Ein Fall aus der deutschen Ortschaft Osternienburg (Sachsen-Anhalt) macht fassungslos: Ein sechsjähriges Mädchen starb an einem Schädel-Hirn-Trauma. Zuvor sollen über 400 Warn-E-Mails beim Jugendamt Dessau gelandet sein. Die Nachrichten blieben ungelesen.
Die Hintergründe: Das kleine Mädchen lebte bei ihrer Mutter. Am 7. Juni wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Die Sechsjährige wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Spital geflogen. Dort kämpften die Ärzte zwei Tage lang vergeblich um ihr Leben.
Die Ermittler verdächtigen den Lebensgefährten (27) der Mutter. Er soll das Kind getötet haben. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft. Besonders dramatisch: Die Tragödie hätte verhindert werden können. Laut einem Bericht des MDR schrieben die Mutter und eine Angestellte der Kindertagesstätte dem Jugendamt Dessau und warnten vor einer möglichen Kindeswohlgefährdung.
Das Problem: Die Mails landeten im stillgelegten Postfach eines bereits pensionierten Mitarbeiters. Für den Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Sachsen-Anhalt, Daniel Kemp, ist dies eine verheerende Panne. Es müssten Strukturen geschaffen werden, durch die keine Anzeigen oder andere Informationen verloren gehen können.
Aber auch das Umfeld der getöteten Sechsjährigen nimmt er in die Pflicht. Demnach reiche es nicht, wenn eine Kindergartenmitarbeiterin eine Nachricht abschicke und davon ausgehe, dass diese gelesen wird.
Im Ort selbst herrscht Fassungslosigkeit, Wut und Ohnmacht. Aber auch der Zorn auf die Behörden ist groß, wie aus einem RTL-Interview mit einer Gemeinderätin hervorgeht. Es wird von gravierenden Versäumnissen gesprochen. Die Hintergründe müssten lückenlos aufgearbeitet werden.