10 Fragen und Antworten zum Islam

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Der Islam ist derzeit in aller Munde. Als dritte große Weltreligion neben dem Christen- und Judentum wird er aufgrund von islamistischem Terror, Hasspredigern und Jihadisten vielfach missinterpretiert und missverstanden. Wir haben wichtige Facts zum Islam zusammengetragen.
1. Was bedeutet Islam?

Islam ist ein arabisches Wort und bedeutet Frieden machen und Hingabe. Frieden machen heißt, dass der Gläubige mit sich selbst und mit seiner Umgebung in Frieden leben soll. Hingabe drückt sich in der Annahme des Willen Gottes aus. Die Bezeichnung "Mohammedaner" lehnen die Muslime ab, da Muhammad als Prophet der Überbringer der Botschaft des Islam war, Gott allein aber anbetungswürdig ist.

Der Begriff Islam kommt im Koran acht Mal vor. An mehreren Stellen wird herausgestellt, dass die Annahme des Islams Zeichen göttlicher Erwählung ist. Sie tritt dadurch ein, dass Gott den betreffenden Menschen leiten will. Menschen, die es sich selbst als Verdienst anrechnen, dass sie den Islam angenommen haben, wird entgegengehalten, dass sie diese Gnade allein Gott zu verdanken haben.

An drei anderen Stellen wird eine Beziehung zwischen Islam und dem arabischen Begriff Din hergestellt, der die Bedeutung von Religion hat, allerdings auch die Konnotation von Schuld besitzt. Die Geschichte dieser Religion hat nach dem Koran nicht erst mit Mohammed begonnen, sondern schon mit Abraham.

2. Ist Islam und Dschihad vereinbar?

Im Koran selbst wird eine wichtige Unterscheidung getroffen zwischen der Annahme des Islams und der Annahme des Glaubens. So werden in Sure 49:16 die Araber der Wüste aufgefordert, nicht zu sagen, "wir haben den Glauben angenommen", sondern "wir haben den Islam angenommen", weil der Glaube noch nicht in ihre Herzen eingegangen sei.

An derartige Aussagen knüpft sich die Vorstellung, dass derjenige, der den Islam angenommen hat und ein Muslim ist, nicht unbedingt ein "Gläubiger" sein muss. Experten meinen deshalb, dass er in der frühislamischen Gemeinschaft, die stark auf den Dschihad ausgerichtet war, die Bereitschaft zur Selbstaufopferung im Kampf bezeichnete.

Die im Koran getroffene Unterscheidung zwischen Islam und Glaube hat in der islamischen Theologie Anlass zu zahlreichen Debatten gegeben. Es wurde nie restlos geklärt, in welchem Verhältnis die beiden Prinzipien zueinander stehen.

3. Was sind die Fünf Säulen?

Eine Definition für den Islam findet man nicht im Koran, sondern nur in den Berichten über den Propheten, und zwar im sogenannten Gabriel-Hadith, der über Umar ibn al-Chattab auf den Propheten zurückgeführt wird. Auch hier wird zwischen Islam und Glauben unterschieden. Als dritte Kategorie wird "gutes Handeln"  eingeführt. Der Islam bestehe aus fünf Hauptpflichten, die seine fünf Säulen bilden.

    Schahada (islamisches Glaubensbekenntnis)

    Salat (Pflichtgebet)

    Zakat (Armengabe)

    Saum (Fasten im Ramadan)

    Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka)

Seite 2: Wer ist Allah? Was bedeutet Muslim? Wer war Mohammed?

4. Wer ist Allah?

Allah ist ein Name von 99 für den einen Gott und nicht der Name eines privaten Gottes der Muslime. Allah ist der einzige zu Recht angebetete und verehrte Schöpfer des Universums; auch arabische Christen nennen Gott Allah. Er schuf die Menschen und zeigte ihnen durch seine Offenbarung den besten Weg für sie im Diesseits, damit sie im Jenseits nicht eine Strafe erleiden.

5. Was bedeutet die Bezeichnung Muslim?

Der Bedeutung des Wortes nach ist ein Muslim jemand, der sich freiwillig dem Willen Gottes hingibt und das Friedenmachen als seine Aufgabe ansieht. Man wird Muslim, indem man erklärt, dass es keinen Gott außer dem Einen gibt und Muhammad der Gesandte Gottes ist. Andererseits gibt es Menschen, die sich zwar Muslime nennen, sich aber nicht dem Willen Gottes unterordnen, während andere wiederum ihr Bestes geben, um eine islamische Lebensweise zu führen. Man kann sich kein Urteil über den Islam bilden, wenn man nur die Menschen betrachtet, die zwar einen muslimischen Namen tragen, sich aber in ihren Handlungen und in ihrer Lebensweise nicht wie Muslime verhalten.

6. Wer war Muhammad?

Muhammad wurde um das Jahr 570 n. Chr. in der Stadt Mekka in Arabien als Mitglied eines angesehenen Stammes geboren. Seine Vorfahren gehen auf den Propheten Ismael, den Sohn Abrahams, zurück. Muhammads Vater starb vor dessen Geburt und seine Mutter, als er sechs Jahre alt war. Ungefähr im Alter von vierzig Jahren erschien ihm der Engel Gabriel in jener Höhle, in der er zu meditieren pflegte, und offenbarte ihm, dass er ein Prophet Gottes sei.

Die folgenden Offenbarungen Gottes wurden in einem Zeitraum von 23 Jahren herabgesandt und später in Buchform zusammengetragen. Dieses Buch, der Koran, ist für Muslime die letzte und abschließende Offenbarung Gottes. Er bestätigt, erfüllt, vervollständigt und erklärt eingehend die eine wahrhafte Offenbarung, die von dem Einen, Wahren Gott und für alle Zeiten herabgesandt worden ist.

Seite 3: Wieso Kopftuch, heliger Krieg und keine Abtreibung?

7. Warum tragen muslimische Frauen Kopftuch?

Die Muslima sollte bezüglich ihrer Kleidung auf Bescheidenheit Wert legen und der Mensch sollte nicht als bloßes Objekt der Begierde betrachtet werden. Die muslimische Frau hat die religiöse Pflicht, sich in der Öffentlichkeit zu bedecken. Diese Regelungen liegt die Koranstelle (24:31) zugrunde, die durch Aussagen des Propheten Muhammad präzisiert wird. Diese Vorschriften gelten für die Muslime ab der Pubertät.

8. Gibt es einen "heiligen Krieg"?

Oft werden Begriffe wie "Dschihad" und "heiliger Krieg'' gleichgesetzt. Das Wort Dschihad bedeutet eigentlich "Anstrengung" oder genauer "sich auf dem Wege Gottes anstrengen". Jede Anstrengung im Alltagsleben, die unternommen wird, um Gott zufrieden zu stellen, kann als Dschihad betrachtet werden. Zum Dschihad gehört auch, dass man zu den Waffen greift, um im Falle eines Angriffs Muslime oder ein muslimisches Land zu verteidigen. Und genau dies wird von Extremisten als Triebfeder genutzt, um ihre Sicht der Dinge durchzusetzen, gegen Andersgläubige vorzugehen. Denn was als Angriff gewertet werden kann, liegt sehr oft im Auge des Betrachters.

9. Was ist die Meinung zu Schwangerschaftsverhütung und Abtreibung?

Während der Islam Schwangerschaftsverhütung in begründeten Fällen erlaubt, gestattet er keine Gewalt gegen das ungeborene Leben. Er betrachtet Abtreibung nach dem 40. Tag der Schwangerschaft als Mord, weil es ein Angriff auf einen lebenden Menschen ist und befürwortet sie nur dann, wenn dadurch das Leben der Mutter gerettet werden kann.

10. Was ist die Meinung zu Sterbehilfe und Selbstmord?

Der Islam ist sowohl gegen Selbstmord als auch gegen Euthanasie (Sterbehilfe). Muslime lehnen auch den Einsatz jeglicher Mittel ab, die dazu dienen, das Leben eines todkranken Patienten künstlich zu "verlängern". Das Retten von Leben besitzt im Islam einen hohen Stellenwert. Deshalb wird Organtransplantation allgemein als erlaubt betrachtet, vorausgesetzt, es liegt das Einverständnis des Spenders vor. Der Verkauf von Organen ist jedoch nicht gestattet.

Seite 4: Was liegt jenseits des Islams? Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Als eigenen Punkt haben wir uns noch angesehen, was eigentlich jenseits des Islams liegt? Wie sehen Moslems das Leben nach dem Tod? Wie bei den Christen gibt es die klassische Vorstellung von Paradies und Hölle. Der Glauben an den Jüngsten Tag und Allahs strenges Gericht über das Handeln im irdischen Leben der Gläubigen sind ebenfalls Bestandteile der Jenseitsvorstellung.

Die Vorstellung des Islams: Wenn ein Mensch das irdische Leben verlässt, werden Leib und Seele getrennt. Die zwei Engel Gottes, Munkar und Nakir, geleiten die Seele des Menschen auf seinem letzten Weg, wo sie einer Prüfung unterzogen wird. Wenn der Verstorbene seinen Glauben unter Beweis stellen kann, wird seiner Seele das Paradies versprochen. Kann er das nicht, ist die Seele verdammt.

Nach der Prüfung folgt eine Wartezeit bis zum Jüngsten Tag, dem Endgericht. Man sagt, die Seele läge in dieser Zeit wieder im Grab und ihr Zustand käme einem tiefen Schlaf gleich.
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