Umweltfreundlich kühlen – Wien investiert 65. Mio

Die Fernkältezentrale Spittelau ist eine von 16 Anlagen, die Wien im Sommer kühlen. Eine neue Zentrale in der City ist bereits in Planung, im Frühjahr 2021 soll sie den Betrieb aufnehmen.
Die Fernkältezentrale Spittelau ist eine von 16 Anlagen, die Wien im Sommer kühlen. Eine neue Zentrale in der City ist bereits in Planung, im Frühjahr 2021 soll sie den Betrieb aufnehmen.Bild: Wien Energie/Christian Hofer
Damit die Wiener auch bei Sommerhitze kühlen Kopf bewahren, investiert Wien Energie bis 2024 65 Mio. Euro in den Ausbau ihrer Fernkälteanlagen.
Durch den Klimawandel steigt die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen jenseits der 30 Grad-Grenze in Wien im Vergleich zu den Vorjahren weiter an. Die Stadt Wien reagiert darauf mit "cooling-off-Maßnahmen" wie Baumpflanzungen, Brunnen oder Sprühnebel gegen innerstädtische Hitzeinseln.

Doch auch eine umweltfreundliche Klimatisierung sei ein Gebot der Stunde. Diese fällt in das Aufgabengebiet der Wien Energie, die seit 2007 auf Fernkälte setzt. "Durch die Nutzung von Abwärme zum Antrieb der Kältemaschinen könne im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen rund 50 Prozent CO2 eingespart werden", so Umwelt- und Stadtwerke-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Fernkälte soll bald Privatkunden kühlen

Experten gingen davon aus, dass in etwa 20 Jahren genauso viel Energie für Kühlen wie für Heizen benötigt werden wird. Daher

CommentCreated with Sketch.2 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. baut Wien Energie ihre Fernkälteleistung massiv aus, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 10 bis 15 Prozent.

"Derzeit versorgen wir vor allem Großabnehmer wie Krankenhäuser, öffentliche Gebäude wie die Uni Wien oder Hotels mit Fernkälte. Wir arbeiten aber intensiv daran, diese Technologie in Zukunft auch im Privatkundenbereich anbieten zu können und werden dazu noch in diesem Sommer Projekte präsentieren. Insgesamt investieren wir in den nächsten fünf Jahren rund 65 Millionen Euro in den Fernkälte-Ausbau", erklärt

Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl.

16 Fernkälte-Anlagen kühlen Wien

Aktuell sorgen in Wien insgesamt 16 Fernkältezentralen dafür, dass es auch an Hitzetagen kühl bleibt. Über das mehr als 12 Kilometer lange Fernkältenetz mit einer Fernkälte-Gesamtleistung von rund 130 Megawatt versorgt Wien Energie Kunden in der gesamten Stadt. Das entspricht über 2.500.000 Quadratmeter klimatisierter Bürofläche oder 250 Fußballfeldern.



(Grafik: Wien Energie)

Besonders groß sei die Nachfrage nach Fernkälte in der Wiener Innenstadt, heißt es bei Wien Energie. Herkömmliche Klimaanlagen benötigten im Vergleich zu einer Fernkälteversorgung deutlich mehr Platz. Zudem widersprechen die für Klimaanlagen erforderlichen Rückkühler am Dach vielfach dem Denkmalschutz und beeinflussen das Mikroklima negativ.

"Coole" Innenstadt: Neue Fernkältezentrale ab 2021

Wien Energie plant deshalb, im ersten Bezirk eine flächendeckende Kälteversorgung anbieten zu können. Dazu werde ab Herbst 2019 eine neue, zusätzliche Fernkältezentrale am Stubenring im Bereich der Alten Post errichtet, die Vorarbeiten laufen bereits. 10 Megawatt Kälteleistung sollen im ersten Schritt installiert werden.

Die Inbetriebnahme ist im Frühjahr 2021 geplant. Nach den Fernkältezentralen am Schottenring, in der Renngasse, am Schwarzenbergplatz und am Schubertring wird die neue Zentrale am Stubenring dann die fünfte im 1. Bezirk sein.

Neue Versorgungsleitungen am Alsergrund

Investiert wird auch für die aktuelle Kälte-Saison. Zehn Jahre nach ihrer Inbetriebnahme ist die Fernkälte-Zentrale Spittelau an ihre Leistungsgrenze gekommen: Mit einer zusätzlichen, modernen Kältemaschine wurde bereits im Frühjahr die Gesamtleistung um ein Drittel von 17 auf 24 Megawatt erhöht.

Ab Mitte Juni wird hier mit einer neuen, zusätzlichen Versorgungsleitung Richtung Franz-Josef-Bahnhof außerdem ein weiterer Stadtteil am Alsergrund an die Fernkälte angeschlossen, die Errichtung einer zusätzlichen Verbindung Richtung Döbling beginnt demnächst. Bisher deckte das Leitungsnetz der Spittelau vor allem den Bereich um die Heiligenstädter Lände bzw. entlang des Währinger Gürtels ab. Wichtige, öffentliche Gebäude wie das AKH, die Universitäts für Bodenkultur (BOKU) oder das Ö3-Gebäude in der Muthgasse werden von hier mit umweltfreundlicher Kälte versorgt.

So funktioniert Fernkälte

Ein Großteil der Kühlenergie bei Fernkälte kommt aus Abwärme von Verbrennungsprozessen. Im Sommer ist Wärme aus der Müllverbrennung in Wien der wichtigste Energieträger für die Kühlung. Als Antriebsenergie wird Wärme anstelle von Strom verwendet. Dadurch können Strom und Treibhausgasemissionen eingespart werden. Über ein eigenes Fernkältenetz wird auf etwa 5-6 Grad Celsius abgekühltes Wasser direkt zu den Abnehmern transportiert und dort über die hauseigenen Kühlsysteme in den Gebäuden verteilt. (lok)

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