Forschung zeigt

1.000 Jahre alte Salbe schlägt Antibiotika

Ein uraltes Rezept aus dem 10. Jahrhundert könnte helfen, eines der größten Probleme der modernen Medizin zu lösen: multiresistente Keime.
Heute Life
05.10.2026, 09:51
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Knoblauch, Lauch, Wein und Rindergalle – neun Tage lang in einem Messinggefäß angesetzt. Was klingt wie ein seltsames Kochrezept, ist in Wahrheit eine über 1.000 Jahre alte Augensalbe aus einem mittelalterlichen englischen Medizinbuch.

Forschende der University of Warwick haben dieses Rezept aus "Balds Leechbook" im Labor nachgebraut und dabei Erstaunliches entdeckt: Die Salbe kann selbst gefährliche MRSA-Bakterien schädigen – also Keime, gegen die viele moderne Antibiotika versagen.

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Die neue Studie, die im Fachjournal mSphere erschien, zeigt wie genau das Mittel wirkt. Es macht die Zellmembranen der Bakterien durchlässig, schaltet krankheitsfördernde Gene ab und stört das Kommunikationssystem zwischen den Keimen.

Bakterien werden kaum resistent

Besonders bemerkenswert: In Tests entwickelten die Bakterien gegen die mittelalterliche Salbe kaum Resistenzen. Bei herkömmlichen Antibiotika tolerierten die Keime nach 14 Tagen bereits acht- bis 16-mal höhere Dosen als zu Beginn. Bei der Salbe blieb dieser Effekt weitgehend aus.

Der Grund liegt in der Wirkweise: Während ein einzelnes Antibiotikum meist nur an einem Punkt angreift, attackieren die verschiedenen Inhaltsstoffe der Salbe die Bakterien auf unterschiedliche Weise gleichzeitig. Die Keime müssten also an mehreren Stellen gleichzeitig mutieren – was deutlich schwieriger ist.

Superkeime als große Bedrohung

Multiresistente Keime zählen zu den größten Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit. Laut einer internationalen Studie starben 2021 weltweit rund 1,14 Millionen Menschen direkt an resistenten Infektionen. Bis 2050 könnten es laut Prognosen zehn Millionen jährlich sein.

Gleichzeitig kommen kaum neue Antibiotika auf den Markt. Die Entwicklung eines einzigen neuen Wirkstoffs dauert oft mehr als zehn Jahre und kostet Milliarden. Deshalb suchen Forschende auch in ungewöhnlichen Quellen nach Ansätzen – etwa in mittelalterlichen Manuskripten.

Wichtig: Niemand sollte die Salbe zu Hause nachbrauen. Die Zusammensetzung lässt sich kaum standardisieren, und klinische Studien am Menschen gibt es bisher nicht. Die Forschenden wollen nun die wirksamen Moleküle identifizieren und als Grundlage für neue Medikamente nutzen.

red,05.10.2026, 09:51