"Muss nicht nachkläffen, was der Vizekanzler sagt"

Auf "Puls4" krachten am Sonntagabend die EU-Spitzenkandidaten Othmar Karas (ÖVP) und Harald Vilimsky (FPÖ) aufeinander. Es wurde heftig.
Nicht als "Duell", sondern als Diskussion wollte Karas Sonntagabend das TV-Treffen mit Vilimsky verstanden wissen. Und tatsächlich ging es eher ruhig los. Doch nach dem Geschenke-Austausch – Karas schenkte Vilimsky sein Buch "Die europäische Demokratie", umgekehrt gab es das ÖVP-FPÖ-Regierungsübereinkommen vom FPÖ- für den ÖVP-Politiker – war Schluss mit lustig.

Einmal mehr die Streitpunkte: Ob Europa mehr oder weniger EU-Politik brauche, die Partei-Bündnisse der Europaparteien und die Identitären. Und der eigentlich für Zurückhaltung bekannte Karas teilte dabei ungewohnt heftig aus.

Die Rechten als "Reformatoren Europas"

"Es geht einfach nicht, dass sich der Herr Vilimsky immer das Gesicht aufsetzt, welches er gerade braucht. In Österreich in der Regierung und in Brüssel mit den Rechtsextremen in einer Fraktion", kritisierte Karas, dass die FPÖ auf EU-Ebene mit den Parteien von Marine Le Pen, Geert Wilders, der AfD und anderen offenbar einer Allianz von Italiens Innenminister Matteo Salvini beitreten will.

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Vilimsky hielt dagegen, dass Salvini und Orban "die Reformatoren Europas" seien. Es gingen nur miteinander und nicht mit Alleingängen, und er, Vilimsky, sei für gespräche mit allen Seiten offen. Karas dagegen wolle seine "Firma Karas" in der Union umsetzen, und arbeite gleichzeitig als ÖVP-Politiker aktiv gegen die Regierungslinie. Dass Europa unabhängiger werden solle, darin waren sich aber beide Parteien einig.

"Ich muss nicht nachkläffen"

Vollends kochte die Stimmung aber über, als Vilimsky auf die Verbindungen der FPÖ mit den als rechtsextrem eingestuften Identitären angesprochen wurde. Ob es in Vilimskys Team identitäre Verbindungen gibt und ob sich auch Vilimsky wie Strache von den Identitären distanziere, hakte Karas nach. Vilimsky wich erst aus, indem er entgegnete, dass slowenische ÖVP-Schwesterpartei SDS sich hinter die Identitären stelle. Karas: "Ja, und deshalb haben sie auch keinen Platz im EU-Parlament."

Bei erneuter Nachfrage nach den Identitären wirkte Vilimsky ungehalten: "Ich muss nicht nachkläffen, was der Vizekanzler und Bundesparteiobmann gesagt hat", sprach der FPÖ-Politiker die Distanzierung Straches an. Erst später erklärte Vilimsky schließlich zu den Identitären: "Wir wollen nicht mit ihnen in einem Boot sitzen, wir werden das zukünftig auch noch schärfer kontrollieren." Konkret ausgeschlossen hatte Vilimsky identitäre Verbindungen in seinem Team aber nicht.

Geendet hatte die Diskussion schließlich damit, dass sich beide Politiker mehrmals Lügen vorwarfen – von Zurückhaltung gab es da längst keine Spur mehr. (rfi)

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