"Bei Verurteilung hätte ich …"

300 Tage unschuldig in Haft – jetzt spricht Winzer

Nach 10 Monaten U-Haft und seinem Freispruch spricht ein steirischer Winzer erstmals über die schwerste Zeit seines Lebens.
Österreich Heute
27.07.2026, 07:49
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Er wurde des Mordes einer reichen Witwe verdächtigt, festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt –  Geschworene sprachen Christian S. (58) am Landesgericht St. Pölten jedoch frei. Nun meldet sich der Weinbauer erstmals zu Wort. Im Gespräch mit der "Kronen Zeitung" schildert der 58-Jährige die psychischen Folgen der Haft und spricht offen über seine schwerste Zeit.

"Ich versuche, in mein altes Leben zurückzufinden", sagt der Winzer. Die Arbeit im Weingut, die Pflege seiner Pferde und die Natur würden ihm nun helfen, nach den belastenden Monaten wieder neue Kraft zu schöpfen.

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Suizidgedanken? Es gibt Hilfe!

In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen oder entsprechende Versuche – außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn du unter Suizidgedanken, Depressionen oder anderen Ausnahmesituationen leidest, bietet die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 von 0-24 Uhr kostenlos und anonym schnelle Unterstützung.

Weitere Ansprechstellen für Betroffene:

Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring - Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112

"Ich hätte mich bei einem Schuldspruch umgebracht", sagt er ganz offen. Für ihn wäre das besser gewesen, als viele Jahre unschuldig im Gefängnis zu verbringen. Die Zeit hinter Gittern habe tiefe Spuren bei ihm hinterlassen. "Ich war im Gefängnis bloß noch eine Nummer. 199895 war meine Häftlingszahl. Ich werde sie nie vergessen", erzählt der Steirer.

Er war im Juli 2025 festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, eine schwerkranke und wohlhabende Frau aus Niederösterreich – die Sterbehilfe beantragt hatte – schließlich gegen ihren Willen mit einem Giftcocktail getötet zu haben. Im Mai 2026 wurde er auch dank seiner Verteidiger Michael Dohr und Bernhard Lehofer vor Geschworenen jedoch freigesprochen. "Sie haben wie Löwen für mich gekämpft."

Anwalt Michael Dohr vertrat den Winzer, war von Anfang an von dessen Unschuld überzeugt.
Denise Auer

"Der irre Verdacht" sei nur aufgrund "bösartigster Intrigen entstanden", erklärt er und erinnert sich unter Träne an den verhängnisvollen Tag des selbstbestimmten Freitods seiner Freundin. "Glauben Sie mir, der Tag, an dem ich für Maria (Anm.: Name geändert) die Substanz aus einer Apotheke holen musste, war schrecklich für mich. Und noch grauenhafter ist der Moment gewesen, in dem ich sie ihr übergab. Das Gesetz, das so etwas ermöglicht, muss abgeschafft werden. Weil es die Überbringer in Extremsituationen bringt."

Er hätte ihr zu einem durch einen Arzt assistierten Selbstmord überreden sollen oder wäre besser mit ihr in ein Schweizer Freitod-Institut gefahren, bereut er die gewählte Vorgehensweise seiner Freundin im Nachhinein bitter. Jetzt kämpft der Winzer um den Fortbestand seines in die Pleite geschlitterten Weinguts. Sein Ziel sei es, den Betrieb zu retten und wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen. Wut auf die Menschen, die ihn angezeigt haben, verspüre er nach eigenen Angaben nicht.

{title && {title} } red, {title && {title} } 27.07.2026, 07:49
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