"Ich halte mein Grundeinkommen geheim"

Nur wenige Menschen wissen, wie es sich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen lebt. "Heute.at" hat mit einer Frau gesprochen, die ein solches bezieht.
Noch bis Freitag läuft das Volksbegehren für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Es fordert 1.200 Euro pro Monat für jeden österreichischen Staatsbürger ab 18 Jahren. Ohne Gegenleistung. Ohne Verpflichtungen.

Wie sich anfühlt, mit einem bedingungslosesn Grundeinkommen zu leben, weiß Anna W. (Name von der Redaktion geändert). Die 42-Jährige ist in Wien im Bildungsbereich tätig und bezieht seit kurzem 1.000 Euro Grundeinkommen pro Monat. Und das ein Jahr lang.

Das Geld stammt von der deutschen NGO "Mein Grundeinkommen". Diese testet seit fünf Jahren, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Praxis wirkt und verloste bereits über 450 Stück, die per Crowdfunding finanziert werden.

"Konnte nicht klar denken"



CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. "Ich bin da reingerutscht", erzählt Anna W. im Gespräch mit "Heute.at". "Eine Freundin hatte an der Verlosung von Mein Grundeinkommen teilgenommen und mich ebenfalls angemeldet. Letztlich wurde ich im August gezogen. Seit September erhalten wir jeweils ein Grundeinkommen. Das ist ein tolles Geschenk, wir sind sehr dankbar."

Der Gewinn der insgesamt 12.000 Euro kam überraschend – und überwältigend. "Es war ein Gekreische, ein Johlen, ein Aufsprung", erinnert sich die Mutter von zwei Töchtern. "Zuerst konnte ich es nicht glauben. Ich war nicht im Stande, klar zu denken."

Das Grundeinkommen kam gerade recht, erzählt die Frau. Seit Jahren sei sie beruflich von Kürzungen betroffen, daher sei sie zurück an die Universität für ein weiteres Studium gegangen. Derzeit ist sie also Studentin, berufstätig und Mutter einer Familie.

Gestiegene Lebensqualität



Seit dem Gewinn sei ihre Lebensqualität gestiegen, sagt Anna W. Einen zusätzlichen Mini-Job müsse sie nun nicht mehr machen, ein Zeitgewinn: "Zeit bedeutet, mehr lernen und schneller studieren zu können. Ein baldiger Abschluss bedeutet auch ein normales Gehalt."

Die Ausgaben hätten sich indes kaum verändert. Das Grundeinkommen sei mehr ein kleines Finanz-Polster, erzählt sie: "Ab und zu gehen wir einmal essen, für die Töchter sind Dinge wie ein zusätzlicher Sportkurs oder eine bessere Zahnspange möglich." Sie meint, durch diese Ausgaben bleibe das Geld in Umlauf. So hätten auch der Arzt oder die Kursleitung etwas von ihrem Grundeinkommen.

Kollegen wissen nichts von Anna W.s Grundeinkommen. Sie versuche auch, mehr als früher zu spenden, um die Wertschätzung des Geldes auszudrücken.

Das aktuelle Volksbegehren für ein Grundeinkommen von 1.200 Euro pro Person will sie unterstützen: "Niemand ist davor gefeit, den Job zu verlieren oder krank zu werden. In unserer Gesellschaft soll niemand zurückbleiben."

Link: Mein Grundeinkommen

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