Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat Anklage gegen jene 44-jährige Masseurin erhoben, die einen einsamen Witwer aus einer kleinen Gemeinde in Niederösterreich zuerst bezirzte, pflegte und schließlich sein gesamtes Vermögen von 1,23 Millionen Euro als "Universalerbin" einstrich.
Jahre nach dem Tod des reichen Kaufmanns am 27. Februar 2021 kam der Verdacht auf, dass etwas mit dem Testament nicht stimmen könnte – im Zuge von Ermittlungen wurde sogar der Leichnam des 86-Jährigen im vergangenen Dezember exhumiert – es stand ein Mordverdacht im Raum, der sich jedoch nicht mehr beweisen ließ.
Dennoch: Das Testament des Mannes, der sein Geld der Gemeinde überlassen wollte, soll durch einen dreisten Doppelgängertrick zustande gekommen sein. Ein ähnlich aussehender Greis – er wird "Architekt" genannt – soll sich gegen ein Honorar von 100.000 Euro als der Kaufmann ausgegeben haben, setzte die Masseuse (Verteidigung Astrid Wagner) als alleinige Begünstigte ein. Ein Schriftgutachten des Bundeskriminalamts entlarvte die Unterschrift als Fälschung, hält fest, "dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vom Verstorbenen stammt."
Beim Prozess in Wr. Neustadt am 16. Juni mitangeklagt sind ein 70-jähriger Pensionist und ein Wiener Arzt. Der Pensionist soll laut Anklage den Kontakt zu jener Person hergestellt haben, die dem Millionär ähnlich sah. Der Mediziner und Freund der inhaftierten Hauptverdächtigen – er wird von Anwalt Sascha Flatz verteidigt – habe sie beraten und den mutmaßlichen Doppelgänger mit ihr zum Notartermin chauffiert.
Brisant: Ermittlern liegt ein Chat vor, in dem ein Kontaktmann schreibt: "Die Unterschrift von den (sic!) Trottel wurde nie überprüft." Alle wegen schweren Betrugs Beschuldigte bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.