"Wir gehen bei all unseren Klienten von Null aus"

Das Tageszentrum "Josi" feiert heuer seinen 30. Geburtstag. Hier finden auch obdachlose Menschen Einlass, die in anderen Einrichtungen Hausverbot haben.
Seit 1989 bietet das Tageszentrum "Josi" des Obdach Wien in der U6-Station Josefstädter Straße (Josefstadt) obdachlosen Menschen einen Ort zum Ausruhen, Aufwärmen und einen Platz, um einfach zu sein.

Pro Jahr werden rund 2.000 Menschen von einem Team aus Sozialarbeitern, Betreuern und Zivildienern betreut und versorgt. Eine davon ist Vera Howanietz (38). Die gelernte Sozialarbeiterin ist seit acht Jahren für Obdach Wien tätig. Seit vier Jahren auch als Teamleiterin und seit rund einem Jahr als Bereichsleiterin von "Vor Ort", das besonders niederschwellige Angebote macht.

"Im Josi ist Platz für 100 Menschen. Im Sommer, wenn es draußen warm ist, erreichen wir diese Kapazität nicht, dann es ist eher ruhig. Doch bei kalten Temperaturen und vor allem im Winter sind wir oft voll", erklärt Vera gegenüber "Heute".

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. "Josi" mit hohem Vertrauen zwischen Betreuer und Kunden

Das liegt auch daran, dass sich das "Josi" in seinem 30-jährigen Bestehen als fixe Einrichtung etabliert hat. "Wir sind zentral gelegen, öffentlich gut erreichbar und haben einen hohen Bekanntheitsgrad. Wir haben auch viele Klienten, die zu den Stammkunden zählen und seit Jahren hierherkommen", so Vera.

Im Gegensatz zu anderen Obdachloseneinrichtungen sei der Personalwechsel im "Josi" eher gering. Dadurch würden sich Betreuer und Klienten teils seit Jahren kennen. "Da baut sich natürlich eine Vertrauensbasis auf", so Vera. Diese nutzen die "Josi"-Mitarbeiter etwa auch zur Beratung, wie das Leben auf der Straße überwunden werden kann.

Der Schwerpunkt liegt aber deutlich auf der Versorgung und Betreuung. Neben Duschen, Ruheräumen und Waschmaschinen bietet das "Josi" auch eine Küche zum Selberkochen. Rund 66% der Kunden sind Männer, Frauen sind – wie in anderen Obdachloseneinrichtungen auch – mit 34% in der Minderheit. Trotzdem wird die Kochgelegenheit gerne und oft genützt.

"Machen uns selbst ein Bild der Kunden"

Beliebt und geschätzt ist das "Josi" auch deswegen, weil hier mehr Toleranz herrscht als anderswo. "Wir gehen bei all unseren Klienten von Null aus, machen uns erst selbst ein Bild von deren Zustand und Verhalten", erklärt Vera. Dadurch steht das Tageszentrum auch Obdachlosen offen, die anderswo schon Hausverbot haben.

Damit im und vor dem "Josi" alles ruhig und friedlich bleibt, haben die Mitarbeiter ein Auge auf ihre Klienten. Herumliegender Müll, wie etwa leere Bierdosen, wird weggeräumt, wird es zu laut, mahnen Sozialarbeiter zu Ruhe. "Im Haus herrscht Alkoholverbot, im öffentlichen Raum vor der Tür können wir unsere Hausordnung aber nicht durchsetzen", erklärt Vera.

Neuer "Josi"-Schanigarten vor Start

Um einen Mittelweg zu finden, der den Kunden des "Josi" den Aufenthalt im Freien ermöglicht, aber Anrainern und Passanten nicht beeinträchtigt, bekommt das Tageszentrum einen neuen Außenbereich. Untergebracht ist dieser rechts des Eingangs zur U-Bahnstation auf Seite der Josefstadt. "Dieser ist, wie auch das 'Josi' täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Platz ist hier für 30 Personen, unter Beaufsichtigung ist hier moderater Alkoholkonsum, also Bier und Wein erlaubt", erklärt Vera.

Es gibt ab nächster Woche ein Sichtschutz-Provisorium, das Nutzer von Passanten trennt. Dieser provisorisch geschützte Außenbereich, wird dann auch im Sinne der NutzerInnen bespielt und betreut.

"Abend der offenen Tür" im Rahmen der Geburtstagsfeier

Wenn sich selbst ein Bild der Tagesstätte machen will, hat am Freitag Gelegenheit dazu. Anlässlich des 30. Geburtstages öffnet das "Josi" seine Pforten für alle Interessierten und lädt zu mehreren Konzerten ein. Im Rahmen der "Gürtel Connection" feiert auch andere Gürtellokale mit, alle Infos gibt es hier.

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