Österreich

93-Jährige betreibt zu Hause Ahnenforschung

Berta Heindls große Leidenschaft ist die Ahnenforschung. Bis ins Jahr 1575 reichen die Recherchen der Mistelbacherin zurück.
Heute Redaktion
13.09.2021, 14:09

„Jeder Mensch möchte einen Zweck erfüllen. Mit zunehmendem Alter wird man aber immer mehr obsolet. Wenn niemand ein Kindermädchen braucht, man keinen Beruf mehr ausüben kann, dann kann man sehr viel Handarbeit machen. Doch," so Berta Heindl (93) weiter, „kostet eine Stricknadel schon bald mehr, als ein Pullover aus dem Internet. Und nur zuhause herumsitzen und beten, das liegt mir nicht".

Unzählige Menschen fragen sich seit Inkrafttreten der nunmehr geltenden Ausgangsbeschränkungen folgend der Coronavirus-Pandemie, wie sie ihre Zeit in den eigenen vier Wänden nützlich verbringen können.

Doch es gibt auch viele Menschen, die diese Situation auch aus dem täglichen Leben kennen, die sie mit Kreativität und Tatendrang überbrücken, wie die 93-jährige Berta Heindl aus Mistelbach, die bereits sehr viele schöne, aber auch sehr schwierige Zeiten im Laufe ihres Lebens gemeistert hat.

Deshalb hat Berta Heindl einen guten Rat an alle, denen nun die sprichwörtliche Decke auf den Kopf fällt: „Ich möchte die Menschen dazu animieren, Ahnenforschung für ihre Familie, für die Nachkommen, oder aber nur für sich selbst zu betreiben, zumal man das seit ein paar Jahren ganz bequem von zuhause aus über das Internet machen kann."

Als junge Frau hatte die in Glinzendorf geborene Berta Heindl den Beruf der Hebamme erlernt und erhielt nach Abschluss ihrer Ausbildung sofort eine Stelle im Krankenhaus.

Die Niederösterreicherin hatte in all den Jahren aber auch das Bedürfnis, der Begeisterung ihres Vaters für die Vorfahren und verwandtschaftlichen Verhältnisse, zu folgen. In der Pension hatte Berta endlich Zeit, ihren Traum zu erfüllen, einige Fernreisen in andere Kontinente zu machen, aber sie wollte darüber hinaus auch noch ihren Traum nach Kenntnis der Vergangenheit der Familie aufarbeiten.

Akribisch recherchiert(e) sie nun, meist daheim am PC. Die Aufzeichnungen ihrer Familienchronik reichen bis 1575 zurück. Da wurde ein Vorfahre geboren, der „Quästor" (historische, lateinische Bezeichnung für einen leitenden Verwaltungs- oder Finanzbeamten) bei Hartmann III, Fürst von Liechtenstein (1613 – 1686) war und aufgrund seiner Verdienste unzählige Titel besaß. Dieser Vorfahre starb im Jahre 1658 mit 83 Jahren.

1.890 Namen von Vorfahren erforscht

Nach und nach kommen bis zum heutigen Tage immer mehr Matrikeln ins Internet, so hat die 93-Jährige die nötige Zeit, ihrer Leidenschaft nachzugehen, um ihre Forschungsarbeit noch weiter zu vertiefen.

Inzwischen konnte Berta eine beachtliche Anzahl von beinahe 1.890 Namen von Vorfahren erforschen, wobei es nur da Lücken gibt, wo Kirchenbücher noch nicht aufgetaucht oder leider gänzlich verschollen sind.

Es gibt unzählige Plattformen im Internet, wo man in alte Dokumente, historische Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher schmökern kann. Einige davon sind „Matricula Online", „Familia-Austria", „Porta Fontium", „Soa Plzen Matriky", „Ceske Archivy", und unzählige andere mehr – je nachdem, in welchem geographischen Bereich Dokumente gesucht werden.

„Wenn die Ahnentafel in Form eines Stammbaumes festgehalten ist, werden die Zusammenhänge klar ersichtlich und man versteht daraus resultierend viel besser, warum manche Eigenschaften der Menschen so sind, wie sie auch heute noch ersichtlich sind. Interessant ist es durchaus auch zu erfahren, mit welchen heute noch lebenden Menschen man gemeinsame Vorfahren teilt, obwohl man aufgrund der vielen Generationen dazwischen kaum mehr von Verwandtschaft im engeren Sinne sprechen kann."

Inzwischen hat Berta Ahnentafeln für ihre gesamte nähere Verwandtschaft und ihre Nachkommen erarbeitet und zum Teil künstlerisch gestaltet oder gestalten lassen.

Dazu gibt es Künstler, wie in diesem Fall den Weinviertler Ronald Heberling, die bereits im Auftrag die eine oder andere Ahnentafel, die Vorbesitzer einer Liegenschaft oder das Familienwappen künstlerisch in Acryl oder Öl auf Leinen für die kommenden Generationen attraktiv gestalten.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen
Weitere Storys