"Ori 2" im Test: Lichtgeist (fast) allein im Wald

In der Fortsetzung zum gefeierten "Ori and the Blind Forest" bieten die Wiener Moon Studios mehr von allem – mehr Action, mehr Emotion, mehr Abwechslung.
2015 wurde "Ori and the Blind Forest" auf einen Schlag zu einem der besten Exklusivspiele für Microsofts Xbox One. Seitdem hat sich viel getan – das Game ist mittlerweile sogar auf Nintendo Switch erhältlich – doch die Erwartungen an die Fortsetzung "Ori and the Will of the Wisps" sind nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Der Wiener Chefentwickler Thomas Mahler von den Moon Studios, deren Mitarbeiter auf der ganzen Welt von zuhause arbeiten, versprach einen Sprung, der mit jenem von "Super Mario Bros." auf "Super Mario Bros. 3" vergleichbar sei. Das war vielleicht etwas zu hoch gegriffen, ein hervorragendes Game hat die Spieleschmiede aber trotzdem abgeliefert.

Emotionaler Einstieg

Die Handlung knüpft direkt an den Vorgänger an. Ori, seine Mutterfigur Naru und Gumo bekommen sozusagen Familienzuwachs. Denn aus dem letzten Ei des riesigen Vogels Kuro aus dem ersten Teil schlüpft ein Küken – es erhält den Namen Ku. Zunächst scheint alles wunderbar zu sein, in einem emotional packenden Intro erlebt man mehrere glückliche Monate der kleinen Familie, doch ein Problem gibt es: Ku hat einen Flügel, der nicht ganz funktionstüchtig ist. Als bei einem Flugausflug mit Ori ein gewaltiger Sturm losbricht, werden die Freunde getrennt und landen in einem düsteren Wald. Ori muss sich auf die Suche nach Ku machen und "nebenbei" die Dunkelheit aus der Natur vertreiben.

Ori hat ein paar neue Tricks gelernt – oder lernt sie, um ganz korrekt zu sein. Denn während der kleine Held am Ende des ersten Spiels richtig viele Fähigkeiten hatte, beginnt man in der Fortsetzung wieder von vorne und muss sich sogar den Doppelsprung erstmal verdienen. Doch je weiter man voranschreitet, desto vielfältiger werden die Möglichkeiten. Das betrifft sogar die Waffen. Statt Gegner wie im ersten Game mit zielsuchenden Fernkampfattacken zu beharken, erhält Ori nun sehr schnell eine Art Lichtklinge. Später folgen Pfeil und Bogen sowie weitere Attacken, die etwa allen Feinden in der Nähe kontinuierlich Schaden zufügen.

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Beim Ausbau der Kampf- und Bewegungskünste helfen passive Skills, von denen Ori anfangs bis zu drei gleichzeitig aktivieren kann. Dazu gehören Schadensboni oder etwa die Fähigkeit, sich an Wänden festzukrallen. Auch interessante Trade-offs sind möglich – etwa deutlich mehr Schaden im Austausch für stark erhöhte Verwundbarkeit. Durch das Absolvieren von Herausforderungen können sogar mehr als drei passive Skills ausgerüstet werden.

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Schön schwer

Boni, Fähigkeiten und der Ausbau von Attacken bei einem Händler sind auch dringend nötig, denn das neue Ori-Game verlangt den Spielern einiges ab. Das Metroidvania-Abenteuer fordert das präzise Timing in Plattforming-Passagen und Durchhaltevermögen. Auch nach mehreren Toden hat man aber nie das Gefühl, das Game sei unfair.

Dafür verantwortlich sind die perfekt ausbalancierten Rätsel und Herausforderungen, die ohne die ebenfalls perfekte pixelgenaue Steuerung nicht funktionieren würden. Immer wieder kommt es außerdem zu stressigen Plattforming-Sequenzen, bei denen ein falscher Sprung zum Tod führen kann. Diese Passagen dienten im Vorgänger quasi als "Bosskämpfe", diesmal gibt es echte Begegnungen mit riesigen Gegnern. Diese sind auf dem mittleren von drei Schwierigkeitsgraden zwar fordernd, aber nie unfair.

Ein spielbares Kunstwerk

Wenn man nicht gerade von den zahlreichen neuen Gegnern gehetzt wird, sollte man auch von Zeit zu Zeit innehalten und die malerischen Landschaften des Spiels bewundern. Die Spielwelt ist deutlich größer und verwinkelter als im ersten Teil, kann weiterhin ohne Ladezeiten durchquert werden. Einmal mehr hat sich das Team von Moon Studios selbst übertroffen und eine scheinbar lebendige Welt geschaffen, in der sich die Farnbüschel im Wind wiegen, die Moore blubbern und die Tiere im Dickicht tummeln. Dazu gesellt sich die phänomenal atmosphärische Musik des Komponisten Gareth Coker.

Noch belebter wirkt die Umgebung durch eine kleine Siedlung, die anfangs noch zerstört und von dornigen Ranken überwuchert ist. Hier tummeln sich jede Menge NPCs, die sogar Nebenquests für Ori parat haben. Mit der Zeit und unter Einsatz der nötigen Ressourcen kann die Oase inmitten des Waldes wieder aufgebaut werden. Der mystischen Atmosphäre tut das gut.



Fazit

Ein "Super Mario Bros. 3" ist "Ori and the Will of the Wisps" zwar nicht geworden, dennoch handelt es sich um ein fantastisches Spiel, das seinen Vorgänger auf allen Gebieten übertrifft. Ori ist beweglicher denn je, gigantische Bossmonster bieten eine echte Herausforderung und in ruhigen Momenten sorgen zahlreiche neue Freunde für eine packende, emotionale Handlung.

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