20 Sekunden, die Leben retten

Händewaschen - aber richtig.
Händewaschen - aber richtig.
Getty Images/iStockphoto
Neue Hygienekultur sollte uns auch nach der Pandemie weiter begleiten. Das schützt uns und andere.

Der 5. Mai steht unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Welttag der Händehygiene“. Der 5.5. steht für die fünf Finger jeder Hand, die sorgfältig gereinigt werden sollten. „Sekunden retten Leben – wasche Deine Hände“ ist das Motto des diesjährigen Welttages.

Handhygiene stärker im Lebensalltag der Menschen verankert

Im Zuge der SARS-CoV-2-Pandemie hat Händehygiene in der breiten Öffentlichkeit eine neue Bedeutung und Aktualität bekommen. „Händehygiene ist viel stärker im Lebensalltag der Menschen verankert und es besteht mehr Hygienebewusstsein als je zuvor. Wer sich regelmäßig und gründlich die Hände wäscht, entfernt wirksam Krankheitserreger von den Händen und trägt damit zum Schutz für sich und andere bei,“ sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Hasibeder, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) und Leiter der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams.

„Schon die Kleinsten haben vielfach im Kindergarten gelernt, dass Händewaschen mindestens so lange dauern sollte wie zum Beispiel das zweimalige Singen von ‚Happy birthday‘, und der Desinfektionsspender ist auch außerhalb von Gesundheitseinrichtungen zur Selbstverständlichkeit geworden.“

Seit Beginn der Pandemie besseres Bewusstsein für Hygiene

Eine Umfrage unter 1.000 Personen in Österreich hat zuletzt im Dezember 2020 gezeigt, dass 73 Prozent der Befragten seit Beginn der Corona-Krise explizit mehr auf Hygiene achten. Davor war das diesbezügliche Bewusstsein hierzulande nicht allzu deutlich ausgeprägt. Eine Erhebung der Meinungsforschungsinstitute BVA France und Gallup aus 2015/2016 reihte Österreich in Sachen Händehygiene-Kultur nur auf Platz 46 von 63. Der zentrale Indikator war in der Untersuchung, wie viel Prozent der Bevölkerung nach der Toilettenbenutzung immer die Hände waschen.

Studien zeigen Effektivität von Händehygiene gegen Infektionen

Dass die regelmäßige und vor allem auch richtig durchgeführte Händehygiene zur Eindämmung Infektionen unterschiedlichster Art eine zentrale Bedeutung hat, wird durch zahlreiche Studien belegt. So zeigte beispielsweise eine Untersuchung der London School auf Hygiene and Tropical Medicine, dass das Händewaschen mit Seife 84 Prozent gefährlicher Erreger auf den Händen beseitigt – bei Waschen mit Wasser alleine ist das nur bei 48 Prozent der Erreger der Fall.

Wichtigste Maßnahme im Patientenkontakt

Die internationale Kampagne setzt ihren thematischen Schwerpunkt bei der Hygiene im Kontakt von Gesundheitspersonal mit Patienten. Aus Sicht der WHO ist eine gute Händehygiene von entscheidender Bedeutung für die Verhinderung von Infektionen, die im Gesundheitswesen erworben werden, sowie für die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen und anderen aufkommenden Gesundheitsgefahren.

Bei der Gesundheitsversorgung erworbene Infektionen sind ein großes globales Gesundheitsproblem, aber Patienten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind doppelt so häufig davon betroffen wie Patienten in Ländern mit hohem Einkommen. Das Risiko auf Intensivstationen, insbesondere bei Neugeborenen, ist zwischen 2 und 20 Mal höher. Ein Grund dafür ist, dass in einigen einkommensschwachen Ländern nur jeder zehnte Mitarbeiter des Gesundheitswesens bei der Pflege von Patienten mit hohem Risiko für therapieassoziierte Infektionen auf der Intensivstation eine ordnungsgemäße Handhygiene praktiziert - oft, weil er nicht die Möglichkeiten dazu hat.

Aktiv auf Hygiene achten

„Aus gutem Grund kommt der Händehygiene ganz besonders in Gesundheitseinrichtungen ein hoher Stellenwert zu. Die richtige Händehygiene vor und nach jedem direkten Patientenkontakt ist die wichtigste Maßnahme, die das Krankenhauspersonal ergreifen kann, um die Übertragung gefährlicher Erreger von einer Patientin oder einem Patienten auf die oder den anderen – oder auf sich selbst – zu vermeiden“, betont Prof. Hasibeder. „Daher müssen wir auch die ‚neue Normalität‘ beim Hygienebewusstsein nutzen, um die bestehenden Empfehlungen lückenlos umzusetzen.“

Dabei komme auch den Patientinnen und Patienten selbst eine Rolle zu, so Prof. Hasibeder. „Es wäre wünschenswert, dass Patientinnen und Patienten im Krankenhaus nicht nur auf die eigene Händehygiene achten, soweit sie mobil und dazu in der Lage sind, sondern auch das Spitalspersonal direkt darauf ansprechen, sollten sie beobachten, dass die Händehygiene einmal zu kurz kommt“, sagt der ÖGARI-Präsident. „Auch das kann viel zur Hygienekultur beitragen.”

Das ist beim Händewaschen zu beachten

● Hände unter fließendes Wasser halten
● Seife 20 bis 30 Sekunden lang verteilen – auf der gesamten Oberfläche der Hand, auch auf den Fingerkuppen und zwischen den Fingern
● Sorgfältig abspülen und abtrocknen
● Hände möglichst vom Gesicht fernhalten

Weiterführende Studien:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7372602/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7375219/https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3037063/

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