"Kinder haben das Recht auf einen eigenen Kopf!"

Islamexpertin Düzen Tekkal besucht einen Integrationskurs des Österreichischen Integrationsfonds.
Islamexpertin Düzen Tekkal besucht einen Integrationskurs des Österreichischen Integrationsfonds.Bild: www.superberg.at/ Samuel Kreuz
Die deutsche Autorin, Fernsehmoderatorin und Islamexpertin Düzen Tekkal ist kein Freund von Verboten, beim Kopftuch macht sie aber eine Ausnahme.
Der Österreichische Integrationsfonds bietet Flüchtlingen und Asylwerber mit seinen Werte- und Orientierungskursen eine wertvolle Starthilfe für den Einstieg in die österreichische Gesellschaft und den Arbeitsmarkt. Bei unseren Nachbarn in Deutschland hingegen zumeist werden keine vergleichbaren Kurse angeboten, lediglich in Berlin gibt es sogenannte "Willkommensklassen".

Deutsche Experten befürworten Integrationskurse

Immer wieder finden deshalb auch Journalisten, Politiker und/oder Migrationsexperten aus Deutschland, ihren Weg ins kleine Österreich um den Integrationscoaches des ÖIF bei deren Arbeit über die Schulter zu schauen. Nach ARD-Moderator Constantin Schreiber, der bereits im Sommer in Wien einen Werte- und Orientierungsbesuch beisuchte, wollte sich jetzt auch die Autorin und Fernsehmoderatorin Düzen Tekkal die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich selbst von der Arbeit des ÖIF ein Bild zu machen.

Nach ihrem Besuch eines Vertiefungskurses, indem weiblichen Asylwerberinnen der österreichische Arbeitsmarkt näher gebracht wurde, zeigte sich Tekkal, ähnlich wie ihr Kollege Schreiber vor ihr, einigermaßen beeindruckt. Ihrer Meinung nach seien derartige Kurse, die ja ursprünglich als Teil der Umsetzung des 50 Punkte-Plans für Integration von VP-Bundeskanzler Sebastian Kurz eingeführt worden waren, eine "ganz ausgezeichnete Idee".

Tekkal: "Das ist etwas, dass den Unterschied macht!"

Vor allem für Frauen könnten derartige Kurse ungemein wichtige Einstiegshilfen in den Arbeitsmarkt darstellen, argumentierte Tekkal in einer Kurspause gegenüber "Heute.at". Gerade für junge Mädchen sei die Partizipation an Bildung "der Schlüssel zu Freiheit", es bestehe aber die Gefahr, dass "das an ihnen vorbeigehen könnte", so die Islamexpertin. Auf dem "Weg in die Freiheit" - raus aus den oftmals starr patriachalen Strukturen ihrer Herkunftsländer - könnte diese Kurse nach österreichischem Vorbild für junge Mädchen oft einen enorm wichtigen Beitrag liefern, so die Tochter jesidisch-kurdischer Eltern.

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Vom kürzlich von der türkis-blauen Regierung beschlossenen Kopftuchverbot für Kindergartenkinder hält die Integrationsexpertin Tekkal übrigens relativ viel. Kinder hätten eben auch das "Recht auf einen eigenen Kopf", so Tekkal. Vor allem das frühe Tragen des Kopftuches führe zu weitreichenden Einschränkungen für junge Mädchen. Diese würden sich aufgrund des Kopftuchs oftmals fragen: "Warum darf ich meine Haare jetzt nicht mehr zeigen?, oder "gelte ich damit jetzt schon als Frau?"

Letztlich müsse man sich einfach fragen, für wen man Integrationspolitik machen wollte, erklärt Tekkal. Integrationspolitik dürfe sich nämlich nie aus Rücksicht vor religiösen Eigenheiten zu Lasten der "Bedürftigen oder der Opfer" eines System auswirken, mahnte Tekkal abschließend. (red)

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