Bis zu 3.000 €, aber keiner will Job – Wirtin gibt auf

Die Bärenhütte in Hochkössen liegt auf 1.480 Metern und bietet einen herrlichen Blick auf die Kitzbüheler Alpen.
Die Bärenhütte in Hochkössen liegt auf 1.480 Metern und bietet einen herrlichen Blick auf die Kitzbüheler Alpen.Screenshot Webcam / Kaiserwinkl Hochkössen
Eine Hütten-Wirtin im Tiroler Unterland ist verzweifelt. Noch vor der Winter-Saison fehlt es so sehr an Personal, dass die 50-Jährige jetzt aufgibt.

Seit sechseinhalb Jahren führte Raffaela Hönel (50) die Bärenhütte hoch über Kössen im Kaiserwinkl, doch jetzt wirft sie verzweifelt noch vor der erhofft umsatzstarken Wintersaison das Handtuch – endgültig.

"Im Sommer musste ich selbst anpacken. Wir hatten ja nicht einmal einen Spüler, waren nur zu viert. Da blieb für meine eigentlichen Aufgaben wie Kalkulation, Einkauf und Marketing kaum mehr Zeit", beklagt die gebürtige Salzburgerin gegenüber der "Kronen Zeitung".

Kein Personal zu finden

Hütten-Wirtin zu sein, war für sie ein Traum-Job. "Ja, es war wie meine eigene Hütte und ich wäre gerne geblieben", so die 50-Jährige. Doch dieser Traum ist nun geplatzt. Denn um die 350 Sitzplätze der Bärenhütte ordentlich bespielen zu können, hätte es in der Wintersaison mindestens 16 Mitarbeiter gebraucht.

Es findet sich aber kaum jemand. Der generelle Personalmangel wurde dann auch noch einmal durch den gesundheitlichen Ausfall ihrer langjährigen Köchin weiter verschärft.

Einheimische Aushilfskräfte für den Hüttenbetrieb zu finden, scheint unmöglich und mit Saisonarbeitern aus dem Ausland hat Hönel offenbar ungute Erfahrungen gemacht: "Manche erzählen von Ausbildungen und Erfahrungen, aber ich sehe schon beim Tragen eines Tabletts, dass das wohl nicht stimmen kann." Zuletzt habe sie eine Kellnerin vor die Tür setzen müssen, weil diese sich gegenüber den Gästen nicht zu benehmen gewusst habe.

"Fünf-Tage-Woche gab es keine"

Doch auch Hönel weiß, dass die Arbeitsbedingungen auf einer Skihütte wohl wenig ansprechend sind. "Fünf-Tage-Woche gab es bei uns keine. Frei hat man kurzfristig und vor allem dann, wenn das Wetter schlecht ist", erklärt sie. Auch sei der Kollektivvertrag etwa im Burgenland attraktiver als in Tirol.

Die Situation in der Gastro scheint so gravierend, dass sich sogar ihr Sohn von dem Gewerbe abgewandt hat und sich nun als Dachdecker verdingt. "Gastronomie scheint für junge Menschen einfach nicht mehr attraktiv zu sein."

Preise steigen auch für Kunden

Hönels Aussichten für die Zukunft sind alles andere als rosig – weder für die Unternehmer noch für die Gäste. "Bis zu 3.000 Euro brutto verdient ein Kellner schon jetzt, das wird noch mehr und man muss Benefits bieten", rechnet die Wirtin der "Kronen Zeitung" vor.

Dazu kämen dann noch Ausgaben für die Personalzimmer, die in der Gegend meist erst ab 400 Euro aufwärts zu haben seien. 

Ein Teufelskreis, denn wenn die Unternehmen mit höheren Gehältern auf den Personalmangel reagieren, werden bald auch die Preise für die Kunden steigen. Skifahren könnte in Österreich immer mehr zum Luxus werden.

Österreichweites Problem

Mit der Personalnot steht die Salzburgerin bei Weitem aber nicht alleine da. "Heute" berichtete bereits mehrfach in den vergangenen Monaten über Unternehmer, die trotz attraktiven Job-Angeboten einfach keine Bewerber finden. Mehr dazu hier:

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