Welt

2 Mio Katalanen fordern Trennung von Spanien

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:02

Junge Pärchen, Rentner, Jugendliche, Fußballvereine und ganze Großfamilien mit Großvätern, Eltern, Kindern und Enkeln haben sich am Donnerstag zum katalanischen Nationalfeiertag (Diada) im Zentrum Barcelonas versammelt, um für ihr Selbstbestimmungsrecht zu protestieren.

Es sind Hunderttausende. Die Veranstalter der Kundgebung, die separatistische Bürgerplattform "Katalanische Nationalversammlung" (ANC), schätzte die Zahl auf fast zwei Millionen Teilnehmer, die mit ihrem Protestmarsch der spanischen Regierung in Madrid klar machen wollen, dass die große Mehrheit der Katalanen für die Durchführung des am 9. November geplanten Unabhängigkeitsreferendums ist.

Plakate: "Catalonia is not Spain", "Freedom for Catalonia"

Musik- und Tanzgruppen sind aus ganz Katalonien gekommen, um katalanische Volksmusik und Folkloretänze vorzuführen. Hunderte von Gruppen bilden die für Katalonien typischen Menschentürme, die Castells. Plakate weisen darauf hin, dass "Catalonia is not Spain" ist. Andere fordern "Freedom for Catalonia". Transparente mit Bildern von US-Präsident Barak Obama, Papst Franziskus, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen internationalen Regierungschefs fordern die internationalen Gemeinschaft auf, Katalonien bei der Ausübung seiner demokratischen Grundrechte wie dem Selbstbestimmungsrecht zu unterstützen.

"Sie wollen doch nur unser Geld"

"Ich möchte nicht, dass meine Kinder in solch einem Land aufwachsen, das seit 300 Jahren unsere Sprache, unsere Kultur und unsere Traditionen unterdrückt", meint Ricard am Rande der Demo. "Spanien repräsentiert uns nicht. Sie wollen doch nur unser Geld und uns nicht verlieren, damit auch Katalonien weiterhin ärmere Regionen wie Andalusien durchfüttert", ist sich Ricard sicher. Der 45-jährige Beamte steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Umfragen zeigen, dass der Anteil der Separatisten unter den 7,6 Millionen Einwohnern der wirtschaftsstärksten Region Spaniens in wenigen Jahren von rund 20 auf schätzungsweise über 50 Prozent angewachsen ist. Rund 80 Prozent der Katalanen spricht sich zumindest für das Recht auf die Volksabstimmung aus.

 ANC-Vorsitzende Carme Forcadell gab sich auf der Abschlussrede optimistisch: "Heute haben wir die Straßen Barcelonas gefüllt. Am 9. November werden wir die Urnen fühlen – für einen neuen Staat in Europa".

 

Die Katalanen haben sich im Kampf um ihre Autonomie während des Spanischen Erbfolgekrieges auf die Seite des Habsburgers Karl (III.) geschlagen, der als Karl VI. Römisch-deutscher Kaiser und Vater Maria Theresias werden sollte. Doch mit dem Sieg des Bourbonen Philipp V., der am 11. September 1714 Barcelona eroberte, endete die Freiheit der Katalanen. Jedes Jahr wird dieser Tag in Katalonien als "Nationaltag" (Diada Nacional de Catalunya) begangen.

Unter Kaiser Karl V. (König Karl I.) war Spanien im 16. Jahrhundert zu einem Teil des Habsburgerreiches aufgestiegen, "in dem die Sonne nie unterging". Sein Sohn Philipp II. baute den Kolonialbesitz weiter aus. Zugleich garantierten die Habsburger die Eigenständigkeiten der beiden Entitäten des spanischen Königreichs: Kastilien und Aragon, zu dem auch Katalonien gehörte.

Durch zahlreiche Verwandtenehen mit der österreichischen Linie kam es vermehrt zu Krankheitsfällen und Missbildungen der Kinder der spanischen Habsburger. Der letzte war Karl II., ein kränklicher Herrscher, der im Jahr 1700 ohne Nachfolger starb. Unter dem Druck Frankreichs ernannte er Philippe von Anjou, einen Enkel des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV., zu seinem Nachfolger.

APA/red.

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