Die britische Justiz hat im Fall der getöteten Ex-Ministerin Ann Widdecombe nun Anklage erhoben. Ein 28-jähriger Mann muss sich wegen Mordes verantworten. Die Ermittlungen zu den Motiven des Beschuldigten dauern allerdings noch an.
"Die polizeilichen Ermittlungen zu den Motiven des Beschuldigten dauern an, einschließlich der Prüfung eines möglichen politischen oder terroristischen Hintergrunds", erklärte Staatsanwalt Frank Ferguson am Montag. Eine zusätzliche Anklage wegen einer Terrortat gebe es derzeit nicht.
Die rechtsgerichtete Politikerin und prominente Brexit-Befürworterin war am 9. Juli tot in ihrem Haus im Südwesten Englands aufgefunden worden, wie n-tv berichtet. Der Leichnam der 78-Jährigen wies laut Polizei schwere Verletzungen auf und lag dort vermutlich 24 Stunden lang unentdeckt.
Wenige Tage nach dem Fund wurde ein 28-jähriger Brite im hunderte Kilometer entfernten Yorkshire festgenommen. Vermutlich handelt es sich bei ihm um den jetzt angeklagten Mann. In den Tagen danach hatten sich Hinweise auf eine politische Tat verdichtet, weshalb eine Anti-Terror-Einheit der Polizei die Ermittlungen übernahm.
Britische Medien veröffentlichten das Foto eines Mannes, bei dem es sich um den 28-Jährigen handeln soll. Das Bild zeigt demnach einen Mann mit Brille, langem Haar und Bart. Die Staatsanwaltschaft bat darum, keine Informationen zu veröffentlichen, die das Verfahren beeinträchtigen könnten.
Widdecombe saß von 1987 bis 2010 für die konservativen Tories im britischen Parlament. Sie war bekannt für ihren christlichen Glauben und ihre unverblümten Ansichten. Als Gefängnisministerin sorgte sie 1995 für Aufsehen, weil sie die Praxis verteidigte, schwangere Häftlinge anzuketten.
2019 trat Widdecombe der Brexit-Partei von Nigel Farage bei. Von 2019 bis zum EU-Austritt Großbritanniens 2020 war sie Europaabgeordnete.