72.000 Sicherheitskräfte sichern Afghanistan-Wahl

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen haben die Afghanen einen neuen Präsidenten gewählt. Trotzdem verübten die Taliban mehrere Anschläge.
Überschattet von mehreren Anschlägen und Gewaltdrohungen der radikal-islamischen Taliban haben die Afghanen einen neue Präsidenten gewählt. Aus vielen Landesteilen wurden am Samstag meist kleinere Angriffe und Feuergefechte gemeldet, bei denen nach Angaben des Verteidigungsministeriums zwei Polizisten und ein Zivilist getötet wurden.

37 Menschen seien verletzt worden, hieß es weiter. Auch lagen hunderte Beschwerden über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe vor. Westliche Diplomaten gingen von einer geringen Beteiligung aus. Viele Afghanen blieben wohl aus Angst um ihr Leben den Wahlurnen fern. Die Wahl lief unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ab. Mehr als 72.000 Sicherheitskräfte sicherten den Wahlgang.

Befürchtet wird ein unklarer Ausgang, der das ohnehin von Gewalt zerrissene Land noch weiter in die politische Ungewissheit stürzen könnte. Vorläufige Ergebnisse werden nicht vor Mitte Oktober erwartet. Das Endergebnis soll frühestens Anfang November vorliegen. Als aussichtsreichster Kandidat neben Amtsinhaber Aschraf Ghani gilt dessen Regierungschef und langjähriger Rivale Abdullah Abdullah.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. "Gesündeste und fairste Wahl"

Die Wahlkommission äußerste sich dennoch zufrieden über den Verlauf. Verglichen mit früheren Abstimmungen sei es "die gesündeste und fairste Wahl" gewesen. Die Wahllokale blieben kurzfristig zwei Stunden länger als geplant geöffnet, nachdem es wegen technischer Probleme zu Verzögerungen gekommen war.

Ein ranghoher Vertreter des Innenministeriums sagte, das Sicherheitskonzept scheine aufgegangen zu sein. Mehrere Anschläge seien vereitelt worden. Zehntausende Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Die Taliban erhöhten bereits vor der Wahl die Zahl ihrer Angriffe, nachdem Gespräche mit den USA mit Blick auf ein mögliches Friedensabkommen kürzlich abgebrochen worden waren. Die Aufständischen kontrollieren inzwischen mehr Territorium als je zuvor seit ihrem Sturz durch die USA im Jahr 2001. Sie hatten die Bevölkerung aufgerufen, die Wahl zu boykottieren. Mehr als neun Millionen Afghanen waren zur Wahl aufgerufen.

Hunderte Wahllokale bleiben geschlossen

Bereits wenige Stunden nach Öffnung der Wahllokale gab es mehrere Explosionen. Nach Behördenangaben wurden unter anderem Vorfälle aus Kabul, Dschalalabad, Ghani und Kandahar gemeldet. In der im Norden des Landes gelegenen Provinz Farjab lieferten sich afghanische Soldaten und Taliban Kämpfe. Da die Einwohner deshalb ihre Häuser nicht verlassen konnten, blieben sie auch den Urnen fern.

Die Taliban teilten mit, dass ihre Kämpfer Wahllokale in der Provinz Laghman angegriffen hätten. In Dschalalabad wurde die Stimmabgabe nach Behördenangaben durch vier Explosionen unterbrochen.

Gut 400 Wahllokale, nämlich die in von den Taliban kontrollierten Gebieten lagen, öffneten nicht. Die Wahlkommission teilte während der Stimmabgabe zudem mit, sie habe zu 901 der 4942 Wahlzentren keinen Kontakt herstellen können. Ob es dort dennoch zur Stimmabgabe kam, war nicht klar. Hunderte Afghanen gaben bis zum Nachmittag an, dass ihre Namen im Wählerverzeichnis nicht aufgeführt worden seien.

Die beiden aussichtsreichsten der insgesamt 14 Kandidaten gaben an unterschiedlichen Schulen in der Hauptstadt Kabul ihre Stimme ab. Er setze darauf, dass die Wahl sein Land voranbringe, sagte Amtsinhaber Ghani. Der 70-jährige und der 59-jährige Abdullah teilen sich seit der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wahl 2014 gezwungenermaßen die Macht, sind sich aber eher in gegenseitiger Missgunst verbunden.

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