Der Fall der einbetonierten Pensionistin von Münchendorf nimmt eine neue Wendung. Nach aktuellen "Heute"-Informationen wurde neben dem Haus in Niederösterreich auch eine Wohnung in Wien-Alsergrund amtlich versiegelt.
"Heute"-Recherchen ergeben: Hier soll der Sohn der Toten gewohnt haben. Und: Auch die Pensionistin hatte in demselben Wohnhaus in Wien ihren Hauptwohnsitz.
Vor Ort zeigt sich ein schauriges Bild. Ein saniertes Jahrhundertwendehaus: frisch gestrichene Fassade, klassischer Wiener Altbau, in einer ruhigen Gegend. Im Stiegenhaus aber endet die Idylle abrupt vor einer dunklen Holz-Flügeltür mit schwarz lackierten Metallverzierungen.
Ein Detail sticht sofort ins Auge: Die Wohnungstür wurde offenbar aufgebrochen. Die Spuren an der Tür wirken frisch, sauber und gezielt. Es sieht aus, als wäre sie mit einem Werkzeug geöffnet worden. Provisorisch wurde die Tür danach wieder verschlossen – mit einer Schnalle und einem Vorhängeschloss.
Darauf klebt ein blauer Siegel-Aufkleber der Polizei: "Amtlich versiegelt". Auch ein offizieller Zettel der Stadt Wien steckt in der Tür, eingeklemmt zwischen Metallverkleidung und Fensterglas.
Ein Nachbar im Wiener Wohnhaus schätzt den Sohn der toten Pensionistin auf Ende 50. Viel will man im Haus nicht sagen, die Stimmung ist angespannt. Klar ist nur: Die Ermittler interessieren sich offenbar nicht mehr nur für das Haus in Münchendorf, sondern auch für die Wiener Adresse.
In Münchendorf (Bezirk Mödling) war die stark verweste Leiche der betagten Frau am 28. Mai in einer Mauer beim Kellerabgang entdeckt worden. Womöglich ist sie schon seit Jahren tot, eine Obduktion soll nun die Todesursache ermitteln. Die Polizei wurde gerufen, nachdem ein Angehöriger der Frau zum baldigen 100. Geburtstag gratulieren wollte. Als er die Frau nicht erreichte, schlug er Alarm. Polizei und Feuerwehr verschafften sich daraufhin Zugang zum Haus.
Schon zuvor sorgte eine Aussage aus der Nachbarschaft für Aufsehen. Ein Nachbar hatte den Sohn der Frau immer wieder in ihrem Garten in Münchendorf gesehen, dieser pflegte dort ein- bis zweimal im Monat den Garten seiner Mutter. Immer wieder unterhielten die Männer sich über den Gartenzaun.
Auffällig ist aber eine Aussage, die der Nachbar laut "Bild" machte: "Ich habe sie vor sechs Jahren zum letzten Mal gesehen." Was jetzt besonders brisant erscheint: "Der Sohn erzählte, dass sie im Pflegeheim in Wien lebt."
Genau diese Angabe könnte erklären, warum über lange Zeit niemand in Münchendorf Verdacht geschöpft und die Frau als vermisst gemeldet hatte. Die Frau war in Münchendorf nur zweitgemeldet, ihr Hauptwohnsitz lag in Wien. Nun stellt sich die Frage, welche Rolle die Wohnung am Alsergrund in den Ermittlungen spielt.
Die Kripo ermittelt weiter in alle Richtungen. Eine Obduktion soll klären, wann und wodurch die Pensionistin starb – und ob sie möglicherweise in Wien verstarb und erst danach nach Münchendorf verbracht wurde. Auch der Verdacht steht im Raum, dass nach ihrem Tod weiter Pension oder Pflegegeld bezogen worden sein könnte. Der Sohn gilt als wichtige Auskunftsperson. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.