Österreich erlebt derzeit die erste große Hitzewelle des Jahres – und genau diese könnte für die Bevölkerung besonders gefährlich sein. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftlern aus Wien, die Notfalldaten der Berufsrettung Wien mit Wetterdaten verglichen haben.
Die Analyse, die im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht wurde, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die erste Hitzewelle eines Sommers führt zu deutlich mehr Rettungseinsätzen als spätere Hitzeperioden. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, berichtete zuerst ORF Wien.
Für ihre Studie werteten Forscher rund um Sebastian Zeiner von der Universitätsklinik für Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der MedUni Wien und des AKH insgesamt 934.461 Notrufereignisse aus. Berücksichtigt wurden alle Rettungseinsätze in Wien zwischen dem 1. Jänner 2018 und dem 31. Dezember 2021. Diese Daten wurden mit Temperaturmessungen von 506 Standorten in der Bundeshauptstadt abgeglichen.
In den Sommermonaten Juni bis August verzeichnete die Wiener Rettung im Untersuchungszeitraum durchschnittlich 792,4 Einsätze pro Tag. Die Auswertung zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und der Zahl der Notfälle.
Als besonders kritisch erwiesen sich Hitzewellen, bei denen die Temperatur über mindestens zwei Tage hinweg nicht unter 20,5 Grad Celsius sank. Solche Wetterlagen führten laut Studie zur "statistisch größten Steigerung der Einsatzzahlen" – im Durchschnitt um 8,04 Prozent.
Die Forscher stellten außerdem fest: "Die Auswirkungen verstärkten sich mit zunehmender Intensität der Hitzewelle. An den darauffolgenden Hitzewellentagen waren die Auswirkungen zwar geringer, aber ebenfalls statistisch signifikant". Selbst bei mehreren Tagen mit Höchstwerten von mindestens 28 Grad stieg die Zahl der Rettungseinsätze noch um 3,77 Prozent an.
Besonders stark betroffen waren junge Menschen bis zum Alter von 18 Jahren. Ihr Risiko, während einer Hitzewelle einen Rettungseinsatz zu benötigen, lag um knapp 20 Prozent höher. Auch Menschen zwischen 76 und 85 Jahren waren deutlich häufiger auf Hilfe angewiesen – mit einem Anstieg von rund zwölf Prozent.
Die Altersgruppe zwischen 36 und 55 Jahren zeigte sich dagegen vergleichsweise widerstandsfähig. Frauen reagierten laut Untersuchung insgesamt etwas empfindlicher auf extreme Hitze als Männer. Zu den häufigsten Diagnosen zählten chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sowie Kreislaufzusammenbrüche.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist für die aktuelle Wetterlage besonders relevant: Die erste Hitzewelle einer Sommersaison geht offenbar mit dem stärksten Anstieg der täglichen Rettungseinsätze einher. Doch selbst nach einer Abkühlung ist die Belastung für den Körper noch nicht vorbei.
"Verzögerte Effekte gibt es bis zu fünf Tage nach dem Ende einer Hitzewelle", stellten die Wiener Experten fest. Die Zahl der Notrufe sinke demnach erst allmählich wieder auf das normale Niveau zurück.