Wirtschaft

11.600 Jobs betroffen – Insolvenzen legen weiter zu

Die Zahl der Insolvenzen ist in Österreich wieder gestiegen. 2.600 Unternehmen konnten ihre Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen.
Leo Stempfl
22.06.2023, 05:16
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Der aktuellen Hochrechnung des Kreditschutzverbands von 1870  zufolge waren in Österreich im ersten Halbjahr 2023 2.600 Unternehmen von einer Insolvenz betroffen, ein Plus von 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der dadurch betroffenen Mitarbeiter ist um 65,7 Prozent auf insgesamt 11.600 angestiegen. Seinen Teil dazu beigetragen hat auch die wohl bisher größte Firmenpleite der Leiner & kika Möbelhandels GmbH.

Am stärksten betroffen sind die Branchen Handel inkl. KFZ-Reparatur (473 Fälle), die Bauwirtschaft (447) und der Bereich Tourismus/Gastronomie (346). "Es ist nach wie vor so, dass Insolvenzanträge häufig zu spät gestellt werden. Und zwar erst dann, wenn überhaupt keine liquiden Mittel mehr zur Verfügung stehen und nicht einmal mehr das Verfahren bei Gericht selbst finanziert werden kann. Das ist auch insofern dramatisch, weil dadurch weitaus mehr Arbeitsplätze verloren gehen, als eigentlich notwendig wäre", mahnt KSV1870-Leiter Karl-Heinz Götze.

Nachholeffekte

Das Vorjahresergebnis bei den Firmenpleiten wird dieses Jahr wohl jedenfalls übertroffen, ist sich der KSV sicher. Das Insolvenzgeschehen sei derzeit sehr volatil. Während die Zahl der Pleiten im ersten Quartal des Jahres konsequent gestiegen ist, ist diese in den vergangenen Wochen etwas abgeflacht. Aktuell gilt es auch abzuwarten, welche Auswirkungen unter anderem die Ausbezahlung des Urlaubsgeldes auf finanziell angeschlagene Unternehmen hat, die dadurch oftmals zunehmend in die Bredouille geraten.

Insgesamt bleibt aus Sicht des KSV1870 festzuhalten, dass die aktuelle Zahl der Firmenpleiten mit Blickrichtung Jahresende auf rund 5.300 Fälle zusteuert. Gegenüber Vorkrisenzeiten wären das etwa 300 insolvente Betriebe mehr. "Was im ersten Moment nach einer Menge klingt, ist in der Realität weit weg von einer Insolvenzwelle. Es handelt sich dabei vorwiegend um Nachholeffekte aus Krisenzeiten, die wir auch in den kommenden Jahren wohl erleben werden", so Götze.

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