"Sittenwächter" zu fünf Monaten Haft verurteilt

Der Bandenchef der "Moralwächter" musste sich am Freitag in Wien vor Gericht verantworten, er wurde schuldig gesprochen. Der 23-Jährige nahm das Urteil an.
Eine sechsköpfige Bande hatte im Sommer 2017 einer oben ohne badenden Frau am Ufer eines Waldsees in Breitenfurt (NÖ) mit Vergewaltigung gedroht.

Das Sextett wurde daraufhin von der Polizei ausgeforscht und angezeigt. Am Freitag stand der Rädelsführer der Bande vor Gericht. Der 23-jährige Shamil I. musste sich unter anderem wegen Nötigung verantworten.

Kurz nach 11.00 Uhr betrat der Angeklagte den Verhandlungssaal des Landesgerichts in Wien. Das mediale Interesse an dem "Sittenwärter"-Prozess war so riesig, dass der Prozess in einen anderen Saal verlegt werden musste.

Zwei Fälle vor Gericht verhandelt

Shamil I. wurden in der Anklageschrift zwei Vorfälle zur Last gelegt. Zum einen ging es um den Vorfall am See in Breitenfurt, wo der 23-Jährige einer Frau mit Missbrauch gedroht haben soll. Im zweiten Fall musste er sich wegen Drohung eines Kassiers einer Müller-Filiale in Wien-Floridsdorf vor dem Gericht verantworten.

CommentCreated with Sketch.52 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Der Rädelsführer bekannte sich "nicht schuldig". "Ich habe Busek am Badeteich gesehen. Er hat eine Frau fotografiert. Sie hatte nur einen Tanga an. Es ist nicht gleich eskaliert. Aber ich habe immer hinschauen müssen. Ich bin eben ein Mann. Ich wollte nicht hinschauen. Ich habe zu Busek gesagt, sie soll sich ein Shirt anziehen. Es hat sich so ergeben, dass ich nur mit ihm geredet hab. Am Anfang habe ich auch bitte gesagt. Ganz normal", erklärte der 23-Jährige seine Sicht des Vorfalls.

Busek hatte "Angst um Begleitung"

Fotograf Thomas Busek, der mit seiner Freundin am Badeteich war, sagte ebenfalls vor Gericht aus und erklärte, dass er sich durchaus bedroht gefühlt hätte. "Ich hatte vor allem Angst um meine Begleitung", erklärt der Wiener.



Shamil I. entschuldigte sich während des Prozesses bei Busek für sein Verhalten und sagte, dass er das alles nicht so gemeint hätte. Seine Freunde nahm der 23-Jährige übrigens in Schutz. Diese hätten nichts mit dem Vorfall zu tun gehabt, denn sie hätten "die Fische angeschaut".

Kassierer mit den Nerven am Ende

Während Busek kein Problem damit hatte vor Gericht auszusagen und die Fragen der Richterin und der Anwälte zu beantworten, tat sich der bedrohte Kassierer sichtlich schwer. Der Mann war auch nur dann zu einer Aussage bereit, wenn sich der Angeklagte nicht im Saal befindet. Der 23-Jährige wurde daraufhin kurzerhand aus dem Saal gebracht.

Der Kassierer war mit seinen Nerven völlig am Ende und erklärte immer wieder, dass er "keine Probleme" haben und einfach nur ein "normales Leben" führen möchte. Auf die Frage des Verteidigers, ob sich der Kassier von seinen Fragen unter Druck gesetzt fühlt, antwortete der Mann: "Nein, aber von der Situation".

23-Jähriger ist schuldig

Die Richterin erlöste den Kassier schließlich und beendete die Zeugenaussage. Wenige Minuten später wurde dann das Urteil gefällt.

Der 23-Jährige wurde schuldig gesprochen. Bis zu fünf Jahre Haft drohten dem Angeklagten, er bekam nur fünf Monate. Das Urteil ist rechtskräftig, da der Mann das Urteil annimmt. Er muss allerdings nur mehr ein Monat davon im Gefängnis verbüßen, vier saß er bereits in Untersuchungshaft.

(red)

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