Der Fall sorgt in der rund 3.200 Einwohner zählenden Gemeinde für großes Aufsehen. Münchendorfs Bürgermeisterin Doris Kirstorfer bezeichnete den Fall als "tragisch und unfassbar", wie sie im "Heute"-Gespräch betonte.
"Das ist tragisch und unfassbar, dass so etwas hier bei uns passiert", so die Bürgermeisterin. Die Frau selbst habe sie aber nicht gekannt – auch, weil die Pensionisten in Münchendorf nur als Nebenwohnsitz gemeldet ist. Ein Gemeindebesuch zum 100. Geburtstag in wenigen Wochen sei daher nicht geplant gewesen.
Das Haus und der Garten seien laut Nachbarn und Anrainern "gut beinand" gewesen, gesehen habe man die Frau aber auch hier schon längere Zeit nicht. Seltsam: "Regelmäßig kam ein Mann, um den Garten zu pflegen – es scheint, es sollte aussehen, als ob alles normal sei", so ein Anrainer.
Zur Erinnerung: Auslöser war ein Polizeieinsatz am 28. Mai. Die Feuerwehr wurde zur Öffnung eines Hauses gerufen, doch der Routineeinsatz entwickelte sich rasch zu einem Kriminalfall. Im Keller des Hauses entdeckten die Einsatzkräfte, Spezialkräfte und Polizeidiensthunde die Leiche einer Frau, die hinter einer Wand einbetoniert war. Aufgrund der ungewöhnlichen Situation waren Spezialisten der Kriminalpolizei zu dem Fall hinzugezogen worden.
Die Tote war laut ersten Erkenntnissen bereits stark verwest. Das gesamte Haus wurde gründlich nach weiteren Spuren durchsucht. Besonders erschütternd: Die Frau wäre in wenigen Wochen 100 Jahre alt geworden. Ermittler gehen davon aus, dass sie möglicherweise bereits seit Jahren tot ist.
Noch unklar ist, wer die Leiche hinter der Wand versteckte und aus welchem Motiv dies geschah. Die Umstände werfen zahlreiche Fragen auf.
Die Pensionistin war in Wien hauptgemeldet und in Münchendorf lediglich mit einem Nebenwohnsitz registriert. Deshalb wird der Fall von der Staatsanwaltschaft Wien bearbeitet.
Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. Wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustands gestaltet sich die Klärung von Todesursache und Todeszeitpunkt jedoch schwierig.
Derzeit ist offen, ob die Frau eines natürlichen Todes starb oder Opfer eines Verbrechens wurde. Die Ermittlungen laufen deshalb in alle Richtungen.
Die Behörden prüfen außerdem, ob nach dem Tod der Frau weiterhin Pension oder andere Sozialleistungen bezogen wurden. Ein mögliches finanzielles Motiv steht daher im Fokus der Ermittlungen. Vom Sohn der toten Pensionistin, der sich derzeit im Ausland aufhalten soll, erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise. Seine Aussagen könnten zur Aufklärung des Falls beitragen.