Auch Kinder radikalisiert

Expertin enthüllt, wo sich in Wien Salafisten treffen

Österreich plant ab Herbst ein Social-Media-Verbot für Kinder. Expertin Lisa Fellhofer warnt vor Online-Radikalisierung und ihre Folgen für Wien.
Newsdesk Heute
27.01.2026, 21:17
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Australien und Frankreich sind vorgeprescht, die österreichische Regierung will folgen. Noch im Herbst soll ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren kommen. Auf eine EU-weite Regelung könne und wolle man nicht warnen, heißt es seitens der Koalitionsparteien. Der für Digitalisierung zuständige Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) will bis zum Schulstart im September "konkrete Umsetzungsschritte getätigt haben".

Lisa Fellhofer, die Leiterin der Dokumentationsstelle Politischer Islam, kann einem solchen Verbot etwas abgewinnen: "Für Kinder und Jugendliche ist das etwas, was man sich überlegen kann", sagt sie in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der "Presse".

Es könne "hilfreich", aber nicht die alleinige Lösung des Problems sein. Dazu brauche es weitere Begleitmaßnahmen wie auch Schulungen für Medienkompetenz und Quellenkritik, mahnt sie.

„Wir haben ursprünglich gedacht, die Online-Welt hilft uns allen, Meinungsfreiheit und demokratische Werte zu verbreiten. In den letzten Jahren sehen wir eher das Gegenteil.“
Lisa FellhoferLeiterin der Dokumentationsstelle Politischer Islam

Die Sozialen Medien würden inzwischen "eine sehr große Rolle" bei der Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen spielen: "Es gibt Fälle, in denen sich Elf- oder Zwölfjährige innerhalb eines kurzen Zeitraums radikalisiert haben, bis hin zur Bereitschaft, Anschläge zu verüben".

Junge Menschen würden dort mit radikalen Weltsichten bombardiert, die mit einem liberal-demokratischen Rechtsstaat wie Österreich nichts gemein hätten. Ihre Dokumentationsstelle hat vor allem TikTok, Instagram und Telegram-Kanäle am Radar, doch das Phänomen lässt sich auch nicht auf eine einzelne Plattform beschränken.

Es ist inzwischen höchste Zeit für Regulierung. "Wir haben ursprünglich gedacht, die Online-Welt hilft uns allen, Meinungsfreiheit und demokratische Werte zu verbreiten. In den letzten Jahren sehen wir eher das Gegenteil", konstatiert Fellhofer.

Internet und die "Offline"-Welt sind oft verbunden. "Das füttert sich gegenseitig", weiß die Expertin. Dabei zeigt sich eine bedenkliche Entwicklung: "Unter Jugendlichen machen sich Subkulturen breit, bei denen ein salafistisches Aussehen als hip und modern gilt." Sie tragen plötzlich Bart und knöchelfreie Hosen, um dem überlieferten Aussehen des Propheten Mohammed nachzueifern.

"Es ist ein urbanes Phänomen"

Damit lässt sich auch Geld verdienen! "In den vergangenen Jahren haben wir beobachtet, dass es mit dem Vertrieb von Merchandise über Online-Kanäle angefangen hat." Inzwischen würden aber auch kleine Geschäfte, die salafistisches Gewand und Bücher samt extremistischer Ideologie verkaufen, wie Schwammerl aus dem Boden sprießen.

Parallel dazu dienen die Sozialen Medien auch dazu, Treffen mit Gleichgesinnten, sogenannte "Schwesterntreffen", in der realen Welt zu organisieren.

Fellhofer nennt dabei von Hotspots direkt vor unser aller Augen: "In Wien sieht man es in manchen Bezirken in einzelnen Grätzeln", erklärt sie. Auf Nachfrage legt sie nach: "In Favoriten oder in Rudolfsheim-Fünfhaus. Es ist ein urbanes Phänomen in größeren Städten."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 28.01.2026, 07:34, 27.01.2026, 21:17
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