Vier Jahre nach dem Tod eines einst bekannten niederösterreichischen Unternehmers nimmt laut "Kronen Zeitung" ein spektakulärer Fall Fahrt auf. Der Leichnam des 1935 geborenen Millionärs wurde im Dezember 2025 exhumiert und in Wien gerichtsmedizinisch untersucht. Der Verdacht: Der Mann starb nicht an einem natürlichen Tod, sondern wurde ermordet.
In den frühen Morgenstunden des 19. Dezember rückten Kriminalbeamte, ein Gerichtsmediziner und Totengräber zu einem Friedhof in Niederösterreich aus. Die Gruft wurde geöffnet, der Sarg geborgen, die Leiche obduziert. Gewebeproben wurden für toxikologische Analysen entnommen. Hintergrund ist der dringende Verdacht, dass die ursprüngliche Todesursache - ein angeblicher Darmverschluss - nicht zutrifft.
Im Zentrum der Ermittlungen steht eine Frau, die der Unternehmer 2017 kennenlernte. Damals suchte der verwitwete, kinderlose Mann wegen Rückenproblemen nach einer Masseurin und meldete sich auf eine Annonce von Susanne M. Die Behandlungen führten zu regelmäßigem Kontakt, später übernahm die Frau immer mehr Aufgaben im Haushalt, berichtet die Tageszeitung.
Aus der Masseurin wurde schließlich die Pflegerin. Bekannte des Unternehmers verstanden die Nähe der beiden nicht. Er galt als gebildet und kunstsinnig, sie bewegte sich laut Ermittlern im Drogen- und Rotlichtmilieu. Trotzdem gewann sie zunehmend Einfluss, brachte Freunde und ihren Partner - einen nicht praktizierenden Mediziner - ins Haus.
2019 trennte sich der Unternehmer von seiner langjährigen Haushälterin. Susanne M. übernahm fortan die Betreuung des Mannes, der auf einen Rollator angewiesen war, sowie seines Schäferhunds. Warnungen aus dem Umfeld wischte er beiseite. Er betonte wiederholt, sie würde nicht mehr als ihr Monatsgehalt erhalten und er werde sein Testament nicht ändern.
Dieses Testament hatte er laut "Krone" bereits 2015 errichtet. Seine Villen und sein Vermögen vermachte er einem Tierschutzverein und seiner Stadtgemeinde. Auflagen betrafen unter anderem die Versorgung seines Hundes und die Pflege der Grabstätte.
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Laut Ermittlern soll Susanne M. jedoch erkannt haben, dass sie auf legalem Weg nichts erben würde. Die Kripo geht davon aus, dass daraufhin ein Plan entstand. Ein Mann mit dem Spitznamen "Architekt", dem der Unternehmer ähnlich gesehen haben soll, habe sich als dieser ausgegeben. Am 17. November 2020 erschien ein gehfähiger älterer Mann mit Schäferhund bei einem Notar - begleitet von Susanne M. und ihrem Partner. Dort wurde ein neues Testament errichtet, das die Frau zur Universalerbin machte.
Am 27. Februar 2021 starb der Unternehmer überraschend. Laut Angaben seiner Pflegerin sei sie einkaufen gewesen: "Bei meinem Heimkommen lag er regungslos im Bett", wird die Frau von der "Krone" zitiert. Ärzte zeigten sich damals überrascht vom Tod des 86-Jährigen, der abgesehen von Rückenproblemen als relativ gesund galt. Eine Obduktion erfolgte nicht.
Auffällig waren Spuren von Erbrochenem rund um den Mund des Verstorbenen, was auf einen Darmverschluss hindeutete. Da dieser aber üblicherweise mit starken Schmerzen einhergeht, die zuvor nicht aufgetreten waren, kamen später Zweifel auf.
Der entscheidende Wendepunkt kam im Spätsommer 2025. Ein Häftling zeigte Susanne M. an. Er gab an, ihr 2020 Geld für den Notar-Deal geliehen zu haben. Weil sie weder zurückzahlte noch ihm einen Erbanteil überließ, schaltete er die Behörden ein.
Eine Schriftgutachterin kam zum Schluss, dass die Unterschrift unter dem letzten Testament mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vom Unternehmer stammt. Der mutmaßliche Doppelgänger konnte nicht mehr befragt werden. Er soll ebenfalls verstorben sein - etwa zur selben Zeit wie das Opfer.
Seit November sitzt Susanne M. laut "Kronen Zeitung" in Untersuchungshaft. Sie bestreitet die Vorwürfe und sagt: "Ich habe ihn nicht umgebracht" sowie "er hat mich tatsächlich 2021 zu seiner Universalerbin gemacht." Belastende Aussagen aus dem Milieu bezeichnet sie als "ein heimtückisches Lügenkomplott".
Bei einer Hausdurchsuchung fanden Ermittler Notizen zum "Architekt" sowie Partezettel mehrerer Verstorbener. Zudem gibt es Hinweise, dass sich die Frau zuletzt um eine Pflegerstelle bei einer reichen, alleinstehenden Oberösterreicherin bemüht haben soll, berichtet die Tageszeitung.
Die toxikologischen Untersuchungen laufen noch. Geprüft wird, ob Substanzen gefunden werden, die eine Darmlähmung auslösen können. Der Millionär liegt inzwischen wieder in seiner Gruft. Sein Name fehlt auf der Steinplatte - Blumen hat dort seit Jahren niemand mehr abgelegt.
Für die Frau gilt die Unschuldsvermutung.