"Sandy"-Opfer wollten "nur kurz rausgehen"

Nach dem verheerenden Hurrikan "Sandy" an der Ostküste der USA mischt sich in die Freude, die Naturkatastrophe überstanden zu haben, auch ein Gefühl der Trauer: Mindestens 50 Menschen starben - die meisten unter tragischen Umständen.
Nach dem verheerenden Hurrikan "Sandy" an der Ostküste der USA mischt sich in die Freude, die Naturkatastrophe überstanden zu haben, auch ein Gefühl der Trauer: Mindestens 50 Menschen starben  - die meisten unter tragischen Umständen.

Lauren Abraham wollte nur ein Foto schießen, als Erinnerung an den Ausnahmezustand, den Hurrikan "Sandy" New York City gebracht hat –  die Make-up-Künstlerin bezahlte ihren Leichtsinn mit dem Leben. Die 23-Jährige hatte von ihrem Fenster aus beobachtet, wie Montagabend eine vom Wind beschädigte Stromleitung Funken sprühte - ein spektakulärer Anblick. Abraham entschied sich, die Wohnung zu verlassen, um die Szenerie mit ihrer Kamera festzuhalten. Laut "New York Times" kam sie dabei mit der Leitung in Kontakt, fing Feuer und verbrannte an Ort und Stelle. Schockierte Nachbarn hatten den Horror hilflos aus nächster Nähe mitverfolgt.

Auch Jessie Streich-Kest und ihr Freund Jacob Vogelman, beide Anfang zwanzig, leben nicht mehr. Die beiden gingen Montagabend mit ihrem Pitbull Gassi. Und kehrten nie mehr zurück. Nachbarn fanden die Leichen der beiden erst am Dienstagmittag unter einem umgestürzten Baum. Hund Max überlebte verletzt.

Ein 30-jähriger Mann und zwei Kinder wollten einfach nur in den Park spazieren gehen und wurden von herabfallenden Ästen erschlagen. Mitarbeiter der Parkverwaltung bewaffneten sich deshalb mit Motorsägen um die Gefahrenquellen klein zu sägen und zu entfernen.

Der Lärmschutz, ohnehin nicht Priorität in New York, musste dabei hinter wichtigere Aufgaben zurücktreten. In den Parks selbst wurden nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg mehr als 7.000 gefährliche Stellen gemeldet. "Was immer Sie tun: Bleiben Sie von den Parks weg!", hatte das Stadtoberhaupt gewarnt.

Aufräumarbeiten

In New York City laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Schlamm wird weggeschaufelt, Wasser abgepumpt, die abgebrochenen Äste und Bäume, die Straßen und Gehwege blockieren, abtransportiert. In Midtown Manhattan halten sich die Schäden in Grenzen, schlimmer ist die Lage im tiefergelegenen Süden der Stadt. Dort sind noch immer Hunderttausende ohne Strom, das Handynetz ist zusammengebrochen. 750.000 waren allein im Big Apple von Stromausfällen betroffen, landesweit waren es an die 6,6 Millionen Bürger.

Obama macht Druck

). US-Präsident Barack Obama machte bei einem Treffen der Chefs der Energiefirmen im Weißen Haus Druck auf die Unternehmen. Die Wiederherstellung der Stromversorgung habe oberste Priorität. Es dürfe keine bürokratischen Hindernisse bei der Arbeit geben, erklärte der Präsident. 13 Millionen US-Dollar als Soforthilfemaßnahme, um die gröbsten Schäden zu beseitigen, wurden bereits vom Weißen Haus an New York zur Verfügung gestellt.

AUA fliegt wieder nach New York

Noch am Mittwoch soll der New Yorker Flughafen JFK wieder den Betrieb aufnehmen. Gegen 13 Uhr (MEZ) sollen die ersten Flieger starten und landen. Auch der Flughafen Newark Liberty in New Jersey soll wieder aufsperren. Der Betrieb wird zunächst nur eingeschränkt laufen. Der New Yorker Flughafen LaGuardia und Teterboro in New Jersey blieben weiterhin geschlossen. Die AUA gab bereits bekannt, dass der Flugverkehr in die USA wieder aufgenommen wird. Die Börsen an der Wall Street werden ebenfalls wieder aufsperren. Ebenso nehmen die öffentlichen Verkehrsmittel wieder den Betrieb auf, zumindest dort, wo die Stationen und Tunnel nicht unter Wasser stehen.

Marathon findet statt

Die traditionelle Halloween-Parade im New Yorker Greenwich Village am Mittwochabend wurde abgesagt, der New-York-Marathon am Sonntag soll allerdings stattfinden. Auch die Lage in Queens hat sich mittlerweile beruhigt. Dort hat ein Riesenfeuer etwa 80 Häuser zerstört.

Überschwemmungen und Blizzards

Dramatischer ist die Lage in New Jersey, wo es die schlimmsten Überschwemmungen während des Sturms gab. Vier Städte standen wegen eines Dammbruchs knapp zwei Meter unter Wasser. Hunderte mussten mit Booten von den Dächern ihrer Häuser gerettet werden. In West Virginia führte "Sandy" zu Blizzards, es gab einen Meter Neuschnee. Wegen der Schneemassen rissen zahlreiche Stromleitungen und Bäume stürzten um. Landesweit werden die Schäden derzeit auf rund 50 Milliarden US-Dollar geschätzt.
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