Nachdem der Widerstand gegen das Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien wächst, versuchen die Behörden, diesen mit Drohungen und Festnahmen zu unterbinden. Nachdem sich zahlreiche Frauen aus Protest demonstrativ ans Steuer gesetzt haben, wurden am Samstag 14 Lenkerinnen verhaftet.
Die Frauen waren am Samstag einem Aufruf der Kampagne "Women2Drive" gefolgt, um gegen das in Saudi-Arabien geltende Fahrverbot für Frauen mobil zu machen. Demnach sollten sich möglichst viele Frauen demonstrativ ans Steuer setzen, um dem Verbot zu trotzen. Einige Teilnehmerinnen der Aktion ließen sich bei ihren Autofahrten filmen . Auf der Internet-Plattform YouTube erschien ein Dutzend derartiger Kurzfilme.
Drohgebärden der Behörden
Die Behörden bremsten allerdings den angekündigten Aktionstag gegen das in Saudi-Arabien geltende Fahrverbot für Frauen aus. Nur wenige Frauen folgten dem in den vergangenen Wochen im Internet verbreiteten Aufruf, sich am Samstag demonstrativ hinters Steuer zu setzen. Die Initiatorinnen der Aktion "Autofahren am 26. Oktober" hatten zuvor ihren Aufruf "aus Vorsicht und Respekt vor den Warnungen des Innenministeriums" zurückgenommen.
Die Festnahmen erfolgten in Riad, Jeddah, Mekka und in der Ost-Provinz, berichtete die Zeitung "Al-Madina" am Sonntag. In der Hauptstadt Riad mussten fünf Frauen aufs Polizeirevier, unter ihnen eine ägyptische Staatsbürgerin.
Am Donnerstag hatte ein Sprecher des Innenministeriums AFP gesagt, dass jegliche Verstöße gegen das Frauenfahrverbot ebenso geahndet werden würden wie eine Unterstützung des Protests. "Ohne die Drohungen des Innenministeriums hätten mehr Frauen mitgemacht", ist sich Menschenrechtsaktivistin Naseema Assada sicher. Im Jahr 2011 waren mehrere Frauen wegen Autofahrens festgenommen worden. Sie mussten damals zusichern, sich nicht noch einmal hinters Steuer zu setzen.
Willkürliche Reiseverbote
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die Drohungen gegen die an der Kampagne beteiligten Frauen. Sie berichtete zudem, Beteiligte seien mit willkürlichen Reiseverboten belegt worden. Ferner kritisierte Amnesty, dass die Initiatorinnen des Aktionstags von staatlichen Medien öffentlich schlecht gemacht worden seien.
Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in dem es Frauen grundsätzlich verboten ist, Auto zu fahren. Das gilt auch für die zunehmende Zahl von saudischen Bürgerinnen, die im Ausland einen Führerschein erworben haben, und für Ausländerinnen.