Datenschutz-Alarm

6G-Schock: Handynetz wird zum Radar

Die nächste Mobilfunkgeneration 6G soll unsere Umgebung wie ein Radar scannen. Eine EU-Behörde warnt jetzt vor enormen Risiken.
Technik Heute
03.03.2026, 10:04
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Mit 6G steht ein gewaltiger Umbruch im Mobilfunk bevor. Die neue Technologie "Integrated Sensing and Communications" (ISAC) soll das Handynetz der Zukunft in ein riesiges Radarsystem verwandeln. Statt nur Daten zu übertragen, würde 6G-Funk Reflexionen nutzen, um Objekte, Entfernungen und sogar menschliche Bewegungen in Echtzeit zu erfassen.

Die Vorteile für Bereiche wie autonomes Fahren oder industrielle Automatisierung wären enorm. Doch die Schattenseiten der Technologie wiegen mindestens ebenso schwer, denn Funkwellen machen vor Mauern und dem menschlichen Körper nicht halt.

Wie heise.de berichtet, hat eine Arbeitsgruppe der EU-Normungsbehörde ETSI dazu nun einen alarmierenden Bericht veröffentlicht. Die Experten identifizieren darin insgesamt 19 kritische Punkte - allein 15 davon betreffen den Datenschutz und die Datensicherheit.

Kriminelle könnten 6G-Signale missbrauchen

Besonders brisant ist das sogenannte "unbefugte Sensing": Kriminelle könnten 6G-Signale nutzen, um ohne Erlaubnis Karten von Gebäuden zu erstellen oder den Aufenthaltsort von Personen zu verfolgen. Da die ISAC-Signale oft auch Kommunikationsdaten enthalten, besteht zusätzlich die Gefahr, abgehört zu werden.

Dazu kommt: In einer ISAC-Welt werden auch Menschen erfasst, die gar kein Mobilgerät besitzen oder nicht mit dem Netz verbunden sind. Die ETSI-Experten fordern daher klare Regeln für Einwilligung und Transparenz.

Künstliche Intelligenz als Risikofaktor

Auch die Rolle von Künstlicher Intelligenz wird kritisch gesehen. KI-Modelle könnten aus den Sensordaten hochsensible Informationen ableiten, die weit über den eigentlichen Messzweck hinausgehen. Zudem warnt die ETSI vor aktiven Angriffen: 6G-Radarsignale könnten über die Luftschnittstelle manipuliert werden, um Fehlmessungen in sicherheitskritischen Bereichen wie Fabrikhallen auszulösen.

Energieverbrauch und Nachhaltigkeit

Neben dem Datenschutz steht auch die Nachhaltigkeit im Fokus des Berichts. Die zusätzliche Radarfunktion darf den Energiebedarf der Netze nicht in die Höhe treiben. Die Behörde schlägt unter anderem eine effizientere gemeinsame Nutzung von Frequenzen vor und betont, dass die 6G-Infrastruktur im Einklang mit globalen Klimazielen stehen müsse.

Der Bericht versteht sich als Weckruf für Entwickler und Regulierungsbehörden. Die Botschaft ist klar: Nur wenn Datenschutz und Nachhaltigkeit bereits bei der Standardisierung berücksichtigt werden, kann 6G sein volles Potenzial entfalten, ohne uns alle gläsern zu machen.

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