieder und anderen auch nicht!"

Wir wollen an dieser Stelle von Ihnen erfahren, ob Sie auch bereits Erfahrungen mit derartigen Vorfällen gemacht haben. Waren Sie selbst betroffen, oder wurden Sie Zeuge? Wie haben Sie reagiert?



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