"In der Ukraine beträgt die Zahl der auf dem Schlachtfeld getöteten Militärs, ob Berufssoldaten oder Freiwillige, offiziell 55.000", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France 2. Zugleich gebe es eine "große Zahl" von Menschen, die sein Land als vermisst betrachte, fügte er hinzu.
Unterhändler der Ukraine und Russlands hatten am Mittwoch in Abu Dhabi mit der zweiten Runde der von den USA vermittelten direkten Gespräche über eine Beendigung des Ukraine-Krieges begonnen. Dabei bekräftigte Russland zunächst erneut seine Maximalforderung und verlangte die Abtretung des gesamten Donbass im Osten der Ukraine, obwohl die ukrainischen Streitkräfte einen Teil der Region noch kontrollieren. Die Gespräche sollen am Donnerstag fortgesetzt werden.
Wenn Russland die Ostukraine militärisch erobern wolle, müsse es 800.000 weitere Männer opfern, sagte Selenskyj dem Sender France 2. Russland werde mindestens zwei weitere Jahre dafür brauchen und "sehr langsam vorrücken", sagte Selenskyj laut der Übersetzung des französischen Senders. "Meiner Meinung nach werden sie nicht so lange durchhalten", fügte er hinzu.
Vor anderthalb Wochen hatten Unterhändler Moskaus und Kiews erstmals direkt miteinander über den US-Plan zur Beendigung der Kämpfe gesprochen. Beide Seiten sind sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen inzwischen in mehreren Punkten einig. Hauptstreitpunkt bleibt jedoch die Forderung Moskaus nach einem vollständigen Rückzug der Ukraine aus der wichtigen Industrieregion Donbass.