Bis 6G im Alltag ankommt, werden noch mindestens drei bis fünf Jahre vergehen. Auf dem Mobile World Congress (MWC) 2026 in Barcelona gehört die nächste Mobilfunkgeneration trotzdem schon jetzt zu den beherrschenden Themen. Erste Einschätzungen sind möglich, auch wenn viele Details noch offen sind.
Die beteiligten Unternehmen sind sich in einem Punkt weitgehend einig: Die großen Veränderungen gegenüber 5G lassen sich in drei Bereiche zusammenfassen - Kommunikation, Künstliche Intelligenz und Sensing.
Wie heise.de berichtet, ist der Bereich Kommunikation am naheliegendsten: Gemeint ist jede Verbindung zwischen Endgerät und Mobilfunkzelle. Während aktuelle 5G-Modems rund 15 Gbit/s im Download schaffen, sollen sich bei 6G Upload- und Downloadgeschwindigkeiten deutlich annähern. Das kommt vor allem der wachsenden KI-Datenflut zugute.
Besonders spannend wird der KI-Bereich: Mobilfunkstandorte sollen künftig mehr Rechenleistung erhalten und einen Teil der KI-Berechnungen direkt vor Ort erledigen - statt alles in weit entfernte Rechenzentren zu schicken. Nokia und Qualcomm sehen darin die Möglichkeit, Kosten zu senken und gleichzeitig die Netzanbindung zu entlasten.
Für den Durchschnittsnutzer, der bloß telefoniert oder im Internet surft, dürften die Änderungen allerdings kaum spürbar sein. Das räumte auch Qualcomm-Vizepräsident Durga Malladi am MWC ein.
Für die meisten Diskussionen sorgt der dritte Bereich: Sensing. Dabei werden 6G-Netze als eine Art Radar eingesetzt. Die Technologie namens ISAC (Integrated Sensing and Communication) ermöglicht es, über Funkreflexionen Objekte, deren Entfernung und Geschwindigkeit zu messen. Erste Tests zeigen bereits, dass die Echoortung sogar schon im aktuellen 5G-Netz funktionieren kann.
Mögliche Einsatzgebiete reichen von Echtzeitverkehrsdaten über die Drohnenerkennung bis zur Steuerung von Menschenströmen. Doch Datenschützer schlagen Alarm: Die Technik könnte auch dazu missbraucht werden, Gebäude zu kartografieren oder einzelne Personen ohne deren Einwilligung zu verfolgen - selbst wenn diese kein 6G-Gerät nutzen. Die EU-Normungsbehörde ETSI warnt bereits vor derartigen Szenarien.
Der Marktstart von 6G wird für das Jahr 2030 erwartet. Bis dahin muss die Branche nicht nur technische Fragen klären, sondern auch einen tragfähigen Rahmen für den Datenschutz schaffen.