2026 geht es längst nicht mehr nur um Datenschutzerklärungen oder Checkboxen, sondern um eine zentrale Frage: Wer hat Zugriff auf Daten – und wie gut sind diese Zugänge abgesichert? Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten sind digitale und menschliche Identitäten heute einer der wichtigsten Hebel für Cyberangriffe. Christian Kubik von Commvault betont, dass Angreifer häufig nicht direkt Daten attackieren, sondern den Umweg über Benutzerkonten, Service- oder Administratorrechte nehmen.
Werden solche Identitäten kompromittiert, verlieren Unternehmen schnell die Kontrolle über sensible Informationen. Gerade deshalb reiche es nicht mehr aus, regelmäßig Richtlinien zu aktualisieren oder Mitarbeiter zu schulen. Entscheidend sei, ob Organisationen im Ernstfall nachweisen können, dass sie Datenzugriffe im Griff haben – auch dann, wenn Konten missbraucht, Konfigurationen fehlerhaft gesetzt oder Berechtigungen ausgenutzt werden. Datenschutz werde damit zur Frage der operativen Handlungsfähigkeit.
Der Druck steigt zusätzlich durch neue und bestehende Vorgaben wie DSGVO, NIS-2 und DORA. Unternehmen müssen dokumentieren, wer auf kritische Systeme zugreifen darf, welche Rollen vergeben sind und wie privilegierte Konten geschützt werden. Laut Analystenprognosen kommen neue Risiken hinzu: Ein erheblicher Teil künftiger Datenschutzverletzungen dürfte auf den falschen Einsatz von KI über Ländergrenzen hinweg zurückzuführen sein. Entsprechend setzen immer mehr Organisationen auf detaillierte Nachweise darüber, wo Daten herkommen, wie sie verarbeitet werden und wofür Einwilligungen vorliegen.
Kubik sieht Datenschutz und Cyber-Resilienz zunehmend als zwei Seiten derselben Medaille. Es gehe nicht nur darum, Angriffe zu verhindern, sondern auch darum, nach einem Vorfall schnell reagieren zu können: Zugriffe eindämmen, Daten überprüfen und Systeme sauber wiederherstellen. Besonders kritisch seien dabei zentrale Verzeichnisdienste wie Active Directory, da sie den Zugriff auf Daten, Anwendungen und Systeme steuern und deshalb häufig ins Visier von Angreifern geraten.
Während Unternehmen vor allem technische und organisatorische Pflichten erfüllen müssen, rückt Bitdefender die Perspektive der Nutzer in den Vordergrund. Security-Analystin Alina Bizga weist darauf hin, dass persönliche Daten für viele Akteure zu einer Art Währung geworden sind. Sie werden gesammelt, weitergegeben und ausgewertet – oft, ohne dass Anwender genau wissen, was im Hintergrund passiert.
Hinter jeder Meldung über ein Datenleck stünden jedoch reale Menschen, deren Privatsphäre betroffen sei. Datenschutz bedeute daher nicht nur IT-Sicherheit oder Compliance, sondern auch den Schutz von Vertrauen und digitalen Gewohnheiten. Der Datenschutztag solle Nutzer dazu anregen, bewusster mit ihren Informationen umzugehen und zu hinterfragen, welche Daten sie preisgeben und wem. Der Europäische Datenschutztag 2026 ist damit mehr als ein fixer Termin im Kalender, er ist auch eine Erinnerung, Daten generell besser abzusichern.