13-jähriger Staatsmeister kurz vor Abschiebung

Halim soll nach Tschetschenien abgeschoben werden.
Halim soll nach Tschetschenien abgeschoben werden.Robert Schlesinger / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
Der 13-jährige Halim A. wurde am Dienstag völlig überraschend aus Lienz abgeholt und nach Wien in ein Abschiebezentrum überstellt.

In Lienz herrscht seit Dienstag großes Unverständnis. Der 13-jährige Tschetschene Halim A. wurde ohne Vorwarnung von den Behörden abgeholt und in ein Abschiebezentrum in Wien überstellt. "Er hat die zweite Klasse der Mittelschule mit sehr vielen Einsern und Zweiern abgeschlossen. Er ist auch privat sehr engagiert. Halim ist im Sportclub vorbildlich dabei und wurde sogar in seiner Klasse Staatsmeister im Boxen", berichtet der Lienzer Vizebürgermeister Siegfried Schatz im Gespräch mit "Heute".

"Das Kindeswohl ist ein Lotteriespiel und wird in vielen Bereichen nicht berücksichtigt. Das sieht man auch im Fall von Halim. Dass man jemanden abschiebt, der voll integriert ist, ist vollkommen unverständlich."

Die Eltern des 13-Jährigen sind verstorben, der Teenager kam mit seinem Großvater nach Österreich. "Am Dienstag war am Bezirksgericht das Verfahren für die Obsorge", so Schatz. Weil der Großvater sich altersbedingt nicht mehr kümmern könne, sollte der 27-jährige Onkel Halims Obsorge übernehmen. "Dieser macht gerade eine Lehre und sollte im September seinen Abschluss machen." Die Entscheidung vom Gericht wurde jedoch nicht abgewartet – der 13-Jährige wurde am Dienstag um halb 7 Uhr morgens völlig überraschend von der Polizei abgeholt und nach Wien gebracht.

Ort setzt sich für Halims Bleiberecht ein

"Das Kindeswohl wird in vielen Bereichen nicht berücksichtigt. Das sieht man auch im Fall von Halim. Dass man jemanden abschiebt, der voll integriert ist, ist für mich vollkommen unverständlich", erklärt der Vizebürgermeister. Der ganze Ort, sowie Halims Sportclub plädieren dafür, dass der Jugendliche in Österreich bleiben darf.

Irmgard Griss: "Kindeswohl ist eine Lotterie"

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Nach der umstrittenen Abschiebung von Mädchen nach Georgien und Armenien hat die eingesetzte Kindeswohlkommission, unter der Leitung der früheren OGH-Präsidentin Irmgard Griss, nun in einem Bericht eine stärkere Berücksichtigung des Kindeswohls in Verfahren gefordert. Schubhaft für Minderjährige und Familien dürfe es nicht mehr geben, weiters sollten Abschiebungen nicht während des Schuljahres stattfinden. "Termin, Art und Weise der Abschiebung sollen so festgelegt werden, dass Kinder möglichst geringen Schaden erleiden", so die Forderungen der Kommission.

Seitens des Innenministeriums heißt es, man werde den Fall von Halim prüfen. 

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