"Resident Evil 3": Horror mit mehr Action garniert

Nach dem meisterhaften Remake von "Resident Evil 2" ist nun auch "Resident Evil 3" neu erschienen. Dass es actionlastiger zugeht, ist dabei kein Manko.
Capcom hat einen Lauf, was die "Resident Evil"-Reihe betrifft: Sowohl der First-Person-Schocker "Resident Evil 7 Biohazard" als auch die stark horrorlastige Neuauflage von "Resident Evil 2" staubten in unseren Tests höchstes Lob ab. Nun ist auch das Remake von "Resident Evil 3" für PlayStation 4, Xbox One und PC da. Das neue "Resi" bringt teils weniger Gruselstimmung, dafür mehr Action, ohne die bekannte Atmosphäre aufzugeben.

Wem die Handlung des Originals, an die sich auch das Remake hält, nicht bekannt ist: Protagonistin Jill Valentine, ehemals Teil einer Polizei-Spezialeinheit, versucht aus dem Zombie-verseuchten Stadtgebiet von Raccoon City zu entkommen. Das Spiel läuft zeitlich parallel zu "Resident Evil 2" ab. Gleichzeitig soll die Biowaffe Nemesis die verbleibenden Mitglieder der Einheit aufspüren und töten. In einem weiteren Handlungsstrang erlebt man, wie der Söldner Carlos Oliveira versucht, Überlebenden zu helfen.

Wie schon bei "Resident Evil 2" mit den Serien-Lieblingen Leon S. Kennedy oder Claire Redfield kommt wieder die neu entwickelte RE Engine zum Einsatz, was das Spiel zu einem grafischen Leckerbissen macht. Besonders die Videosequenzen haben teils Realfilm-Charakter und das Gameplay läuft butterweich mit 60 Bildern pro Sekunde ohne jegliche Ruckler ab. Feintuner haben zudem viele grafische Anpassungsmöglichkeiten spendiert bekommen.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Ausgezeichnete Umgebungen

Noch stärker als im Vorgänger kommt nun die Umgebung zum Tragen. Nicht nur, dass Gassen, Straßen und Plätze tolle Gestaltungen mit vielen abwechslungsreichen Details aufweisen, an Licht-, Feuer- und Wassereffekten kann man sich anhand deren realistischer Umsetzung kaum satt sehen. Grafisch übertrifft sich das Remake einmal mehr selbst, schon beim Vorgänger staunten wir über diese Konsequenz.

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Auf einem ähnlich hohen Niveau wie beim Vorgänger ist auch die Soundkulisse. Im Krankenhaus von Raccoon City hört man in der gruseligen Stille das Blut richtiggehend von den Wänden tropfen, in der Kanalisation deutet jedes Plätschern eine unheimliche Gefahr im Abwasser an. Auch die Synchronstimmen überzeugen mit viel Emotion und die Figuren zeigen dazu eine perfekt abgestimmte Mimik. Technisch bewegt man sich insgesamt auf höchstem Niveau.

Action, aber nicht zu viel

Bedenken zum Action-Anteil von "Resident Evil 3" dürften jene haben, denen die Genre-Ausflüge nach dem originalen dritten Teil nicht allzu gefallen haben. Doch weder bei der Steuerung, noch beim Gameplay fällt dies allzu dramatisch aus. Vielmehr ist die gesamte Story etwas vom Grusel abgerückt, aber nicht vollends in Action aufgegangen. Horror-Fans müssen sich also keine Sorgen machen, "Resident Evil 3" schockt auch in dieser Form noch genug.

Etwas Übung braucht die neue Ausweichmechanik des Spiels. Die Figuren können versuchen, per Tastendruck Angriffen zu entgehen, was allerdings ein fast perfektes Timing voraussetzt. Ebenso gewöhnungsbedürftig: Wird man von Untoten gepackt und angenagt, soll sich das per schnellem Tastendrücken beenden lassen – manchmal scheint aber einfach nichts dabei zu passieren. Klar, das macht auch etwas von der Atmosphäre des Titels aus, wirkt aber viel zu oft als unfair eingesetzt.

Ablenken statt durchschleichen

Bot "Resident Evil 2" noch oft die Möglichkeit, sich an Untoten langsam und zitternd vorbeizuschleichen, wurde dies in "Resi 3" fast vollkommen gestrichen. Allzu oft steht man ganzen Horden gegenüber, ohne sich verstecken oder verbarrikadieren zu können. Dafür gibt es neue Action-Elemente zur Verteidigung: Fässer können mit Schüssen zur Explosion gebracht werden, Generatoren können beschädigt und so Feinde unter Strom gesetzt werden. Ausruhen kann man sich aber selbst in diesen Phasen nicht.



Schön dabei ist, dass diese Mechaniken auch grafisch sehr stark einschlagen: Explosionen etwa können eine ganze Straße in Flammen aufgehen lassen, was jedes Mal aufs Neue beeindruckt. Gleich geblieben sind die immer wieder auftretenden Begegnungen mit dem Obermonster: War es im zweiten Teil der Tyrant, macht uns nun abschnittsweise Nemesis das Leben schwer und jagt uns durch einige Kapitel des Games. Und wie sein Vorgänger steckt auch er Kugeln fast ohne Regung ein.

Weniger Rätsel, mehr Nemesis

Der Action geschuldet gibt es zwar mehr Begegnungen mit Nemesis, als man es vom Tyrant kannte, die Szenen bringen den Puls aber noch oben, weil sie allesamt extrem gut in den Spielverlauf eingewoben wurden. So wirkt es nun nicht mehr so, dass das Monster aus dem Nichts auftaucht und wo man auf es trifft, geschieht das in kinoreifen Videobegleitungen. Selbst beim mehrmaligen Durchspielen lässt einen kein Nemesis-Moment in "Resident Evil 3" kalt.

Apropos Durchspielen: Rund zehn Stunden brauchen halbwegs geübte Gamer, die Geschichte von Jill und Carlos zu Ende zu bringen. Das wirkt etwas wenig, doch die Qualität dieser Spielstunden ist konstant sehr hoch und für jeden Geschmack gibt es den passenden Schwierigkeitsgrad. Einziges persönliches Manko für uns: Sowohl Anzahl als auch Anspruch der vorkommenden Rätselelemente ist dieses Mal sehr niedrig, Entscheidungen wie noch im Original gibt es gar nicht mehr. Entschädigt wird man wieder mit Action, nämlich noch größeren und spektakuläreren Boss-Kämpfen.

Inventar-Knappheit und Upgrades

Bei Items, Inventar und Co. setzt das Spiel auf Bewährtes: Zu finden sind wieder Heilgegenstände wie Kräuter, manche Objekte können rudimentär kombiniert werden und im Inventar herrscht weiter drastische Platz-Knappheit. Wieder muss man also entscheiden, ob für die kommenden Spielszenen eher Heilgegenstände oder Munition das eigene Leben retten werden. Zu große Mengen werden wieder in wiederkehrenden Kisten in der Spielwelt gelagert, gespeichert wird wieder auf Schreibmaschinen und bei Checkpoints.



Weder bei der überschaubaren Anzahl an Waffen (Pistole, Schrotflinte, Granatwerfer und Co.), noch bei Upgrades gibt es große Überraschungen. Das Inventar kann durch Gürteltaschen erweitert werden, Spezialaufgaben im Spiel sorgen für eine Handvoll Verbesserungen bei Gesundheit und Verteidigung oder Munition. Hier ist man seinen Wurzeln treu geblieben. Die größte Neuerung ist noch die Karte, die nun Missionsobjekte in der Nähe anzeigen kann.

Monster haben aufgerüstet

Wohl in keinem anderen "Resident Evil"-Teil gab es dafür eine solch große Zahl verschiedener Monster, von den wieder unglaublich zähen Standard-Untoten bis hin zu ganz neuen Monstern der Reihe. Zu viel wollen wir in diesem Punkt nicht verraten. Neu sind auch die Bewegungsabläufe gestaltet: Viele Feinde bewegen sich nicht mehr nur stur auf einen zu, sondern haben unvorhersehbare Bewegungsmuster zugeteilt bekommen. Das passt allerdings hervorragend zum Konzept, denn wenn schon mehr geschossen wird, sollen die Feinde keine Schießbudenfiguren sein.

Man merkt es: "Auch Resident Evil 3" hat es uns gewaltig angetan. Den Machern ist ein weiteres Remake-Meisterwerk gelungen, das zwar auf mehr Action setzt, den "Resident Evil"-Geist aber beinahe stark wie nie verkörpert. Atmosphärisch gruselt zwar "Resident Evil 2" mehr, bei der gebotenen Grafik und Technik sowie dem etwas schnelleren Gameplay hat dafür "Resident Evil 3" die Nase vorne. Eines ist aber klar: Egal ob man Horror oder Action liebt, "Resident Evil 3" ist in beiden Fällen ein Spiel auf höchstem Niveau.

Und der Mehrspielermodus?

Zusätzlich zum Einzelspieler-Erlebnis gibt es einen Modus namens "Resistance". Dieser klingt in der Theorie spannend: Mit einem Zeitlimit versuchen vier Spieler mit unterschiedlichen Fähigkeiten in Kampf und Unterstützung aus Anlagen der berüchtigten Umbrella Corporation zu entkommen, und stehen dabei einem anderen Spieler gegenüber, der Monster auf die Gruppe loslassen und Fallen platzieren kann. In der Praxis müssen die Entwickler aber noch gewaltig an dem Modus schrauben, damit er Spaß macht.

Der Grund ist einfach: Während man als Flüchtender über extrem eingeschränkte Möglichkeiten verfügt, spielt sich der Jäger der Gruppe übermächtig und kann in kürzester Zeit die Gruppe auslöschen. Stichwort "kürzeste Zeit": Die Zeitlimits sind auch so knapp, dass ein wirklich genießbares Gameplay nicht möglich ist. Erfahrungspunkte für neue Figuren und Co. kann man sich auch mit Echtgeld erkaufen, an der Balance ändert dies aber nichts. Kann man hier noch nachjustieren, könnte aus "Resistance" allerdings ein echt spannender Multiplayer-Modus werden.

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