94 Stunden. Mehr als 630 Kilometer. Kaum Schlaf. Und am Ende steht nur noch einer.
Mark Dowdle gewinnt den "Last Soul Ultra" 2026 und ist damit die letzte "Seele" eines der spektakulärsten Lauf-Events des Jahres. Der US-Amerikaner setzte sich am Dienstagvormittag in einem unglaublichen Ausdauerduell gegen den Deutschen Ayyoub "Ello" El Osrouti durch.
150 Teilnehmer waren am Freitag in das Rennen gestartet. Vier Tage später waren davon nur noch Dowdle und El Osrouti übrig.
In Runde 94 fiel schließlich die Entscheidung.
El Osrouti musste nach rund 630 Kilometern aufgeben. Besonders bitter: Schon bei der Premiere 2025 war "Ello" Zweiter geworden. Damals kämpfte er 66 Runden lang gegen YouTuber Kim Gottwald, ehe ihn Probleme mit der Achillessehne stoppten. Gottwald absolvierte anschließend die entscheidende 67. Runde und gewann.
Diesmal hielt El Osrouti noch einmal mehr als einen kompletten Tag länger durch.
Für den Sieg reichte selbst das nicht. Denn Dowdle war nicht kleinzukriegen.
Dass ausgerechnet der US-Amerikaner am Ende übrig blieb, kommt allerdings nicht völlig überraschend.
Dowdle reiste mit einer beeindruckenden Serie nach Deutschland. Vor dem Last Soul Ultra hatte er bereits sechs Backyard Ultras in Folge gewonnen. Zu seinen Erfolgen gehört auch der "Go One More Ultra" im April in Texas. Dort gewann er nach 73 Runden und knapp 490 Kilometern.
Nun legte er noch einmal gewaltig nach.
Seine bisherige persönliche Bestleistung von 73 Runden pulverisierte Dowdle beim Last Soul Ultra. Gleichzeitig feiert er damit seinen nächsten Sieg in Serie.
Dabei kommt der US-Amerikaner ursprünglich gar nicht aus dem klassischen Ausdauersport. Dowdle spielte in seiner Heimat College-Football und Lacrosse, ehe er schließlich seine Leidenschaft für Backyard Ultras entdeckte.
Das Prinzip des "Last Soul Ultra" ist simpel – und gleichzeitig brutal.
Zu jeder vollen Stunde müssen die Teilnehmer eine Runde über exakt 6,706 Kilometer beginnen. Wer beispielsweise 45 Minuten benötigt, darf die verbleibenden 15 Minuten essen, trinken, schlafen oder seine Wunden versorgen.
Dann geht es wieder los. Und wieder. Und wieder.
Wer eine Runde nicht innerhalb der Stunde beendet oder nicht rechtzeitig zum nächsten Start erscheint, scheidet aus. Eine vorgegebene Distanz oder ein fixes Ende gibt es nicht. Gelaufen wird, bis nur noch ein Athlet übrig ist.
Das bedeutet nach mehreren Tagen vor allem eines: Schlaf wird zum Luxus.
Dowdle und El Osrouti befanden sich beim entscheidenden Duell bereits am fünften Kalendertag des Rennens.
Und aus dem eigentlich nischigen Extremsport wurde plötzlich ein Internet-Spektakel.
Bereits 2025 verfolgten zeitweise mehr als 40.000 Menschen den Livestream. In diesem Jahr wurde diese Zahl regelrecht pulverisiert: Während des Rennens schauten zeitweise bereits mehr als 100.000 Menschen gleichzeitig auf YouTube zu.
Mittendrin: Kim Gottwald.
Der deutsche Lauf-YouTuber hat den Last Soul Ultra mitinitiiert und gewann die Premiere 2025 selbst. Damals reichten ihm 67 Runden beziehungsweise knapp 449 Kilometer zum Sieg.
2026 konnte der 23-Jährige seinen Titel allerdings nicht verteidigen. Eine noch nicht vollständig verheilte Verletzung zwang Gottwald zum Zuschauen. Statt selbst Runde um Runde zu laufen, moderierte und begleitete er sein eigenes Event.
Kurios: Ausgerechnet mit seinem Nachfolger als Last-Soul-Sieger verbindet Gottwald bereits eine gemeinsame Geschichte.
Beim "Go One More Ultra" in Texas im April waren beide am Start. Dort musste Gottwald nach 58 absolvierten Runden aufgeben. Dowdle hielt durch und gewann das Rennen schließlich nach 73 Runden.
Nun triumphiert der Amerikaner auch bei Gottwalds eigenem Event.
Und während 2025 knapp 449 Kilometer für den Sieg reichten, mussten die letzten beiden Athleten diesmal die 630-Kilometer-Marke knacken.
Mark Dowdle ist am Ende der Mann, der nach mehr als vier Tagen immer noch nicht genug hatte – und die letzte "Seele" des Last Soul Ultra 2026.